Bundesamt für Umwelt BAFU

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FAQ zur Erlegung des Bär M13

Antworten auf häufige Fragen zur Erlegung des Bär M13 am 19. Februar 2013 im Puschlav.

Bär M13
M13, 30. Juni 2012, Val Müstair
© Amt für Jagd und Fischerei Graubünden (AJF)

Warum wurde der Bär M13 erlegt?

Normalerweise sind Bären scheu und meiden die Nähe von Menschen. M13 hingegen hat seine Nahrung in Siedlungen vor allem im Poschiavo gesucht. Die zuständigen Behörden haben mehrmals versucht, ihn zu vergrämen und zu verscheuchen, damit er sich von Siedlungen fern halten würde. Dabei beschoss man ihn mit Gummischrot und Knallpetarden.

Diese Vergrämungen waren aber weitgehend wirkungslos: Zwar vermied M13 in der Folge jeweils die unmittelbaren Lokalitäten der Vergrämungsaktionen, er drang aber an anderen Stellen immer wieder in den Siedlungsraum vor und folgte sogar auf kurze Distanz Menschen. Dadurch wurde er zu einem Risiko. Es bestand die Gefahr, dass es wegen seiner fehlenden Scheu zu einer gefährlichen Situation kommt, in der er Menschen angreifen und verletzen könnte. Weil man dieses Risiko nicht eingehen konnte, musste M13 aus Sicherheitsgründen erlegt werden.

Wer hat über die Erlegung des Bären entschieden; wie ist das Verfahren geregelt?

Die zuständige Interkantonale Kommission (IKK) beurteilt die Situation fachlich aufgrund des Konzepts Bär Schweiz. Im aktuellen Fall besteht die IKK aus dem Leiter des Amtes für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden und dem Sektionschef Jagd, Fischerei, Waldbiodiversität des Bundesamts für Umwelt BAFU.

Die IKK gibt gegenüber dem zuständigen Regierungsrat des betroffenen Kantons eine Empfehlung ab. Dieser entscheidet dann gestützt auf die massgebliche Gesetzgebung von Bund und Kanton abschliessend darüber, ob eine Bewilligung zur Erlegung ausgestellt wird oder nicht. Erlegt wird der Bär von den Vollzugsorganen des Kantons, also der Wildhut.

Warum hat man den Bären nicht betäubt und anschliessend eingeschläfert, statt ihn abzuschiessen?

Da ein Risikobär gemäss Konzept Bär sofort entfernt werden muss, ist schnelles Handeln angesagt. Um einen Bären zu betäuben und nachher mit einer Spritze einzuschläfern, muss man bis auf eine Distanz von maximal 30m an ihn herankommen, während ein Abschuss aus bis zu 200m Distanz möglich ist.

Der Bär ist geschützt. Warum kann er trotzdem erlegt werden?

Der Bär ist gemäss der internationalen Konvention von Bern und dem eidgenössischen Jagdgesetz geschützt. Man muss aber stets abwägen zwischen dem Schutz des Bären und der Gefahr, die von ihm ausgehen kann. Für diese Abwägung hat das BAFU das «Konzept Bär Schweiz» erstellt und nach dem Abschuss des Bären JJ3 im Jahr 2008 aktualisiert.

Dieses regelt, wie man mit Bären umgeht. In diesem Konzept geht es um Prävention, Herdenschutz, Abgeltung von Schäden und schliesslich auch um den Umgang mit Bären, die Probleme verursachen.Auch in anderen Ländern (z.B. Slowenien) wird die Erlegung von Bären vollzogen, wenn sie für Menschen gefährlich werden.

Im Umgang mit den einwandernden Bären stehen die Behörden in einem Zielkonflikt zwischen Bären-Individuum und Bären-Population. Um der Population die Chance zu schaffen, in der Schweiz Lebensraum zu finden, muss unter Umständen ein Individuum entfernt werden. Um unauffälligen Bären, die schon in die Schweiz gewandert sind und hoffentlich auch in Zukunft wandern werden - den Lebensraum zu sichern, musste der Risikobär M13 erlegt werden.

Wieso gab es keine Rekursfrist gegen die Erlegung?

