Bundesamt für Umwelt BAFU

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Holzforschung: Holzweg direkt in die Zukunft

In der Schweiz gibt es auf universitärem Niveau zurzeit keinen Lehrstuhl, der sich mit Holz in all seinen Anwendungen befasst. Das nationale Forschungsvorhaben Wood Fibre 2020 soll
Abhilfe schaffen und dieser Ressource zur wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Beachtung verhelfen, die ihr gebührt.

Vereinigt sich eine herkömmliche Form mit einem alltäglichen Material, kann durchaus etwas Ungewöhnliches entstehen. Dies zeigt ein sechsstöckiges Wohnhaus in Steinhausen ZG: ein kubischer Bau, ansprechend in seiner abwechslungsreichen Gliederung, aber auffällig erst durch die für einen Wohnblock ungewöhnliche Fassade aus Rot- Zeder. Das Holz dafür wurde aus Kanada importiert, der Architekt hat es aus ästhetischen Gründen so gewollt. Ansonsten wurde das schweizweit erste sechsgeschossige Holzhaus mit Bäumen aus der Region gebaut. Im August 2006 konnten die ersten Bewohner einziehen. Seither wurde dem Gebäude viel Lob zuteil. Gerühmt werden namentlich der perfekte Lärmschutz und das Übertreffen der Minergie-Standards.

Herkömmliche Techniken der Holzverarbeitung mussten dazu mit eigens entwickelten Lösungen ergänzt werden, etwa zum Schutz vor Lärm und Trittschall. Auch die Planung stellte hohe Anforderungen, galt es doch, mehrere Tausend Quadratmeter Holzund Gipsplatten sowie andere vorgefertigte Bauteile termingerecht zu beschaffen und einzubauen.

Innovative Lösungen für Zeiten knapper Rohstoffe

Logistische Fähigkeiten, Ingenieurwissen, Kenntnis der pflanzlichen Fasern bis in die molekularen Strukturen - sind diese Voraussetzungen gegeben, ist Holz eine vielversprechende Grundlage für Innovationen. Diese Überzeugung spornte eine Gruppe von Fachleuten aus universitären Hoch- und Fachhochschulen (FH), Forschungsinstitutionen, der Holzwirtschaft, Ämtern und Zweckverbänden an, ein umfassendes Forschungsvorhaben zu lancieren.

Wood Fibre 2020 wird die Grundlagenforschung der Hochschulen mit der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung aus dem bisherigen Programm «Innovations-Roadmap 2020» der FH zusammenlegen. Das neue Vorhaben deckt sowohl den Lebenszyklus von Holzprodukten als auch die ganze Grössenskala vom Molekül bis zum Bauholz ab. «Nur wenn wir das Ganze im Blick haben, können wir dereinst die Lösungen entwickeln, die es braucht, um in Zeiten knapper Rohstoffe die begrenzte Ressource Holz optimal zu nutzen», ist der Chemiker und Koordinator von Wood Fibre 2020, Paul Gilgen von der ETH-Forschungsanstalt Empa (Materials Science & Technology), überzeugt.

Mittelfristig soll mit Wood Fibre 2020 ein nationaler Forschungsschwerpunkt samt neuem Lehrstuhl gebildet werden. Kurzfristig geht es darum, verschiedene Träger zu überzeugen, den Anschub des Vorhabens zu finanzieren. Auch das BAFU beabsichtigt, sich daran zu beteiligen: «Es ist uns wichtig, dass die Forschung neue Verfahren in der Bereitstellung, Verarbeitung und Verwertung von Holz entwickeln kann», sagt Marco Zanetti, Chef der Sektion Wald- und Holzwirtschaft im BAFU.

Dies tut zum Beispiel Yves Weinand von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne EPFL. Er entwickelte neuartige räumliche Tragwerke und, zusammen mit der FH Biel, das Verfahren des Reibschweissens von Holz: Zwei Holzelemente werden mit hohem Druck geringfügig gegeneinander hin und her geschoben, während an der Reibfläche Ultraschall eingestrahlt wird. Dadurch verflüssigt sich das Lignin an den Grenzflächen, so dass beide Teile gleichsam miteinander verwachsen. Dies ermöglicht den Bau grosser gewölbter Formen, wie man sie bisher nur aus gegossenem Beton kannte. Im molekularen Bereich wiederum wird an Möglichkeiten geforscht, bisher erdölbasierte Produkte neu aus Zellulose herzustellen.

Ein Thema sind auch die Verarbeitungswege sowie Systeme wirtschaftlicher Anreize, die gestaffelte Nutzungen von Pflanzenfasern ermöglichen und fördern. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der nachhaltigen Holzbereitstellung im Wald könnte einen weiteren Schwerpunkt von Wood Fibre 2020 bilden. Sie soll sicherstellen, dass der Wettbewerb um die wertvolle Ressource nicht auf Kosten der Natur geht.

Lucienne Rey  


Kontakt: magazin@bafu.admin.ch
Zuletzt aktualisiert am: 05.03.2009

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Wald- und Holzforschungsfonds - Der Fonds unterstützt Projekte, die die Wettbewerbsfähigkeit der schweizerischen Wald- und Holzwirtschaft zu verbessern. Die Beiträge sind als Starthilfe gedacht und sollen die Selbsthilfe und die finanzielle Beteiligung Dritter auslösen.

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