Das Nagoya-Protokoll: Faire Nutzung der genetischen Ressourcen

22.05.2013 - Das Nagoya-Protokoll regelt den Zugang zu genetischen Ressourcen und die gerechte Aufteilung der sich aus ihrer Nutzung ergebenden Vorteile. Auf diese Weise werden die Staaten ermutigt, ihre Biodiversität zu erhalten und nachhaltig zu nutzen.

Text: Marco D’Alessandro, BAFU

Die gerechte und ausgewogene Aufteilung der finanziellen, technologischen und wissenschaftlichen Vorteile, die sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen ergeben (z. B. als Ausgangsmaterial für die pharmazeutische Forschung oder für neue Pflanzensorten), gehört zusammen mit der Erhaltung der biologischen Vielfalt und der nachhaltigen Nutzung ihrer Bestandteile zu den zentralen Anliegen der Biodiversitätskonvention. Im Oktober 2010 haben die Unterzeichnerstaaten im japanischen Nagoya ein entsprechendes Abkommen ausgearbeitet (Nagoya-Protokoll). Wer Zugang zu einer genetischen Ressource in einem anderen Staat anstrebt, soll sich an die entsprechenden Gesetze und Vorschriften halten. Zudem soll ein Vertrag ausgearbeitet werden, der die Aufteilung der Vorteile regelt. Dadurch kann die Biodiversität auch in ärmeren Ländern, die oft über einen grossen Reichtum an Biodiversität verfügen, besser geschützt und erhalten werden. Mit Fällen sogenannter Biopiraterie soll dank der Umsetzung des Nagoya-Protokolls Schluss sein.

Die Schweiz hat das Protokoll im Mai 2011 unterzeichnet. Zur Ratifizierung und Umsetzung muss das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) um Bestimmungen zu den genetischen Ressourcen ergänzt werden. Im April 2013 hat der Bundesrat einen entsprechenden Entwurf verabschiedet und dem Parlament zur Genehmigung vorgelegt. Neu enthält das Gesetz beispielsweise eine Sorgfalts- und eine Meldepflicht. Diese sollen gewährleisten, dass die Nutzung von genetischen Ressourcen und des damit verbundenen traditionellen Wissens indigener Völker keine Gesetze und Vorschriften in den Herkunftsländern verletzt und dass Vorteile ausgewogen und gerecht geteilt werden.

Die Umsetzung des Nagoya-Protokolls wird auch der Schweiz Vorteile bringen. So wird sich die Rechtssicherheit bei der Nutzung genetischer Ressourcen erhöhen. Gleichzeitig wird der Zugang zu genetischen Ressourcen im Ausland für die Schweizer Forschung und Industrie erleichtert und langfristig gesichert. Weil die Schweiz ebenfalls Hüterin von genetischen Ressourcen ist, wird sie die Möglichkeit erhalten, den Zugang zu diesen Ressourcen zu regeln und so an den Vorteilen aus deren Nutzung teilzuhaben. Eine gute Umsetzung des Nagoya-Protokolls kann somit zu einer Win-win-Situation führen und sowohl die Nutzung als auch die weltweite Erhaltung der Biodiversität fördern.

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Letzte Änderung 23.05.2013

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