Wegen seiner fehlenden Scheu und seiner systematischen Nahrungssuche in Siedlungen stellte M13 ein Sicherheitsrisiko für Menschen dar, das nicht länger getragen werden konnte. Um im Falle einer Gefährdung von Menschen unverzüglich handeln zu können, empfiehlt das Konzept Bär den kantonalen Behörden, im kantonalen Recht die Voraussetzungen zu schaffen, einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung zu entziehen.

Unter diesen Voraussetzungen kann der Abschuss des Risikobären unverzüglich vollzogen und die entsprechende Verfügung am Tag nach dem Vollzug publiziert werden. Diese Publikation eröffnet den anerkannten Organisationen die Möglichkeit, die Rechtmässigkeit der Entscheidung von der Beschwerdeinstanz überprüfen zu lassen.

Welchen Zweck verfolgt das Konzept Bär Schweiz?

Das Konzept Bär regelt den Umgang mit dem Bär, die Schadenprävention, den Herdenschutz und die Abgeltung von Schäden. Gemäss diesem Konzept gibt es drei Kategorien Bären:

  1. unauffälliger Bär: Verhält sich unauffällig, lebt zurückgezogen und meidet Siedlungen.
  2. Problembär: Richtet Schäden an, ist nicht sehr scheu gegenüber Menschen. Problembären werden deshalb wenn möglich besendert und gezielt vergrämt.
  3. Risikobären: Risikobären zeigen entweder trotz mehrfacher Vergrämung keine Scheu gegenüber Siedlungen und Menschen oder sie sind direkt aggressiv gegenüber Menschen geworden. Sie werden deshalb aus Sicherheitsgründen erlegt bzw. betäubt und eingeschläfert.

M13 war zwar nie aggressiv gegenüber Menschen, aber da die Vergrämungsaktionen sein Verhalten nicht grundsätzlich ändern konnten, nahm das Risiko zu, dass es zu einer gefährlichen Situation für Menschen hätte kommen können.

Wie gefährlich war dieser Bär wirklich?

M13 war ein junges Männchen und zeigte von Anfang an sehr wenig Scheu vor Menschen und Siedlungen. Deshalb wurde er am 11. April 2012 eingefangen und mit einem Halsbandsender versehen. Eine Neubesenderung erfolgte am 30. Juni 2012 weil der GPS-Sender nach einem Zusammenstoss des Bären mit der  Rhätischen Bahn ausgefallen war.

So wusste man immer, wo er sich aufhielt. Man konnte seine Wanderungen verfolgen und die Vergrämungsaktionen planen. Die Fachleute von Bund und Kanton hatten bereits im Frühling, Sommer und Herbst 2012 mit allen Mitteln versucht, M13 aus dem Siedlungsgebiet zu vertreiben. Weitere Vergrämungsaktionen fanden im Februar 2013 statt. Auch sie blieben wirkungslos.

M13 verhielt sich zwar gegenüber Menschen nie aggressiv, aber er wurde zum Sicherheitsrisiko, weil er überhaupt keine Scheu zeigte, systematisch in der Nähe oder innerhalb von Siedlungen nach Nahrung suchte und sich auf kurze Distanz Menschen näherte, ja diesen gar folgte.

Warum war dieser Bär gefährlich?

Seit seiner Einwanderung aus Italien in die Schweiz im April 2012 hat M13 ein problematisches Verhalten gezeigt. Aufgrund seines Verhaltens wurde er auch schon von den verantwortlichen Behörden in Italien besendert und überwacht. Die Vergrämungsaktionen in der Schweiz zeigten keinerlei Wirkungen auch nicht nach beendeter Winterruhe im Februar 2013. Wie Erfahrungen mit dem Risikobären JJ3, welcher im April 2008 geschossen wurde, zeigen, kann früh eingeprägtes Verhalten kaum mehr korrigiert werden.

Hätte man diesen Bär nicht einfangen und z. B. in einem Zoo bzw. einem Gehege unterbringen können?

Gemäss dem Konzept Bär des Bundes sind der «Einfang und die Verbringung in ein Gehege oder eine Umsiedlung nie eine Option».  Tierethische Überlegungen sprechen gegen die Gefangenschaft von Wildbären:

  • Die Angewöhnung an ein Gehege - und sei dieses noch so bärengerecht ausgestattet - funktioniert höchstens bei ganz jungen Wildbären. Die Gefangenschaft bedeutet in jedem Fall grossen Stress für das Wildtier.
  • Wildgeborene Bären entwickeln in Gefangenschaft rasch Stereotypien, Verhaltensstörungen wie immer gleiche Gehrouten entlang von Gehegezäunen, Kopfweben vor dem Gitter etc.
  • Wenn ein wilder Bär als «Risiko» eingestuft wird, sind tagelange Einfangversuche aus Sicherheitsgründen nicht verantwortbar. Die Vollzugsbehörden müssen in diesem Fall rasch reagieren können.

