Umweltinnovationen: Die Schweiz und die Umwelt vorwärtsbringen

Der Bund unterstützt die Entwicklung von Umweltinnovationen mit Beiträgen. Er handelt damit unternehmerisch. Bei seiner Fördertätigkeit arbeitet das BAFU eng und erfolgreich mit Privatfirmen der Umweltbranche und Institutionen der angewandten Forschung zusammen.

Die öffentliche Hand fördert Innovationen entlang der gesamten Innovationskette von der Grundlagenforschung bis zum Markteintritt mit verschiedenen Instrumenten. Die Grafik zeigt die Höhe der Förderbeiträge auf, mit welchen im Jahr 2015 Projekte im Bereich Umwelt unterstützt wurden. Beim SNF und bei der KTI machen diese Beiträge nur einen Bruchteil ihrer Gesamtförderung aus.

Text : Karine Siegwart und Daniel ZürcherIm Sommer 2005 hielt Steve Jobs - Unternehmer, Mitgründer und langjähriger CEO von Apple Inc. - an der akademischen Abschlussfeier der amerikanischen Universität Stanford seine wohl bekannteste Rede. Er rief die Anwesenden dazu auf «hungrig und tollkühn» zu bleiben. Nur so seien Innovationen möglich. Doch etwas Entscheidendes habe Jobs in jenem Moment ausgeblendet, stellt Mariana Mazzucato, Wirtschaftswissenschaftlerin und Professorin für Innovationsökonomie an der britischen Universität Sussex, fest. In ihrem Buch «Das Kapital des Staates» von 2014 postuliert sie: «Diese ‹Tollkühnheit› ist oft höchst geschäftstüchtig auf der Welle staatlich finanzierter und gelenkter Innovationen geritten.» Apple sei vor allem deshalb so erfolgreich gewesen, weil Jobs’ organisatorische Fähigkeit und Kreativität ihn in die Lage versetzten, bereits bestehende Technologien zusammenzuführen, neu zu verpacken und zu vermarkten. Des Weiteren schreibt Mariana Mazzucato: «All die Technologien, die Jobs’ iPhone so ‹smart› machten, wurden vom Staat finanziert (z. B. Internet, GPS, Touchscreen-Displays und die sprachgesteuerte Assistentin SIRI). Solche radikalen Investitionen - zu denen extreme Unsicherheit gehört - wurden weder durch Wagniskapital noch ‹Garagenbastler› getätigt, sondern durch die sichtbare Hand des Staates, der damit Innovationen ermöglichte.» Es sei der Staat, der nicht nur ein innovationsfreundliches Umfeld schafft, sondern selbst eine gestaltende und märkteschaffende Rolle spielt.

Bedeutende Rolle des Staates

Der Staat, der gerne mit Begriffen wie Administration und Überregulierung kleingeredet wird, ist eine entscheidende innovative Kraft. Er ebnet den Weg, auf dem sich die Gesellschaft und die Wirtschaft weiterentwickeln. Die Finanzierung von Bildung und Forschung, der Bau und Unterhalt von Infrastrukturen wie Strassen, Bahnen und Abfallbehandlungsanlagen sowie die Ausgestaltung und der Vollzug von Gesetzen sind dabei wichtige Grundlagen.

Eine matchentscheidende Rolle spielt der Staat bei den Umweltinnovationen, die zum Ziel haben, das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Hier versagt nämlich der klassische Markt weitgehend. Privatunternehmen tätigen keine Investitionen in neue Technologien, wenn sie nicht rentieren, obwohl sie einen grossen Nutzen für die Allgemeinheit bringen würden. Das kommt daher, dass Umweltgüter meistens keinen Preis haben. Der Staat muss deshalb aktiv werden - und entsprechende Anreize für Innovationen schaffen. Hier ist der richtige Instrumentenmix gefragt: zum Beispiel eine dynamische Regulierung, die sich am Stand der Technik orientiert, oder finanzielle Anreize, die zur Anwendung der besten Lösungen motivieren.

BAFU fördert Umwelttechnologien

Die Liste der Hausaufgaben für die Umweltpolitik ist in den letzten Jahren nicht kürzer geworden, obwohl grosse Fortschritte in verschiedenen Bereichen gemacht wurden. Klimawandel, Verlust an biologischer Vielfalt, Mikroverunreinigungen im Wasser, Lärm, Luftschadstoffe und Altlasten sind Probleme, die noch bessere Lösungen und somit Innovationen erfordern.

Innovationen werden vom Bund auch direkt gefördert, zum Beispiel über die Kommission für Technologie und Innovation des Bundes (KTI): Sie unterstützt private Firmen, die in Kooperation mit den Hochschulen Forschungsergebnisse zu marktfähigen Produkten und Technologien weiterentwickeln. Aber nur etwa 5 % der KTI-Mittel von rund 150 Mio. CHF pro Jahr kommen für umweltrelevante Innovationen zum Einsatz; der Rest fliesst in andere Innovationsthemen. Der Bund hat deshalb weitere Instrumente zur spezifischen Förderung von Umweltinnovationen eingerichtet, die vom BAFU umgesetzt werden: die Umwelttechnologieförderung (UTF), den Wald- und Holzforschungsfonds sowie den Technologiefonds, der Bürgschaften vergibt für Schweizer Unternehmen, deren neuartige Produkte eine nachhaltige Verminderung von Treibhausgasemissionen ermöglichen.

