4. Newsletter, Pilotprogramm Anpassung an den Klimawandel, 22. Dezember 2015

1. Abgeschlossen: Pilotprojekt «Ausbildung der Einsatzkräfte»

Infolge des Klimawandels werden häufigere und intensivere Naturgefahrenereignisse erwartet. Eine gute Vorbereitung und eine eingespielte Zusammenarbeit der verschiedenen Einsatzkräfte, die zur Bewältigung solcher Ereignisse aufgeboten werden, ist wichtig, damit die Einsätze sicher und effektiv erfolgen. Bisher existierten allerdings keine Ausbildungskurse, in denen die Kader der Einsatzkräfte wie Feuerwehr, Zivilschutz sowie weitere Partner des Bevölkerungsschutzes der Regionen und Gemeinden gemeinsam für die Planung und Durchführung von Einsätzen vorbereitet wurden.

Diese Lücke ist nun geschlossen: Im Rahmen des Pilotprojekts «Ausbildung der Einsatzkräfte - weniger Unfälle und Schäden trotz mehr Ereignissen» hat der Schweizerische Feuerwehrverband (SFV) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS bestehende Ausbildungs- und Einsatzgrundlagen zur koordinierten Ereignisbewältigung von Naturgefahren gebündelt und weiterentwickelt. Das erarbeitete Wissen wird im neuen Kursmodul «Interventionsplanung und Einsatzvorbereitung» an die Fachleute der verschiedenen Einsatzkräfte weitervermittelt. Ein erster Kurs fand im April 2015 mit gut 30 Teilnehmenden statt. Zurzeit läuft die Ausschreibung für die ersten ordentlichen Kurse im April 2016.

Josef-Heinrich Amacker, Ausbildner beim SFV und Projektverantwortlicher, zieht eine erste positive Bilanz: «Wir sensibilisieren die Kursteilnehmenden für die Zunahme von Naturgefahren, die mit dem Klimawandel einhergeht, und schaffen einen konkreten Bezug zu ihrem eigenen Tätigkeitsfeld. Die praxisbezogenen Kurse finden hauptsächlich im Gelände statt. Die Teilnehmenden lernen, wie sie Einsätze bei Naturgefahrenereignissen koordiniert planen und durchführen können, und sie erhalten Checklisten und weitere Hilfsmittel, die sie dabei unterstützen, eine Interventionsplanung für das eigene Einsatzgebiet zu erstellen. Damit tragen wir dazu bei, dass sich die Leute, die sich auf Ereignisse vorbereiten müssen und bei der Bewältigung vor Ort zum Einsatz kommen, bewusst werden, mit welchen Herausforderungen sie künftig konfrontiert sein werden.» In den kommenden Wochen stehen gemäss Amacker weitere Kommunikations- und Sensibilisierungsmassnahmen an, um den Kurs und dessen Nutzen bei den verschiedenen Zielgruppen noch bekannter zu machen.

© Schweizerischer Feuerwehrverband

2. Abgeschlossen: Pilotprojekt «Strategien zur Geschiebebewirtschaftung»

Bereits heute kann in alpinen Einzugsgebieten eine erhöhte Geschiebeverfügbarkeit und eine zunehmende Geschiebeverlagerung in die Talböden beobachtet werden. Der Klimawandel wird diese Entwicklung vielerorts verstärken. Im Rahmen des Pilotprojekts «Strategien zur Geschiebebewirtschaftung im Zusammenhang mit dem Klimawandel» wurden mit Unterstützung des Bundesamts für Umwelt BAFU Lösungsansätze erarbeitet, wie das anfallende Geschiebe bewirtschaftet, deponiert und verwertet werden kann. Projektleiter Thomas Scheuner von der Firma GEOTEST betont: «Ein allgemeingültiges Rezept für den Umgang mit den anfallenden Geschiebemengen gibt es nicht. Je nach Gebiet und Situation stellen sich andere Herausforderungen und es ergeben sich andere Möglichkeiten für die Bewirtschaftung.»

