Ökologische Infrastruktur

Bis 2040 soll die Schweiz über eine funktionsfähige ökologische Infrastruktur verfügen – sowohl im ländlichen als auch im städtischen Raum, im Mittelland, im Jura und in den Alpen. Im Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz werden entsprechende Massnahmen beschrieben und etappiert. Einerseits sind spezifische Ergänzungen und Aufwertungen des Schweizer Schutzgebietssystems nötig, anderseits die Ergänzung und Sicherung eines Systems von Vernetzungsgebieten in der gesamten Landschaft generell. Alle Sektoren werden einen Beitrag zur ökologischen Infrastruktur leisten.

Um die Biodiversität langfristig zu erhalten, fordert das Ziel 2 der Strategie Biodiversität Schweiz, eine ökologische Infrastruktur von Schutzgebieten und Vernetzungsgebieten aufzubauen.

Wirksam erhaltene, vernetzte und funktionsfähige Lebensräume sind eine Grundvoraussetzung dafür, dass

  • die Biodiversität reichhaltig und gegenüber Veränderungen reaktionsfähig ist
  • Ökosystemleistungen flächendeckend bereitgestellt werden.
    Ökosystemleistungen tragen massgeblich zu wirtschaftlichem Wohlstand und zur Lebensqualität der Bevölkerung in der Schweiz bei.

Schutzgebiete 

Zum Erhalt der Biodiversität in der Schweiz kommt Schutzgebieten eine besondere Bedeutung zu. Sie sorgen nicht nur dafür, dass Arten in ihren angestammten Lebensräumen verbleiben, sich Bestände bedrängter Arten erholen oder Ökosysteme ihre Funktionen erfüllen können. Schutzgebiete tragen auch dazu bei, dass das vielfältige Landschaftsbild der Schweiz erhalten bleibt.

Im Rahmen seiner Biodiversitätspolitik ist dem Bund deshalb die Schaffung und der Erhalt von Schutzgebieten ein besonderes Anliegen. Zudem hat sich die Schweiz mit dem Ratifizierung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt der Vereinten Nationen auch auf internationaler Ebene dazu bereit erklärt, ein «wirkungsvolles und gerecht gemanagtes, ökologisch repräsentatives und gut vernetztes Schutzgebietssystem» bereitzustellen und mit anderen «wirksamen gebietsbezogenen Erhaltungsmassnahmen» zu schützen. Noch ist dieses Ziel nicht erreicht.

Als Ergänzung zu den schon bestehenden Schutzgebieten, die schon jetzt das Grundgerüst der ökologischen Infrastruktur bilden, müssen deshalb zusätzliche Schutzgebiete errichtet werden.

Munt-Baselgla Nationalpark

Schweizerischer Nationalpark

Der 1914 gegründete Park ist eine streng geschützte Wildnislandschaft, in der sich Tiere und Pflanzen frei entwickeln und natürliche Prozesse ihre Wirkung entfalten können.

Trockenwiesen und -weiden

Biotope von nationaler Bedeutung

Hoch- und Übergangsmoore, Flachmoore, Auengebiete, Amphibienlaichgebiete sowie Trockenwiesen und -weiden.

Hirsche

Eidgenössische Jagdbanngebiete

In der Schweiz gibt es 42 eidgenössische Jagdbanngebiete. Diese helfen mit, seltene und bedrohte Säugetiere und Vögel sowie deren Lebensräume zu schützen.

Wasser- und Zugvogelreservate

Die Schweiz hat eine besondere Bedeutung als Überwinterungs- und Rastplatz für verschiedene ziehende Wasservogelarten. Die Verordnung über die Wasser- und Zugvogelreservate (WZVV) schützt die Lebensräume der Zugvögel sowie von ganzjährig in der Schweiz lebenden Wasservogelarten.

Waldreservate

In Waldreservaten hat die Biodiversität Vorrang vor den Interessen des Menschen am Wald. Waldreservate bedecken 4,8 % der Waldfläche der Schweiz. Damit ist das waldpolitische Ziel von 10 % bis 2030 knapp zur Hälfte erreicht.

Ramsar Logo

Ramsar-Gebiete

Das Übereinkommen über Gewässer und Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung (Ramsar-Konvention) ist ein völkerrechtlicher Vertrag zur nachhaltigen Nutzung von Feuchtgebieten mit internationaler Bedeutung. Die Schweiz als Beitrittsstaat setzt die Ramsar-Konvention vor allem mit Hilfe bestehender Bundesinventare um.

Logo Smaragd

Smaragd-Gebiete

Die Schweiz hat sich als Vertragsstaat der Berner Konvention verpflichtet, die europäisch besonders wertvollen Lebensräume und Arten zu schützen. Europaweit werden Gebiete im Schutzgebietsnetzwerk Smaragd zusammengefasst, in denen solche Lebensräume und Arten vorkommen und erhalten werden. Bislang wurden 37 Gebiete aus der Schweiz in das Smaragd-Netzwerk aufgenommen.

Vernetzungsgebiete

Isolierte Schutzgebiete reichen nicht aus, um die Biodiversität und damit die Ökosystemleistungen langfristig zu erhalten. Für das Überleben wie auch für die Wieder- und Neubesiedlung von Lebensräumen müssen sich Organismen in der Landschaft ausbreiten können. Schutzgebiete müssen also durch zusätzliche Lebensräume, sogenannte Vernetzungsgebiete miteinander verbunden werden.

Solche Vernetzungsgebiete bestehen beispielsweise aus ökologisch aufgewerteten Grünflächen im Siedlungsraum, Biodiversitätsförderflächen der Landwirtschaft, Totholzinseln im Wald oder künstlichen Verbindungselementen wie Wildtierbrücken, Wildtierunterführungen, Amphibien- und Kleintierdurchlässen.

Wildtierpassagen

Viele Wildtierkorridore sind beeinträchtigt oder unterbrochen. Wildtierpassagen sollen helfen, unterbrochene Korridore aufzuwerten. Der Bund hat zusammen mit kantonalen und nationalen Partnern Richtlinien und Konzepte erarbeitet.

Derzeit genügen oftmals weder der Zustand noch die Anzahl der Vernetzungsgebiete, um den Ansprüchen der verschiedensten Organismen gerecht zu werden. Zur nachhaltigen Unterstützung und dem langfristigen Erhalt der Biodiversität in der Schweiz müssen deshalb weitere Vernetzungsgebiete ausgewiesen werden. Besonders gefordert sind dabei die Sektoren Gewässerschutz, Landwirtschaft, Waldwirtschaft sowie der Sektor Siedlung, Raumplanung und Verkehr

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Letzte Änderung 20.07.2016

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