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Naturgefahren in der Schweiz – was tun für unsere Sicherheit?

24.08.2016 - Die Schweiz muss mit verschiedenen Naturgefahren wie Hochwasser, Felsstürze, Stürme oder Lawinen umgehen. Verschiedene Faktoren, darunter das wärmere Klima, erhöhen die Risiken. Wo stehen wir und was gilt es für unsere Sicherheit zu tun? Der umfassende Bericht Naturgefahren gibt Auskunft.



Bundesratsbericht «Naturgefahren Schweiz 2016»

Die Schweiz ist als alpines und dicht bevölkertes Land vielen Naturgefahren wie Hochwasser, Steinschlag oder Lawinen ausgesetzt. 1.8 Millionen Menschen leben in Gebieten mit Hochwassergefahr, 1.7 Millionen Arbeitsplätze und 840 Mia. Sachwerte können von Hochwassern betroffen sein.

In Zukunft dürfte der Bedarf nach Schutz steigen: Das Klima wird immer wärmer und die Niederschläge häufiger und heftiger. Die Siedlungen wachsen weiter. Infrastrukturen werden immer teurer, besser vernetzt und stärker genutzt, so dass die Auswirkungen von Naturereignissen stark ansteigen. Bestehende Schutzbauten wie Hochwasserschutzdämme kommen in die Jahre und müssen saniert werden. Die Verwundbarkeit der Gesellschaft und Wirtschaft steigt.

Was kann man tun, um auch in Zukunft gut geschützt zu sein, welche Massnahmen sind nötig? Mit diesen Fragen setzt sich der umfassende Bericht Naturgefahren Schweiz auseinander, den der Bundesrat am 24. August 2016 verabschiedet hat. Der Bericht entstand unter der Federführung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) und umschreibt die wesentlichen Massnahmen von Bund, Kantonen, Gemeinden, Wissenschaft und Forschung, aber auch privaten Organisationen wie Versicherungen und Fachverbänden, die für einen guten und kostengünstigen Schutz nötig sind. Der Bericht zeigt auch auf, wo und wie die Bevölkerung selber Massnahmen zum besseren Schutz ergreifen kann.

 PDF
Umgang mit Naturgefahren in der Schweiz
Bericht des Bundesrats
24.08.2016 | 4157 KB | PDF


Interview zum Bericht Naturgefahren Schweiz mit Hans Peter Willi, Chef der Abteilung Gefahrenprävention

Der Schutz vor Naturgefahren beansprucht erhebliche finanzielle Mittel. Die seit dem 19. Jahrhundert erstellten Bauten müssen saniert und wenn nötig angepasst werden, zum Beispiel an der Aare, Rhone, Reuss, oder am Rhein. Weitere Kosten entstehen durch bessere Technik zur Vorhersage, wie etwa Wetterradarstationen. Lohnen sich diese Investitionen?

Diese Investitionen lohnen sich auf jeden Fall. Berechnungen in zahlreichen Projekten haben gezeigt, dass jeder investierte Franken fünf bis sieben Franken Schäden vermeidet. Dabei ist nicht eingerechnet, dass mit den meisten Schutzbauten zusätzlich der natürliche Zustand von Fliessgewässern verbessert und oft sogar Erholungsräume geschaffen werden. Künftig werden sich solche Investitionen noch mehr lohnen. Denn starke Niederschläge und damit auch die Hochwassergefahr haben in den letzten Jahren zugenommen. Die Atmosphäre ist wärmer als früher, es gibt häufigere und stärkere Wetterereignisse. Aber wir brauchen nicht nur Schutz vor Hochwasser, sondern zum Beispiel auch vor Felssturz oder Murgängen, speziell in den Alpen, wo der Permafrost langsam auftaut.

Seit dem grossen Hochwasser 2005 hat die Schweiz bezüglich der Vorbeugung von Naturgefahren vieles verbessert. Fachleute verfügen u.a. über genauere Daten, haben neue Berechnungsmodelle, können Ereignisse schneller und genauer vorhersagen und darüber rechtzeitig informieren. Der Bevölkerung steht das aktuelle Naturgefahrenportal www.naturgefahren.ch zur Verfügung. Wann sind wir am Punkt bei der Vorbeugung und Bewältigung?

