Das Land mit den Wildtieren teilen

Editorial von Franziska Schwarz, Vizedirektorin BAFU

Schwarz Franziska, Vizedirektorin BAFU
Schwarz Franziska, Vizedirektorin BAFU

Vor 150 Jahren gab es in der Schweiz keine Rothirsche, Steinböcke und Wildschweine mehr. Die Biber und sämtliche Grossraubtiere waren ausgerottet. Der Fischotter und die Greifvögel wurden als Schädlinge wahrgenommen, und auch ihnen ging es an den Kragen. Bloss noch einige wenige Gämsen und Rehe versteckten sich zu jener Zeit in unzugänglichen Tobeln. Nur ein paar Jahrzehnte nach der Französischen Revolution und der Abschaffung der Feudalsysteme kamen wegen der grossflächigen Abholzung und Übernutzung der Wälder sowie der freiheitlichen Volksjagd in der neuen Schweiz also keine grossen Wildtiere mehr vor.

Doch 125 Jahre später sah alles anders aus… Was war geschehen? Dank dem Engagement des Bundes wurde es möglich, diese massive Biodiversitätskrise in der Schweiz zu überwinden. Griffige eidgenössische Gesetze zum Schutze des Waldes und der Wildtiere wurden in Kraft gesetzt. Diese regelten den Schutz der Waldfläche, jagdliche Schonzeiten für Muttertiere und ihre Jungen. Es wurden Jagdbanngebiete für den Wiederaufbau der geschundenen Wildbestände ausgeschieden, und staatlich besoldete Wildhüter wurden engagiert, die das Tun und Lassen der Jäger und der Bevölkerung überwachten.

Heute haben wir hierzulande wieder gute Bestände aller 5 einheimischen Wildhuftierarten: Reh, Gämse, Rothirsch, Steinbock und Wildschwein. Luchs und Wolf - und manchmal sogar der Bär! - leben wieder unter und auch mit uns. Allerdings hat sich unser Land in den letzten 150 Jahren stark verändert. Die wilden Tiere kehren zurück in ein anderes Land, als sie ehemals verlassen haben: Heute ist die kleine Schweiz dicht besiedelt und durch Strassen und Bahnstrecken zerschnitten; viele Nutzungsinteressen sind unter einen Hut zu bringen. Dies führt zwangsläufig zu Konflikten mit den Bedürfnissen der grossen und raumbeanspruchenden Säugetiere und Vögel. Und wie bereits vor 150 Jahren ist dieGesellschaft wiederum gefordert. Im Zentrum steht unsere Bereitschaft, den Lebensraum Schweiz mit den Wildtieren zu teilen. Toleranz und Kompromissbereitschaft sind nötig. Mit Verständnis und gutem Willen ist dies zu schaffen.

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Letzte Änderung 17.02.2016

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