Forum «Biogene Abfälle» – 17.11.2016

Die neue Abfallverordnung VVEA setzt den Massstab. Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist es Pflicht, die biogenen Abfälle unter gewissen Bedingungen stofflich oder durch Vergären zu verwerten. Das macht Sinn und ist eine Chance für die Schweiz, sowohl ökologisch als auch ökonomisch. Denn die biogenen Abfälle haben einen sehr grossen Impact auf die Umwelt. Diese Pflicht jedoch stellt alle Beteiligten vor Herausforderungen. Einerseits hat die Qualität der Sammlungen in den letzten Jahren nachgelassen, andererseits wurden in der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) die Grenzwerte für Plastik und Aluminium im Kompost noch verschärft. Ausserdem haben einzelne Landwirte gegenüber dem Austragen von verunreinigtem Kompost auf ihren Feldern erste Bedenken geäussert. An diesem Forum waren Vertreter der Branchen, der Kantone und der Forschung anwesend und es wurden unter anderem folgende zwei Lösungsansätze diskutiert: investieren in bessere Sortieranlagen sowie Einfluss einer kostenpflichtigen Sammlung auf die Qualität des Sammelguts.


1. Biogene Abfälle in der neuen Abfallverordnung

Die neue Abfallverordnung VVEA setzt den Massstab. Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist es Pflicht, die biogenen Abfälle energetisch und insbesondere auch stofflich zu verwerten. Es gilt zudem die Pflicht, die Grünabfälle separat zu sammeln. Das macht Sinn. Denn die biogenen Abfälle haben einen sehr grossen Impact auf die Umwelt. Alleine die Lebensmittelabfälle machen 30% der gesamten biogenen Abfälle aus. Trotzdem werden immer noch biogene Abfälle verbrannt. Das ist aus Umweltsicht nicht optimal. Biogene Abfälle sind eine wichtige erneuerbare Ressource, Kompost und Gärgut werden als Dünger und Bodenverbesserer eingesetzt. Eine grosse Herausforderung für die Branche ist der steigende Fremdstoffanteil in der Biomasse wie zum Beispiel Kunststoff.

Biogene Abfälle in der neuen Abfallverordnung - vom Abfall zur Ressource (PDF, 504 kB, 17.11.2016)Präsentation Michel Monteil (BAFU, Abteilung Abfall und Rohstoffe)


2. Kommunale Separatsammlungen

Biogene Abfälle machen einen beträchtlichen Anteil am Kehricht aus. Gemäss Biomassekonzept wäre es wünschenswert, ihre separate Sammlung und Verwertung auf kommunaler Ebene zu optimieren. Schweizweit werden unterschiedliche Sammelsysteme und Finanzierungsmodelle angewendet. Es ist allerdings nicht klar, welche Modelle unter welchen Bedingungen am erfolgreichsten sind und welche Nebenwirkungen sie allenfalls haben. In dieser Präsentation werden die vorhandenen Informationen über die separate Sammlung biogener Abfälle auf Gemeindeebene in der Schweiz gesichtet und bewertet. Es zeigt sich, dass noch erhebliche Informationslücken bestehen.

Informationen zum Stand der kommunalen Separatsammlung von biogenen Abfällen (PDF, 2 MB, 17.11.2016)Präsentation Thomas Heim, Thomas Keller (FHNW, Zentrum für Ressourceneffizienz ZEF, Windisch)


3. Gebührengestaltung

Biogene Abfälle aus kommunalem Sammeldienst fallen in grossen Mengen an und verursachen hohe Entsorgungskosten. Das gewählte Finanzierungsmodell hat einen Einfluss auf die Quantität und Qualität der gesammelten Menge und soll dem Aspekt der Verursachergerechtigkeit ausreichend Rechnung tragen. Denn gemäss Art. 32a des Umweltschutzgesetzes (USG) ist die Entsorgung der Siedlungsabfälle verursachergerecht und kostendeckend zu finanzieren. Für die Sammlung von biogenen Abfällen sollte wenn möglich eine Mengengebühr erhoben werden. Zum einen kann dadurch der Aspekt der Verursachergerechtigkeit ausreichend berücksichtigt werden. Zum anderen führt eine kostenpflichtige Sammlung zu einer höheren Reinheit des Sammelguts, da kein Anreiz besteht, Fremdstoffe mit der Sammlung mit zu entsorgen. Im Gegensatz zur Finanzierung ausschliesslich über Grundgebühren muss bei Mengengebühren mit geringeren Sammelmengen gerechnet werden. Aufgrund möglicher Schadstoffeinträgen in der Landwirtschaft bei verunreinigtem Sammelgut, ist die Qualität jedoch stärker zu gewichten als die Quantität.