Das Projektteam hat in den vergangenen zwei Jahren eine breite Palette möglicher Massnahmen identifiziert. Für drei verschiedene Fallstudiengebiete - Schwarze Lütschine bei Grindelwald BE, Val Parghera bei Domat/Ems GR , Alpbach bei Erstfeld UR - wurden gemeinsam mit den Betroffenen Konzepte für die Geschiebebewirtschaftung entwickelt. Gemäss Scheuner zeigte sich, dass die Zukunftsdimension bisher meist nicht ausreichend berücksichtigt wurde: «Massnahmen erfolgten in der Regel als Reaktion auf ein Ereignis und Schutzbauten oder Deponien wurden auf Grundlage der jeweils aktuellen Geschiebesituation dimensioniert. Langfristig nachhaltige Konzepte zur Prävention und zur Ereignisbewältigung müssen jedoch die künftig zu erwartenden Geschiebemengen einbeziehen. Wir empfehlen deshalb einen prospektiven Ansatz mit einer Kombination von Massnahmen, die zum Teil flexibel an veränderte Klimabedingungen angepasst werden können.» 

Die Projektergebnisse wurden in einem Schlussbericht publiziert. Dieser enthält auch Massnahmenblätter mit möglichen Lösungsansätzen in den Bereichen Vermeidung, Verwertung, Entsorgung und Organisation. Für kantonale Fachstellen und Planungsbüros bietet der Bericht damit eine Hilfestellung bei der Erarbeitung von Strategien zur Geschiebebewirtschaftung.

© Nils Hählen, Amt für Wald, Kanton Bern

3. Fachtagung im Pilotprojekt «Risikobasierte Raumplanung»

Die stetig intensivere Raumnutzung, verbunden mit der erwarteten Zunahme von Wetterextremen und Naturereignissen, stellt die Raumplanung vor neue Herausforderungen. Mit verstärktem Einbezug des Risikos soll die Raumplanung dieser Entwicklung Rechnung tragen. Sie hat sich dazu einerseits an den bestehenden Nutzungen und Gefahren zu orientieren, andererseits aber auch Szenarien einer intensivierten Raumnutzung und des Klimawandels zu berücksichtigen. Damit hilft sie, mögliche Risiken rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Präventionsarbeit zu betreiben.

Ende Oktober 2015 veranstalteten das Bundesamt für Raumentwicklung ARE und das Bundesamt für Umwelt BAFU gemeinsam mit dem Kanton Freiburg die Fachtagung «Risikobasierte Raumplanung als Chance für die Siedlungsentwicklung nach innen und zugleich eine wichtige Klimaanpassungsstrategie». Sie bot Fachpersonen aus der Raumplanung die Möglichkeit, sich über den Ansatz der risikobasierten Raumplanung und konkrete Umsetzungsbeispiele zu informieren und Erfahrungen auszutauschen. Im Mittelpunkt stand dabei das Pilotprojekt «Risikobasierte Planung - eine Antwort auf den Klimawandel und die intensivierte Raumnutzung», das Lösungsansätze entwickelt, wie die Gefahren und die damit verbundenen Risiken in den kantonalen und kommunalen Planungsprozessen und Raumplanungsinstrumenten angemessen berücksichtigt werden können. Während eines Besuchs in der Pilotgemeinde Châtel-St-Denis (FR) konnten sich die Teilnehmenden vor Ort detailliert über das Projekt informieren.

