Anpassung an den Klimawandel: Umgang mit Naturgefahren

Naturgefahren stellen vielerorts seit jeher eine Bedrohung für Menschen, Sachwerte und Infrastrukturen dar. Die bestehende Gefährdung wird durch die Zunahme von Infrastrukturwerten und Siedlungserweiterungen in Gefahrengebieten sowie durch die Auswirkungen des Klimawandels weiter verstärkt.

Handlungsfelder und Ziele des Bundes

Die Lehren und Erkenntnisse aus den Ereignissen der letzten Jahrzehnte bilden die Grundlage für die aktuellen Gesetze und die von der Nationalen Plattform Naturgefahren PLANAT formulierte «Strategie Naturgefahren Schweiz». Kernbereiche daraus wie «Strategisches Controlling» bzw. «Monitoring der Entwicklung» zur periodischen Ermittlung der Kosten, Risiken und Schäden berücksichtigen die Anpassung an den Klimawandel bereits explizit und bilden die Basis für die zukünftige Verlagerung von Prioritäten.

Die zusätzlichen Herausforderungen infolge des Klimawandels können deshalb durch eine konsequente Umsetzung der PLANAT-Strategie und des integralen Risikomanagements gemeistert werden. Die allgemeinen Ziele der Strategie sind auch für die Handlungsfelder zur Anpassung an den Klimawandel relevant und können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Ein allgemein akzeptiertes Sicherheitsniveau nach einheitlichen Kriterien ist gewährleistet.
  • Vorhandene Risiken sind reduziert und die Entstehung neuer Risiken wird vermieden.
  • Die Mittel für die optimale Reduktion der vorhandenen und die Vermeidung neuer Risiken sind effizient eingesetzt.

Wie die Hochwasserereignisse 2005 und 2007 und deren Analysen zeigen, liegen in der Vorsorge, Intervention und Erhöhung der Selbstschutzfähigkeit der Bevölkerung (Resilienz) grosse Potenziale, um den Umgang mit Restrisiken zu verbessern:

  • Förderung und Unterstützung der Eigenverantwortung (Ausbildung der Bauherren, Sensibilisierung der Bevölkerung).
  • Förderung und Unterstützung von Architektinnen und Architekten, Planern etc. (Ausbildung zu Objektschutzmassnahmen und Sicherheitsstandards).
  • Förderung von organisatorischen Massnahmen (Notfallplanung und Notfallkonzepte inklusive Warnung und Alarmierung) sowie Optimierung der Intervention, um mit Restrisiken umzugehen.

Massnahmen des Bundes

Naturgefahren haben in der Schweiz seit jeher eine grosse Bedeutung. Die Risiken durch Naturgefahren werden vor allem durch die Zunahme von Infrastrukturwerten und Siedlungserweiterungen in Gefahrengebiete vergrössert. Wegen des Klimawandels könnten aber auch Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen zunehmen. Die Federführung für Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel im Sektor Naturgefahren liegt, wo nichts anderes vermerkt ist, beim Bundesamt für Umwelt BAFU (Präventionsmassnahmen) und beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS (Ereignisbewältigung).

Massnahmen der Bundesämter: Naturgefahren (PDF, 129 kB, 09.04.2014)Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz - Aktionsplan 2014–2019, Anhang A2

Weitere Aktivitäten

Nationales Forschungsprogramm Nachhaltige Wassernutzung (NFP 61)

Das NFP 61 (2008-2013) erarbeitet Grundlagen für einen nachhaltigen Umgang mit den Wasserressourcen. Die 16 Projekte untersuchen die Auswirkungen klimatischer und gesellschaftlicher Veränderungen, identifizieren Risiken und entwickeln Strategien für ein integrales Wassermanagement. Einige Projekte beschäftigen sich mit Naturgefahren.

Projekt PermaNET: Permafrost Long-Term Monitoring Network

Das EU-Projekt PermaNET (2008-2011) baute ein alpenweites Netzwerk für das Permafrostmonitoring auf. Als Vorbild diente das Schweizer System PERMOS. Weitere Ergebnisse sind ein Permafrostinventar, eine Karte der Permafrostverbreitung im Alpenraum und Empfehlungen für die Berücksichtigung der Problematik im Naturgefahrenmanagement. Schweizer Partner: BAFU 

Fallstudie Saastal: Anpassung an die Klimaänderung im Berggebiet

Die Fallstudie (2010-2011) analysierte für das Saastal (VS) die möglichen Auswirkungen des Klimawandels, bewertete den Handlungsbedarf und leitete Anpassungsoptionen ab. Das Teilprojekt Siedlung und Infrastruktur beschäftigte sich mit Naturgefahren und Raumplanung, das Teilprojekt Biodiversität u.a. mit den Schutzfunktionen des Waldes. Träger: Gemeinden des Saastals, Kanton Wallis, Netzwerk Wasser im Berggebiet, Schweizer Berghilfe, Schweizerischer Versicherungsverband, WWF Schweiz und hotelleriesuisse

Entwässerungsstollen Gletschersee Grindelwald

Auf dem Unteren Grindelwaldgletscher (BE) bildete sich in Folge der Erwärmung 2005 erstmals ein See, der rasch grösser wurde und eine zunehmende Überflutungsgefahr für den Talraum darstellte. Das Problem wurde durch den Bau eines Entwässerungsstollens gelöst. Bauherr: Schwellenkorporation Grindelwald, gefördert von Schwellenkorporation Bödeli Süd, Kanton Bern und BAFU

Pilotprogramm Anpassung an den Klimawandel

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Letzte Änderung 28.04.2016

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