Biodiversität im Schweizer Wald

Die Biodiversität im Schweizer Wald wird von den kantonalen Forstdiensten mit einer Kombination verschiedener Instrumente gefördert. Dem BAFU obliegt die strategische Führung auf gesamtschweizerischer Ebene.

Die nationale Strategie zur Förderung der Biodiversität im Wald wird definiert durch die Strategie Biodiversität Schweiz und die Waldpolitik 2020. Eines der Hauptziele der Waldpolitik 2020 des Bundes ist die Sicherstellung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Dazu gehört die Erhaltung der Biodiversität.

Eine Vollzugshilfe beschreibt die Strategie des Bundes für die Förderung der Biodiversität im Schweizer Wald. Zentrales Element der vorliegenden Vollzugshilfe ist die Definition von Massnahmen mit entsprechenden Handlungszielen aus nationaler Sicht. Diese Ziele sind somit richtungsweisend für die Umsetzung der Biodiversitätsstrategie im Waldareal.

Die Vollzugshilfe richtet sich in erster Linie an den Bund und an die Kantone. Sie bildet die strategische Grundlage für die Programmvereinbarungen zwischen dem Bund und den Kantonen und die Entwicklung von konkreten Projekten zur Förderung der Waldbiodiversität. Sie ändert grundsätzlich nichts am System der bisherigen Partnerschaft zwischen Bund, Kantonen und Waldeigentümern. Die Kantone sind auch jederzeit frei, bestehende Programme selber weiterzuführen.

Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen

Cover Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen

Vollzugshilfe zur Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt im Schweizer Wald. 2015

Massnahmen Waldbiodiversität

Grundsätzlich gibt es drei Ansätze bei der Biodiversitätsförderung im Wald, die komplementär eingesetzt werden sollen:

  • Segregation (Einrichtung von Waldreservaten, in denen die Biodiversität absoluten Vorrang hat)
  • Integration in die Waldbewirtschaftung (z.B. Stehenlassen von Biotopbäumen, Ausweisung von Altholzinseln)
  • Spezifische Fördermassnahmen für National prioritäre Arten und Lebensräume in- und ausserhalb von Waldreservaten (z.B. Feuchtbiotope, Waldrand)

Ausgehend von diesem Prinzip der komplementären Ansätze und der ausgewiesenen Defizite hat das BAFU Massnahmenbereiche definiert. Für alle Massnahmenbereiche wurden in der Vollzugshilfe die konkreten Massnahmen, die spezifischen Ziele, deren Handlungsbedarf, die Umsetzungsinstrumente und die Schnittstellen zu anderen Bereiche definiert.

Allgemeines Umsetzungs- und Finanzinstrument

Das zurzeit wichtigste Förderinstrument für die Umsetzung der Massnahmen sind die seit 2008 zwischen Bund und Kantone abgeschlossenen Programmvereinbarungen im Bereich Waldbiodiversität. Bund und Kantone vereinbaren jeweils für eine Vierjahresperiode Leistungsziele mit einem entsprechenden Bundesbeitrag.

Im Bereich Waldbiodiversität steuert der Bund anhand der nationalen Umsetzungsschwerpunkte.

Regionaler Handlungsbedarf und nationale Umsetzungsschwerpunkte

Jede Region der Schweiz hat unterschiedliche Naturwerte, aber auch unterschiedliche Nutzungsansprüche an den Wald. Somit sind auch die regionalen Beiträge zur Erreichung der Wirkungsziele unterschiedlich und eine Regionalisierung des Handlungsbedarfs unabdingbar.

Tabelle: Regionaler Handlungsbedarf pro Massnahmenbereich und nationale Umsetzungsschwerpunkte Waldbiodiversität
Regionaler Handlungsbedarf pro Massnahmenbereich und nationale Umsetzungsschwerpunkte Waldbiodiversität

Die nationalen Umsetzungsschwerpunkte leiten sich ab aus dem regionalen Handlungsbedarf und beziehen zudem die Dringlichkeit, die regionale Verantwortung (z. B. für gewisse Arten/Waldgesellschaften) sowie Chancen bzw. Schwierigkeiten bei der Umsetzung mit ein.

Zulassen der natürlichen Waldentwicklung

Der Schweizer Wald wurde seit Jahrhunderten vom Menschen gestaltet. Die Bäume werden oft in der Optimalphase d.h. maximal in der Hälfte ihres biologisch möglichen Alters genutzt. Es fehlen sowohl die lichten Pionier-, als auch die Alters- und Zerfallsphasen. Arten die auf diese Phasen angewiesenen sind, sind oft gefährdet. Sich natürlich entwickelnde Wälder sind Referenzflächen für die ökologische und waldbauliche Forschung.

