Porträt: Im Jahr des Moorbodens

20.05.2015 - Moorböden faszinieren durch ihre Vielseitigkeit. Sie bieten wichtigen Lebensraum für zahlreiche an die feuchten Verhältnisse angepasste Tier- und Pflanzenarten. So ist beinahe die Hälfte aller bedrohten Pflanzenarten der Schweiz auf Feuchtgebiete angewiesen. Drainierte, also entwässerte Moore sind allerdings auch gut fruchtbare Landwirtschaftszonen.

Anmooriger Fluvisol (degradierter Moorboden)
Anmooriger Fluvisol (degradierter Moorboden): Durch die Entwässerung des Seelands und die Bodenbearbeitung begannen die ursprünglich sumpfigen Torfschichten von ursprünglich etwa 200 cm auf heute nur noch 32 cm zu schrumpfen.
© BGS

Dies hat jedoch zur Folge, dass der Torf abgebaut wird und der fruchtbare Untergrund langsam verschwindet. Kein anderer Lebensraum wurde in den letzten 150 Jahren derart dezimiert wie die Moore. Heute stehen sie unter rigorosem Schutz. Für 2015 hat die Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz (BGS) den Moorboden zum Boden des Jahres erklärt.

In den drei Bundesinventaren zum Moorschutz sind rund 1200 Flachmoore, 550 Hochmoore und 89 Moorlandschaften festgehalten. Wer in der Schweiz von Moorböden geprägte Landschaften entdecken möchte, kommt in diesen Regionen auf seine Rechnung:

Rothenturm-Schwantenau (SZ): Kein anderer Ort wird so eng in Verbindung gebracht mit dem Schutz von Moorlandschaften wie Rothenthurm. Die Armee beabsichtigte nämlich, hier einen Waffenplatz einzurichten, was aber 1987 mit der Annahme der Rothenthurm-Initative verhindert wurde. Seitdem geniessen die Moore und Moorlandschaften von nationaler Bedeutung den Schutz der Verfassung.

Seeland (BE): Das «Grosse Moos», einst grösstes Moorgebiet der Schweiz, wurde im 19. und 20. Jahrhundert im Rahmen der Juragewässerkorrektionen trockengelegt. Heute ist die Region das bedeutendste Gemüseanbaugebiet des Landes.

St. Galler Rheintal: In Altstätten zeugen die Gebäude der ehemaligen Torffabrik Schollenmühle vom gewerblichen Torfabbau, der bis ins letzte Jahrhundert hinein die Landschaft geprägt hat.

Les Ponts-de-Martel (NE): Nach dem Zurückweichen des Rhonegletschers entwickelten sich im Jura Moore mit Torfschichten von bis zu fünf Metern Mächtigkeit. Drainierung und Torfabbau haben die Moorvegetation jedoch auf 130 Hektaren reduziert.

Orbe-Ebene (VD): Die Flussebene der Orbe bei der Mündung in den Neuenburgersee ist eine ehemalige Riedlandschaft. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wurde sie stark entwässert.

Glaubenberg-Habkern-Sörenberg (LU): Diese Moorlandschaften gehören teilweise zur UNESCO Biosphäre Entlebuch. Der 80 km lange «Moorlandschaftspfad» lädt zum Entdecken ein.

Jean-Luc Brülhart

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Letzte Änderung 20.05.2015

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