Wald und Bildung

Ansprache von Vizedirektor Paul Steffen am Medienevent zum internationalen Tag des Waldes am 21. März 2019 in Bern

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Regierungsrat (Christoph Ammann)
Sehr geehrter Herr Flückiger, Gastgeber und Forstmeister der Burgergemeinde Bern
Liebe Medienvertreterinnen und – vertreter
Liebe Wald-Fachleute

Immer wenn ich in einen Wald gehe, kann ich den Alltag hinter mir lassen und abschalten. Die frische Luft, die satten Farben und die Ruhe wirken sofort entspannend auf mich. Spüren Sie das auch?

Der Frühlingsanfang am 21. März steht jeweils im Zeichen des internationalen Tag des Waldes. Dieser Tag wurde 1971 von FAO ins Leben gerufen – eine ideale Gelegenheit, um verschiedene Themen und Facetten rund um den Wald genauer zu betrachten. Letztes Jahr war das Thema «Urban Forestry», genauer die Wälder in Städten und solche die an Städte angrenzen (kurz: Stadtwälder genannt) sowie urbane Grünräume.

Dieses Jahr richten wir den Fokus auf das Thema Wald und Bildung, im Speziellen auf die Bildung für Kinder.
Was unterscheidet den Lernraum Wald von einer traditionellen «Schulstube»? Im Vergleich zum Schulzimmer ist der Wald viel grösser und weiter. Er ist sehr vielfältig und abwechslungsreich und, das ist wohl das Herausragendste, er spricht alle Sinne an. Kinder beobachten, hören, tasten, riechen, erforschen, bauen und dies alles in entspannter Atmosphäre, einer wohltuenden Ruhe, an frischer Luft, im raschelnden Laub. Sie sehen – die Möglichkeiten im Wald zum Lernen sind äusserst vielfältig. Entsprechend berichten Lehrpersonen immer wieder, wie positiv sich Waldaufenthalte auf das Verhalten und Lernen der Kinder auswirken. Die Kinder seien bei Waldbesuchen viel entspannter, konzentrierter und somit auch zufriedener. Diese positiven Effekte wie auch die Förderung der motorischen Fähigkeiten und die stressmindernde Wirkung eines Waldaufenthaltes wurden in wissenschaftlichen Studien bestätigt.

Alle diese Vorteile stehen scheinbar kostenlos zur Verfügung. Der freie Zugang zum Wald ist hier in der Schweiz gesetzlich verankert. Vielen ist jedoch nicht bekannt, dass unser Wald hierfür aktiv gepflegt und bewirtschaftet werden muss. Unsere Forstdienste und Forstunternehmen sorgen dafür, dass die Waldwege zugänglich sind und bleiben. Sie räumen Hindernisse und Gefahren aus dem Weg und pflegen den Wald so, dass er uns zur Verfügung steht – sei dies als Erholungsort, zum Schutz vor Naturgefahren, als Lebensraum für unzählige Pflanzen und Tiere, als Lieferant von Trinkwasser, als Speicher von CO2, ein wichtiger Aspekt im Kontext mit dem Klimawandel oder, und das ist besonders wichtig, um uns Holz zu liefern. Nachhaltigkeit - das Wort, welches Ihnen in verschiedensten Zusammenhängen immer wieder begegnen wird – kann im Wald bestens erläutert und erlebt werden. Hier können die Kinder erfahren, wie der Baum zum Stuhl wird und dass ein Holzschlag gemäss dem Grundsatz der Nachhaltigkeit Teil der Waldpflege ist und keine Plünderung. Ein nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen hat im Wald in der Schweiz und in Europa eine grosse Tradition. Vor über 300 Jahren (1713) definierte Hans Carl von Carlowitz in Deutschland den Begriff Nachhaltigkeit im Wald. Sein Anliegen war dabei, die durch Übernutzung ausgelaugten und verwüsteten Wälder nach dem 30jährigen Krieg wiederaufzubauen und Sorge zu tragen, dass derartiger Raubbau künftig unterbleibt. Das Prinzip, nicht mehr Holz zu ernten, als nachwächst, prägt seither die Waldwirtschaft in Europa.

Eine wichtige Erkenntnis für die Kinder ist auch, dass im Wald in andern Zeitdimensionen gedacht, geplant und gehandelt wird. Dies ist ein grosser Gegensatz zur heutigen schnelllebigen Zeit.

Bäume, die heute frisch wachsen oder gepflanzt werden, können erst in drei bis vier Generationen geerntet werden. Die Wahl der richtigen Baumart wird entsprechend herausfordernder, weil die Bäume in einigen Jahrzehnten ein anderes, viel wärmeres Klima erwartet.

Der Wald bietet also eine einzigartige Atmosphäre und die idealen Rahmenbedingungen für das Lernen rund um den Wald und er schafft – das ist sehr wichtig – bleibende Erlebnisse für die Kinder. Durch diese Erfahrungen im Wald stärken die Kinder ihren Bezug zur Natur und sie lernen den natürlichen, einheimischen Rohstoff Holz besser kennen. Im Wald über den Wald lernen sollte aus all diesen Gründen einen grösseren Stellenwert im Schulalltag haben und öfters eingebaut werden.

Bund, Kantone, Gemeinden und Burgergemeinden – total knapp 3'400 Beschäftigte in der Waldwirtschaft – sowie zahlreiche private Waldbesitzerinnen und -besitzer bewirtschaften unsere Wälder aktiv und mit viel Herzblut und ermöglichen so, dass unsere Wälder für die Waldbesuche sicher und attraktiv sind und es auch in Zukunft bleiben werden. Dazu braucht es eine gute Zusammenarbeit der verschiedensten Partner, speziell auch zwischen Bund, Kantonen und den Waldbesitzern.
Der heutige Medienanlass zum internationalen Tag des Waldes bildet den offiziellen Startschuss für eine ganze Reihe von Bildungsveranstaltungen für Schulkinder aber auch Erwachsene, die bis in den Sommer hinein in der ganzen Schweiz stattfinden werden. Auf der Webseite von SILVIVA, einer nationalen Stiftung für Umweltbildung und Spezialistin in der Waldpädagogik, finden Sie eine detaillierte Übersichtskarte mit den verschiedenen Events.

Ich danke der Burgergemeinde Bern, welche uns hier als Gäste willkommen heisst, sowie dem Kanton Bern für die gute Zusammenarbeit bei der Organisation dieses Anlasses.

Und nun wünsche ich Ihnen einen spannenden, vertieften Einblick in die «Lernwelt» Wald. Profitieren Sie von der entspannenden und inspirierenden Natur und lassen Sie sich von den Kindern begeistern.

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Letzte Änderung 26.03.2019

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