Gebührengestaltung – im Spannungsfeld zwischen Quantität und Qualität (PDF, 2 MB, 17.11.2016)Präsentation Jenny Manco (BAFU, Abteilung Abfall und Rohstoffe)


4. Qualitätsmängel bei der Sammlung

Wir können es uns nicht leisten, die Grünabfälle nicht zu rezyklieren. Sie sind eine wertvolle Düngerquelle und müssen dem Boden als Nährstoff zurückgeführt werden. Deshalb braucht es Separatsammlungen von guter Qualität. Situation heute ist, dass die gesammelten Grünabfälle mit Plastiksäcken verunreinigt sind. Das gefährdet die Kompostierbranche und verschmutzt die Böden. Wie kann die Qualität der Grünabfälle verbessert werden? Es braucht Sensibilisierung entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Alle Akteure vom Verursacher, über die Gemeinden, Städte, Logistik bis zu den Betreibern der Verwertungsanlagen müssen in die Informationsschlaufe eingebunden sein. Es braucht freiwillige Massnahmen und keine Verordnungen. Die Massnahme des Detailhandels mit dem kompostierbaren Grüngutsack ist ein guter Ansatz.


5. Methodenentwicklung zur Kunststoffanalytik

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie für das BAFU soll abklärt werden, ob sich der Gesamtgehalt an Kunststoffpartikel in Gew.-% bezogen auf die Trockenmasse in Kompost und Gärgut mit einem vernünftigen Aufwand und einer guten Genauigkeit quantitativ bestimmt werden kann. Unser „Muss“ Ziel ist es, eine Methode zu entwickeln, welche in einem akkreditierten Umweltlabor durchgeführt werden kann und den Vorgaben aus der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRVV) entspricht. Als „Kann“ Ziel haben wird die quantitative Bestimmung von Leittypen (PE, PU, PET, PS, PLA) sowie die Möglichkeit zur Unterscheidung von biologisch abbaubaren zu fossilen Kunststofftypen festgelegt. Die Untersuchungen laufen gut, erste Resultate sind im Foliensatz dargestellt.

Methodenentwicklung zur Kunststoffanalytik in organischen Düngern (PDF, 878 kB, 17.11.2016)Präsentation Yves Moser, Michael Edelmann (ZHAW LSFM / ICBT)


6. Runder Tisch der Kantone

Les taxes proportionnelles à la quantité de déchets ont été généralisées dans les communes vaudoises entre 2013 et 2015. Elles ont eu un effet positif marqué en termes de quantités de déchets collectés séparément et de taux de recyclage. Elles se ont toutefois accompagnées d’une baisse de la qualité du tri, qui affecte en particulier les biodéchets ménagers. La Direction générale de l’environnement a réuni des représentants des communes, des régions, des recycleurs, des transporteurs et de milieux actifs dans la sensibilisation afin d’identifier les mesures à même de lutter contre cette dégradation. Leurs propositions seront réunies dans un « Catalogue de recommandations » mis en ligne et régulièrement adapté en fonction des expériences réalisées dans le terrain.

Table ronde cantonale sur la qualité des déchets collectés séparément (PDF, 631 kB, 17.11.2006)Présentation Etienne Ruegg (Direction générale de l'environnement, Géologie, sols et déchets - GEODE)


7. Biomassekonzept im Kanton Thurgau

Der Kanton Thurgau hat in den Jahren 2012 bis 2014 mit Einbezug der Branche ein Biomassekonzept sowie ein Massnahmenplan erarbeitet. Das Konzept hat folgende zwei Zielsetzungen: 1) Stofflich und energetisch nicht optimal genutzte biogene Abfälle sollen einer geeigneten Verwertung zugeführt und insbesondere auch der anfallende Hofdünger verstärkt vergärt werden. 2) Biogene Abfälle und Hofdünger aus dem Kanton Thurgau sollen möglichst in Anlagen im Kanton resp. im unmittelbar angrenzenden Gebiet verwertet werden. Die entwickelten Massnahmen und der aktuelle Stand werden im Foliensatz näher erläutert. Es hat sich gezeigt, dass Veränderungen bzw. Optimierungen in den bestehenden Sammelsystemen in den Gemeinden schwierig umzusetzen sind, obwohl ein erhebliches Kostenoptimierungspotenzial ausgemacht wurde. Weitere Anstrengungen zur optimierten stofflichen und energetischen Nutzung von biogenen Abfällen sind deshalb erforderlich.

