StoryMaps in der Umweltberichterstattung: Den Gletscherschwund online verfolgen

21.05.2014 - StoryMaps vermitteln Internetnutzenden auf spannende Art Wissen zu Umweltthemen. Online können sie zum Beispiel den fortschreitenden Gletscherschwund, das Wachstum der grössten Schweizer Städte oder den Wandel von Landschaften verfolgen. Grundlage der intelligenten Webkarten sind verschiedene Geodaten der Bundesverwaltung.

Text: Stefan Hartmann

Der Bund verwaltet eine Vielzahl von räumlich aufgeschlüsselten Informationen zu Themen wie Umwelt, Biologie, Geologie, Bevölkerung, Energie und Wirtschaft oder Infrastruktur und Kommunikation. Dieser immense Fundus ist der breiten Öffentlichkeit meist unbekannt, obwohl die Daten eigentlich zugänglich sind. Mit StoryMaps werden die vielfältigen Informationen nun leicht greifbar. «Sie bringen Sachverhalte einfach und klar auf den Punkt, verknüpfen Fakten und lassen die Nutzerinnen und Nutzer aktiv Informationen auswählen», sagt Karin Fink von der Sektion Umweltbeobachtung beim BAFU. «StoryMaps entsprechen dem Bedürfnis vieler Internetnutzer nach einem spielerischen Zugang zu Informationen.»

Die Datenquellen verschiedener Bundesämter werden als Karten aufbereitet und mit weiteren Informationen verknüpft, was komplexe Entwicklungen erfahrbar macht. Interessierten Usern steht unter der Adresse http://storymaps.geo.admin.ch ein Menü mit diversen Themen zur Auswahl. Daten mit Karten zu verknüpfen, ist sehr beliebt, wie die Erfahrungen im Netz zeigen. So weisen 60 % aller Informationen, die Internetnutzer nachfragen, einen Raumbezug auf.

Die Geschichte der wärmsten Fliessgewässer

Wer im Netz surft, kann dank einer solchen StoryMap zum Beispiel praktisch in Echtzeit die Temperatur der 25 wärmsten Schweizer Fliessgewässer abrufen. Die Daten dazu stammen von der BAFU-Abteilung Hydrologie. Sie werden über ein Messnetz erfasst, das an 80 Standorten die Temperatur der Flüsse und Bäche misst. Die Nachführung der Informationen erfolgt stündlich, sodass sich die «Rangliste» der zum gegebenen Zeitpunkt wärmsten Gewässer laufend ändern kann. Mit einem Mausklick lassen sich weitere Angaben abrufen - so etwa die Fliessgeschwindigkeit oder der Wasserstand. StoryMaps sind nützliche Werkzeuge, um vielschichtige Inhalte gut verständlich zu erschliessen.

«Das Interpretieren von Umweltdaten erfordert oft weitere Informationsebenen, die sich dank StoryMaps einfach integrieren lassen», erklärt Karin Fink. Das Tool kommt beispielsweise Schulen zugute. Es eignet sich nämlich ausgezeichnet für den Unterricht, weil die Schüler Inhalte interaktiv erarbeiten können. Viele Jugendliche sind es heute gewohnt, verschiedene Inhalte spielerisch zu bewältigen. Die Wissenschaft bezeichnet dies als «Gamification».

Wo der Eisstrom vor 135 Jahren stand

Eine weitere StoryMap veranschaulicht eindrücklich die Veränderungen des Morteratschgletschers im Lauf der letzten 135 Jahre. Sie vergleicht aktuelle Luftaufnahmen des Gebiets im Oberengadin mit der alten Siegfriedkarte - dem ersten umfassenden Kartenwerk der Schweiz von 1876. Durch Bewegungen des Cursors können Interessierte den dramatischen Rückgang des Gletschers im Detail nachvollziehen. Seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert hat sich der Eisstrom am Fuss der Palü-Gruppe immer weiter zurückgezogen, und zwar im Durchschnitt um jährlich 16 m. Per Klick lassen sich auch Vergleiche mit anderen Gletschern ziehen und weitere Informationen zur Vergletscherung des Landes abrufen.

Die Stadtentwicklung als Zeitreise

Eine andere StoryMap thematisiert das rasche Wachstum der zehn grössten Schweizer Städte über die letzten Jahrzehnte. Sie veranschaulicht das Zusammenwachsen der Siedlungsgebiete, die Bildung von Agglomerationen und die damit einhergehende Zersiedelung. Dank der immer genauer werdenden Landeskarten des Bundesamtes für Landestopografie swisstopo erlebt der Betrachter am Bildschirm eine faszinierende Zeitreise, die im Jahr 1864 beginnt. Dabei erfährt man unter anderem auch, dass die Zersiedelung der Landschaft im Mittelland zwischen 1960 und 1980 am intensivsten war.

Die Schweiz vor 100 Jahren

Das spielerische Element besonders gut zum Ausdruck bringt eine StoryMap, die auf einer der grössten Fotosammlungen des Schweizerischen Bundesarchivs zum Ersten Weltkrieg basiert. Diese umfasst 5125 digitalisierte Glasplattennegative und dokumentiert den Aktivdienst der Schweizer Armee. Hier können mehrere Benutzer gleichzeitig versuchen, die auf ausgewählten Fotografien gezeigten Orte, Berge und Landschaften zu lokalisieren. Je genauer die auf einer Schweizer Karte markierte Ortsangabe ist, desto höher fällt die zugeteilte Punktzahl pro Ratetipp aus. Wer pro Runde am meisten Punkte ergattert, gewinnt das virtuelle Geografiespiel. Weitere StoryMaps zum Bergsturz von Randa (VS), zu den 25 grössten inländischen Stauanlagen sowie zum Umweltthema Lärm - und zum Potenzial von Lärmschutzmassnahmen - ergänzen das Angebot, wobei laufend zusätzliche Datengeschichten folgen sollen.

Das BAFU will das Instrument der StoryMaps künftig vermehrt nutzen, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern anhand von Umweltdaten, Karten und Hintergrundinformationen auf spannende Art Umweltwissen zu vermitteln. Karin Fink sagt dazu: «Wir sind überzeugt, dass wir damit gerade auch junge Internetuser ansprechen.»

 

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Letzte Änderung 21.05.2014

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