Die Umsetzung der im Bericht dargestellten Massnahmen wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Auch wenn damit langfristig die Aufwendungen von Öffentlichkeit und Privaten reduziert werden sollen, wird der Schutz vor Naturgefahren eine Daueraufgabe bleiben. Gegenwärtig leben 1.8 Millionen Menschen in Hochwasser-gefährdeten Gebieten. Bereits jetzt sind Sachwerte von rund 840 Milliarden Franken durch Hochwasser gefährdet. Die Siedlungen entwickeln sich weiter, unsere Infrastrukturen wie zum Beispiel Strasse, Schiene oder Stromleitungen werden immer teurer und vernetzter und damit steigen die Auswirkungen von Naturereignissen. Gleichzeitung nehmen Häufigkeit und Ausmass von Wetterextremen als Folge des Klimawandels zu. Permafrost taut auf, Hänge und Felspartien werden unstabil. Felsstürze, Rutschungen und Murgänge sind die Folge.

Haben Sie noch andere Veränderungen als die bereits erwähnten beobachtet?

Ja, vermehrt beobachten wir neue Phänomene wie den Oberflächenabfluss - also Wasser, das ausserhalb der Gerinne über Hänge in die Siedlungen fliesst. Der Oberflächenabfluss richtet bedeutende Schäden an, vor denen wir uns schützen müssen. In der Naturgefahrenprävention haben wir wichtige und grosse Schritte gemacht. Aber die Arbeit, oft Generationenprojekte, wird uns nicht so schnell ausgehen, wenn wir für Gesellschaft und Wirtschaft weiterhin ein gutes Sicherheitsniveau wollen.

Der Bericht Naturgefahren Schweiz ist ja naturgemäss ein Papier. Wann wird man im „wirklichen" Leben etwas davon merken, was sind die nächsten Schritte?

Auf lokaler Ebene spüren wir „im wirklichen Leben" bereits jetzt jedes Jahr etwas davon. Jährlich werden Dutzende von Schutzbauprojekten erfolgreich abgeschlossen und damit die Sicherheit entlang einzelner Gewässer oder vor Steinschlag, Rutschungen und Felsstürzen verbessert. Dies soll so weitergehen. Bereits in wenigen Jahren sollen grossflächige Risikoanalysen und Schutzplanungen aufzeigen, wo die grössten Risiken und Handlungsschwerpunkte liegen, damit die Sicherheit an diesen Orten möglichst rasch verbessert wird. Notfallpläne sollen die Bereitschaft und den Einsatz von Wehrdiensten in den Kantonen und Gemeinden besser machen.

Die Schweiz wird immer dichter bebaut, was kann man hier tun bezüglich der Naturgefahren?

Es gilt, die bestehenden Gefahrenkarten in der Nutzungsplanung umzusetzen. Sonst würden die Risiken mit den wachsenden Siedlungsgebieten und dem weiteren Ausbau von Infrastrukturen steigen. Und auch bereits beim Bauen sind die Naturgefahren zu berücksichtigen. Bauherren werden davon durch Auflagen im Baubewilligungsverfahren etwas merken, aber auch bei Ereignissen, wenn durch naturgefahrengerechtes Bauen Schäden verhindert werden konnten. Für die Bevölkerung schliesslich sollen noch gezieltere und genauere Warnungen einen spürbaren Nutzen bringen.

Der Bericht Naturgefahren Schweiz ist eine grosse Auslegeordnung. Ist es ein Meilenstein in der Gefahrenprävention in unserem Land?

Der Bericht Naturgefahren ist tatsächlich die erste derart umfassende Auslegeordnung in der Schweiz. Die wesentlichen Massnahmen von Bund, Kantonen, Gemeinden, Wissenschaft und Forschung, aber auch privaten Organisationen wie Versicherungen und Fachverbänden, die für einen guten und kostengünstigen Schutz nötig sind, werden dargestellt. Auch wird aufgezeigt, wo und wie die Bevölkerung selber Massnahmen zum besseren Schutz ergreifen kann.

Der Bericht legt also erstmals umfassend dar, worum es geht und was es zu tun gilt. Greift er damit eine völlig neue Thematik auf?

Nein, denn die Schweiz war und ist als Alpenland seit je verschiedenen Naturgefahren ausgesetzt, verschiedene davon habe ich schon erwähnt: Hochwasser, Unwetter, Hagel, Lawinen, aber auch Gletscherabbrüche oder Murgänge. Die Menschen hier mussten sich also schon seit jeher mit diesem Thema befassen. Wir stehen in dieser Tradition, wir haben das nun einfach systematisch und der heutigen Komplexität angepasst gemeinsam mit allen wichtigen Akteurinnen und Akteuren getan. So vielfältig die Naturgefahren sind, so vielfältig ist die Palette der vorsorglichen Massnahmen. Nur zusammen, in integrierter Weise, greifen sie wirksam.


Kontakt: gefahrenpraevention@bafu.admin.ch
Zuletzt aktualisiert am: 24.08.2016

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http://www.bafu.admin.ch/naturgefahren/14144/16640/index.html?lang=de