Biomassekonzept im Kanton Thurgau (PDF, 1 MB, 17.11.2016)Präsentation Martin Eugster (Kanton Thurgau)


8. Operation Küchenabfälle 2016 – 2017 in Genf

Les déchets de cuisine représentent plus du tiers de la poubelle des ménages genevois. C'est donc sur cette fraction que le service de géologie, sols et déchets (GESDEC) de la direction générale de l'environnement du canton de Genève concentre actuellement ses efforts pour augmenter le taux de recyclage des déchets urbains. L'objectif du plan de gestion des déchets est d'atteindre un taux de recyclage de 50% sans avoir recours à la taxe poubelle.Pour y parvenir, le canton a lancé une grande opération de communication qui vise à fournir à la population genevoise des kits de tri constitués d'un bac aéré et d'un rouleau de 25 sacs compostables. La distribution se poursuit en porte-à-porte ou sur des stands d'information. A ce jour, les communes genevoises ont commandé 130'000 kits sur les 200'000 foyers du canton. Le canton s'est fixé comme objectif de collecter 15'000 tonnes supplémentaires de déchets de cuisine par rapport aux 10'000 tonnes collectées à ce jour.

Opération "déchets de cuisine 2016-2017" (PDF, 3 MB, 17.11.2016)Présentation Matthieu Raeis (Service de géologie, sols et déchets)


9. Nutzung biogener Abfälle

Die getrennte Sammlung von biogenen Abfällen hat sich von 2004 bis 2014 sehr gut entwickelt: Platz- und Hallenkompostierung konnten auf hohem Niveau gehalten werden, der Anteil an anaerober Vergärung hat sich mehr als versiebenfacht. Die Qualität der Aufbereitung ist hervorragend. In derselben Zeit hat sich die Anzahl der gewerblich/industriellen und der landwirtschaftlichen Biogasanlagen laufend erhöht. Dabei war die Zunahme der produzierten Energie überproportional hoch, weil die Anlagenauslastung stark verbessert wurde. In den letzten zwei Jahren ist die Entwicklung aber ins Stocken geraten. Der Gesetzgeber stellt immer höhere Anforderungen und dies bei sinkenden Energieerträgen und Annahmepreisen für Abfall. In vielen Fällen muss für hochenergetisches Substrat inzwischen bezahlt werden. Zudem gibt es legislative Hürden zur Weiterentwicklung von Biogasanlagen.


10. Fremdstoffe

Die in Schweizer Kompostier- und Vergärungsanlagen angelieferten biogenen Abfälle sind immer stärker verschmutzt. Die Produkte aus diesen Anlagen, Kompost und Gärgut, dürfen aber kaum Fremdstoffe enthalten. Der Fremdstoff-Grenzwert wurde mit Inkrafttreten der neuen Verordnung über die Vermeidung und Verwertung von Abfällen (VVEA) und die gleichzeitigen Änderungen im Anhang 2.6 Ziff. 2.2.1 Abs. 2 in der Chemikalien‐Risikoreduktions‐Verordnung (ChemRRV) verschärft. Ergebnisse aus einer Studie von der Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne zeigen, dass der Gehalt an Alufolie und Kunststoffe in Kompost‐ und Gärgutproben zum Teil deutlich über den verschärften Grenzwert liegen können. Drei mögliche Ansätze zum Umgang mit dem Fremdstoff-Problem wurden dargestellt und anschliessend besprochen.

  • Die Betreiber schränken die Annahmebedingungen stark ein und nehmen ausschliesslich fremdstofffreie biogene Abfälle an.
  • Die Abfallannahme nicht einschränken, dafür aber die Fremdstoffe aus den angelieferten Abfällen und aus die Produkte maschinell aussortieren.
  • Möglichst viele biogene Abfälle annehmen um die Gasproduktion zu maximieren und dabei ganz auf die Vermarktung des Gärgutes verzichten.

Fremdstoffe in Kompost und Gärgut (PDF, 2 MB, 17.11.2016)Präsentation Robin Quartier (Verband der Betreiber Schweiz. Abfallverwertungsanlagen VBSA)


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Letzte Änderung 01.06.2018

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