Damit einzelne Waldbestände wieder eine natürliche Waldentwicklung durchlaufen können, werden sie als Naturwaldreservate aus der Waldbewirtschaf­tung genommen. Sie sind auch als Anschauungsobjekte für die Naturbildung und -erziehung wichtig. Auf nationaler Ebene steht seit 2013 ein umfassender Datensatz mit den Geodaten allerkantonalen Reservatsflächen zur Verfügung.

Waldreservate

In Waldreservaten hat die Biodiversität Vorrang vor den Interessen des Menschen am Wald. Waldreservate bedecken 4,8 % der Waldfläche der Schweiz. Damit ist das waldpolitische Ziel von 10 % bis 2030 knapp zur Hälfte erreicht.

Wirklich unberührte Wälder gibt es in Mitteleuropa keine mehr; hier wird deshalb Urwald definiert als Wald, der vom Menschen «nicht wesentlich» verändert worden ist.

In der Schweiz gehören die vielen kleinen, unzugänglichen Waldstücke dazu, die an steilen Felshängen und auf Gräten stocken und deshalb nie bewirtschaftet worden sind. Dieser «unzugängliche Wald» umfasst etwa 33'400 ha, das sind 2,7% der gesamten Waldfläche. Daneben gibt es noch drei grössere Wälder, die offiziell als Urwälder bezeichnet werden:

  • der grosse Bödmeren-Fichtenwald auf Karst im Muotatal (Kant. Schwyz),
  • der Tannenwald von Derborence (Kant. Wallis),
  • der kleine Fichtenwald von Scatlé (Kant. Graubünden).

Massnahmenbereich 1: «Zulassen der natürlichen Waldentwicklung» (PDF, 1 MB, 19.03.2015)Vollzugshilfe «Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen»

Alt- und Totholz

Die im bewirtschafteten Wald weitgehend fehlenden Zerfallsstadien des Waldes und somit der Mangel an Alt- und Totholz sind eines der grössten ökologischen Defizite im Schweizer Wald.

Das BAFU hat Sollgrössen für das Totholzvolumen in den Grossregionen festgelegt. Bund und Kantone fördern Alt- und Totholz vor allem über die Einrichtung von Waldreservaten bzw. Altholzinseln und das bezeichnen von Biotopbäumen.

Massnahmenbereich 2: «Förderung Alt- und Totholz» (PDF, 1 MB, 19.03.2015)Vollzugshilfe «Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen»

Qualität des Lebensraums Wald fördern

Mit gezielten Eingriffen ist es möglich, Waldlebensräume z.B. für licht- und wärmeliebende Arten aufzuwerten bzw. wieder herzustellen und ihre ökologische Qualität langfristig zu erhalten.

Das BAFU hat für Waldränder, lichte Wälder, feuchte Wälder und besondere Bewirtschaftungs­formen nationale und regionale Handlungsziele definiert.

National Prioritäre Waldarten und Waldgesellschaften

Das BAFU hat Listen der National Prioritären Waldarten (NPA) und Waldgesellschaften (NPL) erarbeitet. Diese bilden die Grundlagen für die Bestimmung von Zielen und Massnahmen zur Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung der Waldbiodiversität.

Zurzeit sind in der Schweiz gut 3606 National prioritäre Arten definiert worden. Für den Wald als wichtigen Lebensraum mit rund 31 % der Landesfläche sind 1582 Waldarten als NPA bzw. 307 Arten als Waldzielarten definiert.

In der Schweiz kommen rund 121 Waldgesellschaften vor. Davon sind 76 National Prioritäre Lebensräume / Waldgesellschaften. Diese Arten und Lebensräume gilt es vordringlich zu schützen und zu fördern.

Genetische Vielfalt erhalten

Mit der Naturverjüngung bleiben in der Regel heimische, an den Standort angepasste und genetisch vielfältige Baumpopulationen erhalten. Wo die natürliche Verjüngung von Waldbäumen und -sträuchern die genetische Nachhaltigkeit oder die angestrebte genetische Vielfalt nicht genügt, kann es aber sinnvoll sein, gezielte und ergänzende Pflanzungen durchzuführen.

Bei der Planung und Einrichtung von Reservaten soll dem Aspekt der genetischen Vielfalt der Waldbäume grundsätzlich vermehrt Rechnung getragen werden.

Massnahmenbereich 5: «Erhaltung der genetischen Vielfalt» (PDF, 1 MB, 19.03.2015)Vollzugshilfe «Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen»

Wissensvermittlung und Forschung

Wissenslücken über die biologische Vielfalt im Schweizer Wald müssen gefüllt werden, damit das Handeln effektiver wird.

Massnahmenbereich 6: «Wissensvermittlung und Forschung» (PDF, 1 MB, 19.03.2015)Vollzugshilfe «Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen»

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Letzte Änderung 05.10.2015

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