Bundesamt für Umwelt BAFU

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FOKUS: Lebensqualität dank Grüner Wirtschaft und Ressourceneffizienz

15.05.2012 - Der weltweit steigende Druck auf die natürlichen Ressourcen steht im offensichtlichen Widerspruch zur Endlichkeit unseres Planeten. Auch wir Schweizer übernutzen unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Notwendig ist deshalb die Entwicklung hin zu umweltfreundlicheren Produktions- und Konsummustern, ähnlich einer neuen industriellen Revolution. Im Juni steht die Grüne Wirtschaft im Zentrum der UNO-Konferenz für Nachhaltige Entwicklung (Rio+20).

Von Bruno Oberle, Direktor BAFU

Umweltbelastung von Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum entkoppeln

Ziel muss es sein, den ökologischen Fussabdruck bis etwa zum Jahr 2050 weltweit wieder auf die Kapazität einer Erde zu reduzieren, wie dies vor 1980 stets der Fall war. Seither hat die Weltbevölkerung allerdings von rund 4,4 auf heute über 7 Milliarden Menschen zugenommen und sie wird in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen. Angesichts des rasanten Wohlstandwachstums gerade in grossen Schwellenländern, dürfte die Nachfrage nach Rohstoffen und Konsumgütern weiterhin ansteigen.

Es ist nur möglich, den Druck auf die natürlichen Ressourcen zu vermindern, wenn Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung voneinander entkoppelt werden. Das heisst, die Belastung von Luft, Klima, Wasser oder Wälder und der Verbrauch an nicht erneuerbaren Ressourcen wie fossile Energien, Rohstoffen und Boden müssen abnehmen, auch wenn Bevölkerung und Wirtschaft weiter wachsen.

Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen stösst das gegenwärtige Wirtschaftsmodell klar an seine Grenzen. Eine grüne Wirtschaft ist also notwendig, eine Wirtschaftsweise, in der Konsum und Produktion die Umwelt nur so stark belasten, dass die natürlichen Ressourcen in ausreichender Qualität und Quantität für uns und kommende Generationen zur Verfügung stehen. Wollen wir unsere Lebensqualtität nicht in Frage stellen, liegt der wichtigste Schlüssel für eine Grüne Wirtschaft in der Steigerung der Ressourceneffizienz. Das bedeutet, dass wir mit weniger Umweltschäden und Ressourcenverbrauch mehr wirtschaftliche Leistung erbringen..

Dazu muss die Forschung neue effizientere Technologien und Verfahren entwickeln, die Wirtschaft diese in der Entwicklung der Produkte und den Produktionsprozessen einsetzen und die Konsumentinnen und Konsumenten für diese ressourcenschonenden Produkte gewonnen werden. Angesichts der schnell zunehmenden Übernutzung muss diese Effizienzwende bis spätestens in 20 Jahren greifbare Resultate hervorbringen und demzufolge sofort eingeleitet werden. Dies setzt eine rasche Veränderung unserer Produktions- und Konsummuster voraus. Sie kommt einer erneuten industriellen Revolution gleich und benötigt klare politische Ziele.

Die Chancen der Schweiz

Die Schweiz gehört mit ihrer dynamischen Wirtschaft und einer starken Forschung zur Weltspitze der innovativsten Industrieländer. Sie hat deshalb beste Chancen, diesen entscheidenden Kurswechsel der Weltwirtschaft aktiv mitzugestalten. Mit der Entwicklung, Realisierung und Vermarktung von umweltverträglicheren Technologien, ressourcenschonenden Produkten, energieeffizienten Dienstleistungen und nachhaltigen Organisationsformen lassen sich neue Wachstumsmärkte erschliessen. Dies wird unseren Wirtschaftsstandort weiter stärken und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Der Bundesrat hat im Oktober 2010 mit der Festlegung von sechs Handlungsfeldern ein wichtiges Signal für eine grüne Wirtschaft gegeben. Die Handlungsfelder reichen vom Masterplan Cleantech über Produktinformationen für einen ressourcenschonenden Konsum bis hin zur umfassenden Wohlfahrtsmessung, um neben dem Bruttoinlandprodukt geeignetere Informationen zur Messung der gesellschaftlichen Wohlfahrt bereitzustellen. Dies sind wichtige Schritte, um die Rahmenbedingungen für eine grüne Wirtschaft zu schaffen und zu stärken.

Mit der Klima- und Energiepolitik sind wichtige Massnahmen für eine effiziente Nutzung von Energieressourcen beschlossen bzw. eingeleitet worden. Notwendig sind vergleichbare Anstrengungen auch bei der Verwendung von für die industrielle Produktion wichtigen Rohstoffen sowie für wichtige Substanzen wie zum Beispiel das für die landwirtschaftliche Produktion unerlässliche Phosphor. Dessen bekannte Reserven werden nur noch einige Jahrzehnte ausreichen. Griffige Effizienzstandards für alle natürlichen Ressourcen müssen nach und nach national und international durchgesetzt werden.

Grüne Wirtschaft im Zentrum der UNO-Nachhaltigkeitskonferenz von Rio+20

Im kommenden Juni, wenn die Staats- und Regierungschefs im brasilianischen Rio de Janeiro am UNO-Gipfel zur Nachhaltigen Entwicklung zusammenkommen, steht das Anliegen einer Grünen Wirtschaft zum ersten mal auf der Agenda der Weltpolitik. Die Konferenz Rio+20 soll die verschiedenen internationalen Initiativen und Strategien für eine Grüne Wirtschaft bündeln und zusammenführen. Angesichts der Bedeutung für die künftige Entwicklung der Menschheit hat sich die Schweiz im Vorfeld stark für eine „Green Economy Roadmap" mit einer klaren Vision sowie konkreten Zielen, Prinzipien und Instrumenten zu deren Umsetzung engagiert. Es bleibt zu hoffen, dass diese viel beachtete Idee die Weltgemeinschaft auf dem herausfordernden Weg zu einer Grünen Wirtschaft ein entscheidendes Stück weiterbringt.

 


Kontakt: info@bafu.admin.ch
Zuletzt aktualisiert am: 15.05.2012

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