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Die Bevölkerung in der Schweiz produziert im internationalen Vergleich pro Kopf relativ wenig Treibhausgase. Müssten allerdings im nationalen Treibhausgas-Inventar die so genannten „grauen“ Emissionen erfasst werden, läge die Schweiz im Durchschnitt der OECD-Länder. Dies zeigt eine neue BAFU-Studie.
Die Klimakonvention der UNO verlangt von den Staaten, dass sie in den nationalen Treibhausgas-Inventaren nur die im Inland entstehenden Emissionen ausweisen. Die Treibhausgas-Inventare lassen jene Emissionen unberücksichtigt, welche ein Land - bedingt durch den intensiven Austausch von Gütern und Dienstleistungen - im Ausland mitverantwortet und als „graue" Emissionen importiert.
Verschiedene Vorstösse im Rahmen der internationalen Klimakonvention haben in den letzten Jahren gezeigt, dass die Regeln der Zurechnung von Treibhausgas-Emissionen in Zukunft zum Teil ändern könnten. Damit rückt die Frage ins Blickfeld, wie sich die Emissionsbilanz eines Landes unter Einbezug der grauen Emissionen darstellt. Zu diesem Zweck hat das BAFU die Situation der grauen Emissionen der Schweiz in einer Studie genauer untersucht.
Als Basis für die Untersuchung diente das Jahr 2004. Die Berechnungen haben ergeben, dass sich die Treibhausgas-Emissionen der Schweiz von 53,0 Mio. Tonnen CO2-eq (CO2-eq bedeutet CO2-Äquivalente, eine Einheit, in welcher die Wirkung aller Treibhausgase eingerechnet ist) auf 93,6 Mio. CO2-eq erhöhen, wenn der Austausch von Waren und Dienstleistungen mit dem Ausland berücksichtigt wird. In der Gesamtbilanz der Warenströme betragen die importierten grauen Treibhausgas-Emissionen rund 68 Mio. Tonnen CO2-eq. Dem stehen Exporte in der Grössenordnung von knapp 29 Mio. Tonnen CO2-eq gegenüber.
Mit einem Anteil von rund 32 Prozent ist im Jahr 2004 der grösste Teil der grauen Emissionen dem Sektor „Energieträger und Strom" anzurechnen. In diesem Sektor werden zum Beispiel die bei der Förderung, Raffinierung und beim Transport von Erdöl entstehenden Emissionen bilanziert. Weitere bedeutende Beiträge stammen aus den Sektoren „Bearbeitete Waren" (vor allem Metalle, Papier und Textilien; 20 Prozent) sowie „Chemische Erzeugnisse" (18 Prozent). Relativ unbedeutend sind die grauen Emissionen des Flugverkehrs mit rund 2,5 Prozent Anteil am Total.
Pro Kopf ergibt sich unter Einbezug der Bilanz der grauen Emissionen eine Zunahme von 7,2 Tonnen CO2-eq auf 12,5 Tonnen CO2-eq bzw. von 6 Tonnen auf 10,7 Tonnen, wenn nur CO2 betrachtet wird. Damit liegt die Schweiz bei den CO2-Emissionen in der Grössenordnung des OECD-Durchschnitts, etwa gleichauf mit den Niederlanden, mit Grossbritannien oder Südkorea. Das vergleichsweise niedrige Pro-Kopf-Emissionsvolumen im Inland wird somit durch die hohen Importzahlen ausgeglichen.
Gemessen am Wohlstandsniveau der Schweiz und angesichts der nach wie vor grossen Abhängigkeit von fossilen Energieträgern ist dieses Ergebnis wenig überraschend. Es widerlegt die oft gehörte Behauptung, die Schweiz verursache deutlich weniger Pro-Kopf-Emissionen als andere, wirtschaftlich vergleichbare Industrieländer.
Für die Emissionsbilanz auf internationaler Ebene ist allerdings auch von Bedeutung, dass die Schweiz mit dem Export von CO2-freiem Strom ins Ausland (vorrangig nach Deutschland und Italien) einen namhaften Beitrag zur Verbesserung der Emissionsbilanz unserer Nachbarländer leisten dürfte. Wenn man annimmt, dass die exportierte Menge Strom ersetzt, der ansonsten mit dem in Deutschland und Italien installierten Kraftwerkpark produziert würde, werden durch die Schweizer Stromexporte jährlich rund 17 Mio. Tonnen CO2-eq vermieden.
Die neue BAFU-Studie aktualisiert und vervollständigt die Daten eines 2000 publizierten Berichts, welcher die Zeitpunkte 1990 und 1998 betrachtete. Sie erlaubt damit erste vertiefte Rückschlüsse auf Entwicklungstendenzen bei den grauen Emissionen und liefert wertvolle Grundlagen für die internationale Einbettung der schweizerischen klimapolitischen Strategie.
Auskunft:
Graue EmissionenAls „graue" Emissionen bezeichnet man den Ausstoss von Schadstoffen, die bei der Herstellung von Produkten und Energieträgern sowie bei der Entsorgung von Produktionsabfällen verursacht werden. Es wird somit der gesamte Lebenszyklus des Produktes betrachtet. Liegt die Wertschöpfungskette eines in der Schweiz abgesetzten Produktes ganz oder teilweise im Inland, so sind die grauen Emissionen im nationalen Treibhausgas-Inventar ganz bzw. teilweise bereits berücksichtigt. Bei schweizerischem Transportbeton etwa werden die Rohstoffe zum grossen Teil in der Schweiz abgebaut und der Klinker wird in einem inländischen Zementwerk gebrannt. Die zur Befeuerung eingesetzte Steinkohle wiederum wird im Ausland bereitgestellt und die hierdurch verursachten Emissionen sind im Treibhausgas-Inventar nicht erfasst. Nimmt man aber ein Produkt wie beispielsweise einen MP3-Player, bei dem die Wertschöpfungskette grösstenteils ausserhalb der Schweiz liegt, deckt das schweizerische Treibhausgasinventar nur einen kleinen Teil der gesamten Emissionen ab, die durch das Produkt verursacht werden. |
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