Interview: «Viele Herausforderungen bleiben bestehen»

26.08.2015 - Nicolas Perritaz ist als Mitarbeiter der BAFU-Abteilung Internationales für die Umweltberichterstattung der Schweiz und die Zusammenarbeit mit der Europäischen Umweltagentur (EUA) zuständig. Trotz der enormen Herausforderungen bleibt er optimistisch.

Nicolas Perritaz, BAFU

Interview: Muriel Raemy Lindegger

umwelt: Weder die aktuelle Umweltpolitik noch wirtschaftliche oder technologische Effizienzsteigerungen werden ausreichen, um die ökologische Vision für Europa bis 2050 zu erreichen. Welche Massnahmen braucht es?

Nicolas Perritaz: Unsere Konsumgewohnheiten haben grenzüberschreitende Auswirkungen auf die Umwelt. Wir müssen Mittel finden, um den Energie- und Verkehrssektor sowie das Ernährungssystem grundlegend nachhaltig zu gestalten. Dazu gilt es etwa, den CO2-Ausstoss auf ein tiefes Niveau zu begrenzen und ein ressourcenschonendes Wachstum zu fördern. Ein solcher Wandel erfordert tiefgreifende Veränderungen der Institutionen, Technologien, Politiken und Lebensweisen.

Was tut die Schweiz, um ihre Umweltauswirkungen im Ausland zu vermindern?

Hauptgrund für die Verschlechterung der Umweltsituation ist eine nicht nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Deshalb engagiert sich die Schweiz für eine Grüne Wirtschaft, die schonender mit Rohstoffen und Energie umgeht. Im März 2013 hat der Bundesrat einen entsprechenden Aktionsplan verabschiedet. Gemeinsam mit den Kantonen will er zudem den Vollzug der Umweltgesetzgebung stärken und die Bevölkerung für den Wert der Umwelt sensibilisieren.

Inwiefern unterstützt der ökonomische Wohlstand langfristig den Übergang zu einer umweltfreundlichen Wirtschaft, wie der neuste EUA-Bericht (SOER 2015) betont?

Der Schutz des natürlichen Kapitals fördert die wirtschaftliche Prosperität und das Wohlbefinden der Menschen. In Europa haben umwelt- und klimapolitische Massnahmen erheblich zum Fortschritt beigetragen und die Umwelt- und Lebensqualität verbessert. Zusätzlich begünstigen sie Innovationen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und das Wachstum.

Es ist entscheidend, in zukunftsweisende Technologien zu investieren, welche Innovationen und die Entwicklung von Alternativen vorantreiben. Daneben sind auch andere Formen der Innovation denkbar - so zum Beispiel finanzielle Instrumente zur Abgeltung von Ökosystemleistungen, ganzheitliche Ansätze des Ressourcenmanagements oder auch gesellschaftliche Innovationen.

Welchen Beitrag kann die Politik dazu leisten?

Wie der EUA-Umweltbericht 2015 zeigt, funktioniert eine durchdachte Umwelt- und Klimapolitik und liefert überzeugende Ergebnisse. In Europa nimmt die Umweltverschmutzung ab, die Natur wird besser geschützt, und das Abfallmanagement ist verbessert worden. Dies spricht dafür, die Umweltgesetze effizient anzuwenden und sie laufend dem aktuellen Stand der Technik und des Wissens anzupassen.

Andererseits werden auch die bis 2050 zu bewältigenden Herausforderungen beschrieben. Gemäss dem Bericht muss der Übergang zu einer Grünen Wirtschaft über den Schutz des natürlichen Kapitals, eine schonende Nutzung natürlicher Ressourcen, die Entwicklung einer CO2-armen Wirtschaft und den Schutz der Bevölkerung vor umweltbedingten Gesundheitsrisiken erfolgen. Die heute gestellten Weichen entscheiden darüber, ob sich diese Vision bis 2050 verwirklichen lässt. Auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene müssen sich die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft deshalb der grossen Aufgaben bewusst sein, mit denen wir konfrontiert sind.

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Letzte Änderung 26.08.2015

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