Porträt: Der Flussregenpfeifer

26.08.2015 - Auen, die periodisch überfluteten Uferbereiche von Flüssen und Bächen, zählen zu den artenreichsten Lebensräumen im Schweizer Mittelland. Eine Studie belegt, dass sogar über 80 Prozent der Tierarten in der Schweiz in Auen vorkommen können. Hier finden sich ursprüngliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere – zu diesen zählt auch der Flussregenpfeifer (Charadrius dubius).

Merkmale des Flussregenpfeifers sind der braune Rücken, die weisse Unterseite mit breitem schwarzem Halsband, das schwarze Band hinter dem Auge (nur beim Männchen) und auf der weissen Stirn sowie der gelbe Augenring.
© Marcel Burkhardt

Der Flussregenpfeifer gehört klar zu den Gewinnern der Renaturierungen von Bächen und Flüssen der letzten Jahre, und es ist anzunehmen, dass sich sein Bestand erholt. Der positive Bestandestrend aus den 1990er-Jahren hat sich aber nicht bestätigt. Auf der Roten Liste der Brutvögel von 2010 musste der Flussregenpfeifer noch als stark gefährdet eingestuft werden.

Ein ausgewachsener Flussregenpfeifer wird bis 18 Zentimeter gross und wiegt bis 55 Gramm. Vom sehr ähnlichen Sandregenpfeifer unterscheidet er sich durch die auffällig gelben Augenringe. Auf seinem Speiseplan stehen Würmer, Spinnen, Insekten, Larven und Weichtiere oder auch andere dicht unter der Bodenoberfläche lebende Tiere. Seine Nahrung sucht der Flussregenpfeifer gewöhnlich im seichten, schlammigen Uferbereich von Süssgewässern. Die Brutzeit erstreckt sich von April bis Juli, die Brutdauer beträgt rund 24 Tage. Das Nest ist eine mit Pflanzenteilen ausgelegte Mulde im Boden. Die Schalenfarbe der vier Eier ist steingrau bis cremefarben mit kleinen braunen Tupfen und Stricheln. An der Brut sind beide Elternvögel beteiligt. In Mitteleuropa ist der Flussregenpfeifer ein verbreiteter, aber nicht häufiger Brut- und Sommervogel. Von November bis Februar ist der Langstreckenzieher jeweils Gast im Mittelmeerraum und in Afrika.

Auenlandschaften sind wieder im Kommen

In den letzten Jahrzehnten sind 90 Prozent der Schweizer Auen verschwunden – bei den Tieflandauen von nationaler Bedeutung weist nur noch ein Drittel eine natürliche Dynamik auf. Gewässerverbauungen, die Entwässerung der Flussebenen, die Errichtung von Stauseen und Wasserfassungen für die Strom- produktion sind Gründe für das Verschwinden vieler Auen. Dazu kommen Infrastrukturanlagen wie Strassen, Deponien und Kiesabbau, das Wachsen der Agglomerationen sowie die intensive Nutzung durch Wald- und Landwirtschaft und Tourismus. Eine langsame Erholung ist zum Beispiel im Kanton Aargau, dem Wasserschloss der Schweiz, erkennbar. Per Ende 2013 mussten Auenlandschaften durch Renaturierungsprojekte mindestens 1 Prozent der Kantonsfläche ausmachen, so lautet der kantonale Verfassungsauftrag. Das Ziel ist fast erreicht, die noch ausstehenden Flächen sind in Planung. Den Flussregenpfeifer wird es freuen.

Jean-Luc Brüllhart

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Letzte Änderung 26.08.2015

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