Pilotprojekt zur Anpassung an den Klimawandel «Vorbereitung der Futterproduktion auf den Klimawandel»

Der Klimawandel und die zunehmenden Trockenperioden werden sich am Waadtländer Jurafuss negativ auf die Futterressourcen der Milchviehbetriebe auswirken. Das Projekt zielte darauf ab, die Milchproduktion an das Trockenheitsrisiko anzupassen und die Unabhängigkeit der Betriebe bei der Versorgung mit Futter zu verbessern.

Ausgangslage

In trockenen Jahren wächst das Gras auf Wiesen und Weiden langsamer. Milchbauern bekommen Mühe, ihre Flächen optimal zu bewirtschaften und gleichzeitig die Futterreserven für den Winter aufzufüllen. Die Herden werden in der Folge mit Mais und importierten Proteinen gefüttert. Problematisch ist die Situation vor allem für jene Bauern, die ihre Milch zu AOP-Greyerzer verarbeiten: Die AOP-Richtlinien verbieten die Verabreichung von Silofutter und schreiben zudem vor, dass mindestens 70 % des Futters vom eigenen Betrieb stammen muss.

Ziele

Ziel des Projekts war es, Lösungen für eine bessere Bewirtschaftung des Graslands bei Trockenheit zu finden und die Versorgung der Betriebe mit Futtermitteln zu verbessern. In einem Netz von Beobachtungsstellen sollten Schnitt- und Weideregimes getestet, verschiedene Kulturen und Futtermischungen angebaut sowie Daten zu den Auswirkungen der Trockenheit erhoben werden. Basierend auf diesen Grundlagen sollten Best Practices abgeleitet werden, die zu einer lokalen und klimaangepassten Futter- und Milchproduktion beitragen.

Vorgehen 

  • Auswahl der Milchviehbetriebe für das Beobachtungsnetz und Auswahl der Parzellen (Dauerweiden, -wiesen und Kunstwiesen)
  • Bewirtschaften der Parzellen gemäss Versuchsdesign (Variieren von Wasserverfügbarkeit, Schnittzeitpunkt und angebauten Sorten)
  • Erfassen von Biomasseproduktion, Pflanzenwachstum, Nährwert und botanischer Zusammensetzung
  • Umfrage bei den Milchviehbetrieben und Berechnen von Futterbilanzen
  • Diskussion der Ergebnisse mit den Beteiligten, Erarbeiten und Verbreiten von Praxisempfehlungen 

Ergebnisse 

Die Dürre im Sommer 2015 verursachte auf den Graslandflächen am Waadtländer Jurafuss Ernteeinbussen von 20 bis 40 %. Die Verluste waren je nach Wasserversorgung, Bodeneigenschaften, botanischer Zusammensetzung und Bewirtschaftung unterschiedlich hoch. Durch eine Verlegung des Zeitpunkts für den Grasschnitt und den Weidegang kann das Graswachstum im Frühling besser genutzt werden. Das lokale Futterangebot genügt in den meisten Jahren nicht, um die vorhandenen hohen Viehbestände zu versorgen. Empfehlungen für die Praxis sind unter anderem die Anpassung des Schnittzeitpunkts und eine Reduktion der Zahl der Tiere.

Die erhobenen Daten zum Graswachstum dienten der Validierung eines Modells zur Simulation der Vegetationsentwicklung. Den Landwirtschaftsbetrieben steht nun ein Futterbilanzrechner zur Verfügung, der die Dynamik innerhalb des Jahres abbilden kann. Die Anbauversuche mit einer neuen Wiesen-Saatmischung und Sudangrastrugen schliesslich dazu bei, das Spektrum trockenheitstoleranter Kulturen zu erweitern. 

Fazit 

Die Untersuchung verschiedener Arten der Futtergewinnung und der Einbezug von Erkenntnissen aus Forschungsprojekten ermöglichten eine umfassende Betrachtung der Auswirkungen von Trockenheit auf die Grünlandproduktion und der Konsequenzen, die sich für die Bewirtschaftung ergeben. Es konnten praxisrelevante Empfehlungen abgegeben werden, und es ist vorgesehen, die erarbeiteten Hilfsmittel für den breiten Einsatz weiterzuentwickeln. Das Vegetationsmodell soll mit meteorologischen Daten kombiniert werden, um Landwirten den optimalen Zeitpunkt für die Ernte anzuzeigen. Im Futterbilanz-Rechner sollen weitere Möglichkeiten für die Versorgung der Tiere abgebildet werden, sodass er von möglichst vielen Betrieben genutzt werden kann.

Die Anpassung der Milchviehbetriebe an den Klimawandel erfordert verschiedene Ansätze. Es steht eine breite Palette an kurz- und langfristigen, präventiven und kompensatorischen Massnahmen in der Futterproduktion und bei der Tierhaltung zur Verfügung. Welche Lösungen im konkreten Fall für einen Einzelbetrieb und eine Region sinnvoll sind, bleibt zu vertiefen. Dabei sollte die Verteilung von Wasser und Nährstoffen innerhalb der Region in die Betrachtungen einfliessen.


Projektträger: Agroscope

Pilotgebiet: Waadtländer Jurafuss

Laufzeit: 2014 - 2016

Begleitung: Bundesamt für Landwirtschaft

Weiterführende Informationen

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Letzte Änderung 13.10.2017

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Agroscope
Eric Mosimann

eric.mosimann@ agroscope.admin.ch 

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