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Johannesburg 2002: Die Vorbereitung

Fokus Mai 2002

In diesem Gespräch, das vor Beginn der Konferenz in Johannesburg stattfand, hält BUWAL-Direktor Philippe Roch Rückschau auf die vergangenen zehn Jahre nachhaltiger Entwicklung und äussert seine Hoffnungen für die Verhandlungen.

Gespräch mit BUWAL-Direktor Philippe Roch

Der Weltgipfel von Rio liegt zehn Jahre zurück, in Johannesburg startet jetzt eine neue internationale Verhandlungsrunde. Hat die erste Runde der Umwelt das gebracht, was man sich 1992 erhoffte?

Philippe Roch: In Rio wurde vorgemacht, wie man Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenbringen muss. Jetzt ist dieses Konzept überall präsent. Das hat eine neue Betrachtungsweise eröffnet. Auch auf der internationalen Ebene haben wir wichtige Fortschritte gemacht. Ich denke an die Konventionen im Umweltbereich, z.B. das Kyoto-Protokoll, die Konvention zur Biosicherheit oder die Vereinbarungen zum Umgang mit chemischen Stoffen. Aber auch bei der Gestaltung der internationalen Handelsbeziehungen - etwa im Rahmen der WTO - werden Umweltanliegen viel ernster genommen als vor 10 Jahren.

Sind diese Vereinbarungen nicht lediglich zahnlose Papiertiger geblieben?

Für unseren Planeten sieht die Bestandsaufnahme düster aus. Wir haben heute weniger Wälder, grösser Wüsten, mehr Verschmutzung. Das ist eine Niederlage. Dank der Global Environment Facility (GEF) flossen aber auch 15 Milliarden Dollar in ganz konkrete Projekte, beispielsweise Solaranlagen oder Nationalparks; darin sind 4 Milliarden GEF-Eigenmittel inbegriffen. Die Politik verändert sich laufend. Und es braucht Zeit. Ohne Rio ginge es der Umwelt noch schlechter.

Werden die Abkommen von den Regierungen denn tatsächlich ernst genommen?

Gerade die Tatsache, dass einzelne Länder sich mit der Umsetzung so schwer tun zeigt, dass die in Rio erzielten Vereinbarungen nicht bloss zahnlose Papiertiger geblieben sind. In den Fragen der Biodiversität und des Klima gibt es echte Fortschritte. Mit dem Protokoll zur Biosicherheit konnten beispielsweise Rahmenbedingungen für den internationalen Transport und Handel mit genetisch veränderten Lebewesen geschaffen werden, die den Umweltanliegen deutlich mehr Gewicht geben, als dies innerhalb der WTO möglich gewesen wäre. Für den Zugang und die gerechte Verteilung des Nutzens aus der biologischen Vielfalt wurden - nicht zuletzt auf Initiative der Schweiz - ebenfalls wichtige Richtlinien verabschiedet. Und im Klimabereich wurde ein System geschaffen, das nun schrittweise verbessert werden kann. Auch die Regeln zum Schutz der Ozonschicht sind nur langsam und schrittweise vorangekommen, und heute scheinen wir das Problem in den Griff zu bekommen. Ähnlich wie früher beim Ozon, haben wird nun auch im Klimabereich den zentralen Schritt von allgemeinen Verpflichtungen hin zu einem konkreten System mit verbindlichen Verpflichtungen geschafft. Das alles sind grosse Fortschritte, auf die es nun aufzubauen gilt.

Hat die Schweiz ihre Hausaufgaben gemacht?

Die Revision des Umweltschutzgesetzes von 1995 hat zu strengeren Schutzmassnahmen in den Bereichen Abfall, belastete Standorte, Elektrosmog und Gentechnik geführt. Die Luftverschmutzung ist stark zurückgegangen und mit dem CO2-Gesetz verfügt die Schweiz über ein wirksames Instrument, um weitere Reduktionen beim Ausstoss von Treibhausgasen durchzusetzen. Zudem kehren einst verdrängte wild lebende Arten wie der Wiedehopf, der Bartgeier und der Wolf wieder in unser Land zurück. Wir dürfen uns allerdings nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Wir wollen und müssen neue Herausforderungen wie etwa im Bereich der Gentechnologie, der persistenten organischen oder hormonellen Stoffe rechtzeitig anpacken und die begonnenen Arbeiten wirksam und effizient weiter führen.

Was sind Ihre grössten Hoffnungen für Johannesburg?

Meine grösste Hoffnung ist, dass der Weltgipfel dem Anliegen der Nachhaltigen Entwicklung einen neuen und frischen Impuls gibt. Die internationale Gemeinschaft soll Johannesburg als Chance nutzen, um ihr Engagement zu unterstreichen, um die grossen Herausforderungen wieder stärker ins Rampenlicht zu rücken. Am Weltgipfel sollen aber auch wichtige neue Prozesse lanciert werden. So brauchen wir eine international koordinierte Strategie zum Umgang mit gefährlichen Chemikalien - von der Herstellung bis zur Entsorgung. Wichtig ist auch, dass der Weltgipfel in Johannesburg das UN-System für nachhaltige Entwicklung stärkt. Insbesondere muss das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mehr Gewicht und zusätzliche Mittel bekommen. Schliesslich hoffe ich, dass in Johannesburg und im Nachfolgeprozess viele konkrete Partnerschaftsinitiativen lanciert werden. Die Schweiz will unter anderem an einer Initiative zugunsten des Schutzes und der nachhaltigen Nutzung der Tropenwälder in Asien mitwirken. Wir sind auch daran - zusammen mit der Basel Konvention über gefährliche Abfälle - eine Partnerschaftsinitiative zur Entsorgung alter Handys zu entwickeln. Es ist wichtig, dass solche Initiativen sorgfältig aufgebaut und umgesetzt werden, nur so können sie nachhaltig wirken. Ob der Weltgipfel in Johannesburg letztlich ein Erfolg war, wird sich daher nicht bereits am 4. September zeigen, sondern erst in 10 Jahren.

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Zuletzt aktualisiert am: 17.11.2006

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