Die UTF ist mit rund 4,5 Mio. CHF zwar eine kleine Kasse. Dennoch erfüllt sie eine wichtige Rolle, weil sie Innovationen in einer der heikelsten Etappen vor dem Markteintritt unterstützt: der Pilotphase. Dabei müssen sich die Resultate aus den Labors im industriellen Alltag unter realen Betriebsbedingungen bewähren. Die UTF schliesst damit die letzte Lücke vor dem Markteintritt.

Grosse Erfolge bei der Luftreinhaltung

Man darf heute sagen, dass die Schweiz im Umwelt- und Ressourcenschutz ohne Umwelttechnologieförderung nicht so weit fortgeschritten wäre. Dies gilt beispielsweise für die Feinstaubbelastung. Die Schweiz und die EU haben schon länger einen Grenzwert für den Ausstoss der Feinstaub-Partikelmasse (PM10) erlassen. Besonders schädlich sind die krebserregenden Dieselrusspartikel. Ende der 1990er-Jahre versuchte die Schweiz deshalb, diese Emissionen mit dem Einbau von Partikelfiltern bei Baumaschinen im Tunnelbau zu reduzieren. Der Praxisversuch war ein Erfolg und zeigte, dass sich durch den Einsatz von sogenannten geschlossenen Partikelfiltersystemen der Dieselrussausstoss um mehr als 97 % reduzieren liess. Gestützt auf diese Erkenntnisse, setzte das BAFU 2002 die Baurichtlinie Luft in Kraft: Effiziente Partikelfilter wurden in allen grösseren Baustellen zur Pflicht; ab 2006 konnten dank des Aktionsplanes des Bundes gegen Feinstaub auch zahlreiche Busse, Lokomotiven, Schiffe und andere Fahrzeuge mit Partikelfiltern nachgerüstet werden.

Diese Fortschritte wurden durch Innovationen und Standardisierungen in der Messtechnik von Feinstaub ermöglicht, welche die UTF mitfinanziert hat und welche das Zählen der Russpartikel im Dieselabgas erlauben. Damit werden auch die kleinsten und schädlichsten Partikel erfasst. Dies war die Voraussetzung dafür, Partikelfilter effizienter zu machen und sie überprüfen zu können.

2008 verankerte der Bundesrat einen anzahlbasierten Grenzwert für sämtliche Baustellen in der Luftreinhalte-Verordnung. Auch dank des schweizerischen Beitrages führte die EU wenig später gar einen derartigen Grenzwert für Dieselautos und Lastwagen in die Gesetzgebung ein. Heute sind in Europa rund 100 Mio. Fahrzeuge mit Partikelfiltern ausgerüstet.

Durch den nun auch messbaren Rückgang der Dieselrussemissionen hat sich die Luftqualität vielerorts verbessert. Dies hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung, was zu niedrigeren Gesundheitskosten führt. Eine Studie im Auftrag des EU-Parlamentes aus dem Jahr 2014 weist für entsprechende Massnahmen in Europa ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1:12 aus; das heisst, für jeden Euro, der in Schutzmassnahmen für saubere Luft investiert wird, lassen sich 12 Euro an Gesundheitskosten einsparen. Die Pionierleistung der Schweiz bei der Feinstaubbekämpfung hat dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Umweltinnovationen bringen Wohlstand

Von Bedeutung für die Umwelt sind aber auch die vielen kleineren Innovationen, wie die Beispiele in diesem Dossier zeigen. Jeder Mosaikstein ist wichtig auf dem Weg zu einer nachhaltigen Schweiz. Die Beispiele verdeutlichen, dass die Umweltpolitik des BAFU umfassend und langfristig angelegt ist, um Entwicklung und Wohlstand in Einklang mit der Natur zu bringen. Eine ambitiöse Umweltpolitik löst auch Wachstumsimpulse aus. Nirgends kommt dies besser zum Ausdruck als bei den Umweltinnovationen. Gemäss internationalen Vergleichen sind die weltweit umweltfreundlichsten Länder gleichzeitig die innovativsten. Da erstaunt es nicht mehr, dass die Märkte für Umwelttechnologie und nachhaltige Energietechnik zu den am stärksten wachsenden gehören. Die zahlreicher werdenden Gesuche an die UTF deuten ebenfalls darauf hin, dass die ökologische Modernisierung an Tempo gewinnt.

Hungrig und tollkühn, so sollen sich erfinderische Unternehmerinnen und Unternehmer gemäss Steve Jobs verhalten. In der Schweiz können wir dieses Motto umso mehr gelten lassen, als der Staat bereitsteht, sie auf dem schwierigen und langen Weg der Innovation, von der ersten Idee bis zur Marktreife, zu unterstützen.

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Letzte Änderung 18.05.2016

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