Beobachten, um zu handeln

Editorial von Bruno Oberle

Porträt, Bruno Oberle
Bruno Oberle, Direktor BAFU

Wir riechen den feuchten Asphalt und hören das Rauschen der Blätter, wir schmecken das Aroma von Quellwasser, wir fühlen den frischen Hauch des Windes und erfreuen uns am Anblick einer Sumpfgladiole: Wenn wir beobachten, begeben wir uns auf Abstand zum Untersuchungsobjekt - und richten doch unsere ganzen Sinne darauf.

Die Wissenschaft hat uns allerdings gelehrt, dass sich zahlreiche Aspekte der Umwelt unserer Wahrnehmung entziehen. Der Soziologe Ulrich Beck hält in seinem Werk zur «Risikogesellschaft» gar fest, dass es gerade die Unsichtbarkeit ist, die die ökologischen (und andere heutige) Bedrohungen kennzeichnet. Wir benötigen wissenschaftliche Instrumente, um Schadstoffe zu messen und um zu ermitteln, wie sich das Klima oder die Biodiversität über die Jahre verändern.

Diese Erhebungsdaten müssen öffentlich zugänglich sein. Denn nur als informierte Bürgerinnen und Bürger können wir uns in strittigen Fragen ein eigenes Urteil bilden. Allgemein verfügbare Daten helfen uns zu erkennen, wo Gefahr droht und welche Massnahmen erfolgreich sind. Sie ermöglichen es uns auch, im Alltag umsichtig zu handeln und uns an demokratischen Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Die von der Schweiz im Herbst 2013 ratifizierte Aarhus-Konvention fordert unter anderem eine umfassende Offenlegung von Umweltinformationen. Sie schafft damit die Grundlage, um auf internationaler Ebene Transparenz, Bürgerbeteiligung und Umweltschutz zu stärken.

Das vorliegende Dossier zur Umweltbeobachtung bietet einen Überblick über die hierzulande im Lauf der Jahrzehnte gewachsene Vielfalt von Umweltmessnetzen. Es präsentiert auch das technisch ausgeklügelte Instrumentarium, das uns Messdaten von höchster Qualität liefert, und stellt Beispiele für die Nutzung der Daten vor. Zudem wollen wir mit überraschenden Fotos Ihre Neugierde wecken, den wissenschaftlichen Zugang zur Umwelt wiedergeben und das Unsichtbare visuell erfahrbar machen. So können Sie spielerisch Ihre Aufmerksamkeit schärfen.

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Letzte Änderung 11.02.2015

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