Meldestelle «Nutztiere und nichtionisierende Strahlung» (NUNIS) kaum genutzt

15.09.2015 - Weniger als 1 Promille der Schweizer Tierhalter haben einen Verdacht auf gesundheitliche Störungen bei ihren Tieren durch Elektrosmog gemeldet. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) wird deshalb die im Jahr 2013 initiierte Meldestelle «Nutztiere und nichtionisierende Strahlung» nicht weiterführen. Die Abteilung Ambulanz und Bestandesmedizin der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich wird die Meldestelle aber für Forschungszwecke weiter betreiben.

Beim BAFU sind in der Vergangenheit verschiedentlich Meldungen über gesundheitliche Störungen bei Nutztieren eingegangen, die deren Halter auf nichtionisierende Strahlung (Elektrosmog) oder vagabundierende Ströme im Stall zurückführten. Da es wenig wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt, sind sowohl Ursachen als auch Verbreitung solcher Störungen unklar. Um Klarheit über Ausmass und Art solcher Störungen zu erhalten, hat das BAFU Ende 2013 die Meldestelle Nutztiere und nichtionisierende Strahlung (NUNIS) geschaffen. Halterinnen und Halter grosser Nutztiere wie Kühe, Pferde, Schweine oder Schafe konnten während eines Jahres mit einem Online-Fragebogen ihre Beobachtungen der Abteilung Ambulanz und Bestandesmedizin der Universität Zürich melden.

Kleiner Rücklauf, vielfältige Störungen gemeldet

Auf die Meldestelle wurde in den landwirtschaftlichen Fachmedien und an Veranstaltungen aufmerksam gemacht. Im Laufe des Jahres 2014 haben 576 Personen NUNIS angesehen. Insgesamt 44 (=100%) der ausgefüllten Fragebogen konnten ausgewertet werden, 18 waren vollständig ausgefüllt. Bei insgesamt rund 55‘200 Landwirtschaftsbetrieben in der Schweiz im Jahr 2013 haben sich somit weniger als 1 Promille der Betriebe gemeldet. 41 Meldungen stammen von Tierhaltern aus der Deutschschweiz (93%), zwei aus der welschen Schweiz (5%) und eine aus der italienisch sprechenden Schweiz (2%).

In 33 Fällen wurde Elektrosmog, in sieben Fällen vagabundierende Ströme (Kriechströme) und in vier Fällen Elektrosmog wie auch vagabundierende Ströme als vermutete Ursache angegeben. In vielen Fällen waren verschiedene Tierarten betroffen. Am meisten betroffen waren Rinder (50% der Fälle), gefolgt von Pferden (23%), Ziegen (22%), Neuweltkameliden (22%), Schweine sowie Schafe (je 2%). In 18 Prozent der Fälle wurden auch Menschen als betroffen gemeldet.

Die gemeldeten Störungen waren vielfältig. In den 16 Fragebögen mit Angaben dazu wurden folgende Krankheiten angegeben: Lahmheiten, Euterkrankheiten, Stoffwechselprobleme, Verdauungsprobleme, Fruchtbarkeitsprobleme, Atemwegsprobleme, Hautprobleme, erhöhte Zellzahl in der Milch. Weiter wurden als Symptome Milchrückgang, Immundepression, Verstopfungen bei Schweinen, Milchaufziehen sowie Milchlaufenlassen genannt.

BAFU führt Meldestelle nicht weiter

Ziel des Projektes war es, das Ausmass von Störungen, die von Tierhaltern in Zusammenhang mit Elektrosmog oder vagabundierenden Strömen gebracht werden, zu erfassen. Die Befragung lässt den Schluss zu, dass derartige Probleme selten vorkommen. Das BAFU wird die Meldestelle deshalb nicht weiterführen. Nicht Gegenstand der Befragung war die Suche nach anderen Ursachen. Die Zuschreibung der Probleme zu Elektrosmog oder vagabundierenden Strömen stammt von den Tierhaltern und ist nicht unabhängig geprüft. Die Abteilung Ambulanz und Bestandesmedizin der Universität Zürich wird die Meldestelle für Forschungszwecke weiter betreiben.

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Letzte Änderung 15.09.2015

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