Diese Haltung wurde bei der Erarbeitung des Konzepts mit nationalen und internationalen Wildbärenexperten, den Kantonen und den Naturschutzverbänden intensiv ausdiskutiert.

Hätte man diesen Bären nicht nach Italien zurück bringen können?

Das BAFU hat mit den Verantwortlichen des italienischen Wiederansiedlungsprojekts im Trentino darüber gesprochen, ob der Bär zurück gebracht werden kann, um dort in Freiheit zu leben. Dies wurde von italienischer Seite abgelehnt. Die italienischen Behörden zeigen indes Verständnis für das Vorgehen der Schweiz. Der Bär soll auch in der Schweiz wieder Raum zum Leben finden. Dass dies möglich ist, zeigt sich am Beispiel von mehreren Bären die in die Schweiz eingewandert sind und  sich scheu und unauffällig verhalten haben.

Hat der erlegte Bär grossen Schaden angerichtet?

Der materielle Schaden betrug insgesamt rund 20‘000 CHF. Er bestand aus gerissenen Schafen und geplünderten Bienenhäuschen. 20% dieser Schäden bezahlt der Kanton, 80% der Bund.

Die Präventionsmassnahmen an Schafherden und Bienenhäuschen bezahlt der Bund aus dem laufenden Herdenschutzprogramm (pro Jahr 850'000 CHF für Luchs, Wolf, Bär). Die Vergrämungsaktionen werden durch den Bund und Kanton finanziert und von kantonalen Wildhütern durchgeführt. Die Deckung der Schäden ist so geregelt, weil Grossraubtiere Kosten verursachen, die eine Region nicht allein tragen kann.

Grund für die Erlegung von M13 waren in diesem Fall aber nicht die Schäden und Kosten, sondern das Sicherheitsrisiko, dass der Bär einen Menschen verletzen oder gar töten könnte.

Wie viele Bären leben in der Schweiz? Wo leben sie?

Zurzeit gibt es keinerlei Hinweise auf weitere in der Schweiz lebenden Bären. Mit der Einwanderung von weiteren Bären aus dem Trentino ist aber jederzeit zu rechnen.

Was geschieht nun mit dem toten Bären?

Der tote Bär ist Eigentum des Kantons Graubünden. Er wird zu wissenschaftlichen Zwecken im Kanton Graubünden untersucht.

Wird es nach M13 Änderungen zum Konzept Bär Schweiz geben?

Bären sind Individuen, und jeder Bärenbesuch hat seine eigene Geschichte, wovon die Behörden zweifelsohne lernen können. Das heutige Konzept Bär lässt denn auch den Spielraum, aus Erfahrungen Lehren zu ziehen und entsprechend das Konzept anzupassen.

Nach dem Abschuss des Risikobären JJ3 beispielsweise hat der Bund im Jahre 2009 das Konzept Bär Schweiz mit zusätzlichen Anhängen erweitert. Unter anderem wurden die Abläufe im Umgang mit Bären präzisiert und die Wichtigkeit des Abfallmanagements in Bärengebieten hervorgehoben. Auch nach dem Abschuss von M13 werden weitere Anpassungen geprüft, beispielsweise betreffs der Möglichkeiten und Grenzen der Vergrämung.


Kontakt: aoel@bafu.admin.ch
Zuletzt aktualisiert am: 04.03.2013

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FOKUS: «Der Bär M13 wird eng überwacht» - 17.04.2012 - Seit Ostern war der junge Bär M13 im Unterengadin unterwegs, nun wandert er im Dreiländereck Schweiz-Österreich-Italien herum. Weil er wenig Scheu vor Menschen und Siedlungen zeigte, wurde er betäubt und die Bündner Wildhüter legten ihm ein Senderhalsband an.
FOKUS: Grossraubtiere und Herdenschutz - 16.11.2012 - Im 2012 war viel los bei den Grossraubtieren Wolf, Bär und Luchs: Während der letzten Monate war der Bär M13 immer wieder im Bündnerland zu Besuch.



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