Das Thema «risikobasierte Raumplanung» und das Pilotprojekt wurden auch in der Novemberausgabe 2015 des Magazins «Schweizer Gemeinde» beleuchtet:
Artikel «Naturgefahren in der Raumplanung bedenken»

4. Regionaler Workshop im Pilotprojekt «Klima-Toolbox Surselva»

Wie kann sich eine wirtschaftlich stark vom Wintertourismus abhängige Region wie die bündnerische Surselva an den Klimawandel anpassen? Während eines eineinhalbtägigen Workshops in Vals haben sich Ende Oktober 2015 Interessensvertreterinnen und -vertreter aus Gemeinden sowie aus dem Tourismus, dem Gewerbe und dem Umweltschutz mit dieser Frage beschäftigt. Der Workshop fand im Rahmen des Pilotprojekts «Klima-Toolbox Surselva» statt, das mit Unterstützung des Bundesamts für Umwelt BAFU umgesetzt wird.

Mit der «Klima-Toolbox», die im Rahmen des Pilotprojekts entwickelt wurde, analysierten die Teilnehmenden das «Geschäftsmodell» der Region und identifizierten Risiken und Chancen, die der Klimawandel mit sich bringt. Auf eine detaillierte Auseinandersetzung mit ausgewählten Risiken und Chancen folgte eine intensive Diskussion über mögliche Anpassungsmassnahmen. Urs Giezendanner, Leiter der Anlaufstelle Regionalentwicklung bei der Regiun Surselva, sagte dazu: «Der Workshop hat eindrücklich gezeigt, dass die Region grosses Entwicklungspotenzial hat, gerade im Sommertourismus. Nun gilt es vorausschauend zu handeln, um die Risiken zu minimieren und Chancen zu nutzen.»

Die Ergebnisse des Workshops haben mögliche Entwicklungsleitlinien für die Region aufgezeigt. Diese sollen nun weiter konkretisiert und auch kommuniziert werden. Ein erster öffentlicher Informationsanlass fand Ende November 2015 in Ilanz statt.

© seecon

5. Halbzeit-Tagung Pilotprogramm 15. September 2015

Wo steht das Pilotprogramm «Anpassung an den Klimawandel» und wie sieht das weitere Vorgehen aus? Welche Ergebnisse haben die Pilotprojekte bisher erzielt und welche Erfahrungen haben die Verantwortlichen bei der Umsetzung ihrer Projekte gemacht? Rund 90 Personen haben sich Mitte September an der Halbzeit-Tagung Antworten auf diese Fragen geholt und ihr Wissen, ihre Erfahrungen wie auch ihre Bedürfnisse für die zweite Hälfte der Programmlaufzeit ausgetauscht. Am Vormittag wurden die ersten abgeschlossenen sowie einige weit fortgeschrittene Projekte vorgestellt. Anschliessend diskutierten die Teilnehmenden in Kleingruppen Themen wie die Verankerung der Projekte in den Regionen, Partizipation und Kommunikation. Der Nachmittag weitere Gelegenheit für einen vertieften Austausch in den Bereichen «Wasser und Landwirtschaft», «Stadtentwicklung und Gesundheit» sowie «Wissenstransfer und Governance».

6. Pilotprojekte im Magazin «umwelt»

Im August 2015 ist das BAFU-Magazin «umwelt» zum Schwerpunktthema «Gesundheit» erschienen. Es illustriert anhand zahlreicher Beispiele den Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit. Der Beitrag «Erderwärmung: Tropenklima im Tessin» zeigt auf, welche Folgen der Klimawandel für die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung haben kann und welche Präventionsmassnahmen ergriffen werden, um negative Auswirkungen zu mindern. Auch zwei Projekte des Pilotprogramms «Anpassung an den Klimawandel» werden im Beitrag vorgestellt.

7. Ankündigung: Internationale Tagung «Anpassung an den Klimawandel in der Praxis», 7.-8. Juni 2016, Bern

Vom 7. bis 8. Juni 2016 findet in Bern die internationale Tagung «Anpassung an den Klimawandel in der Praxis» statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Frage, wie nationale Strategien zur Anpassung an den Klimawandel vor Ort erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden können. Regionen, Städte und Gemeinden stellen konkrete Beispiele vor. Die Tagung bietet vielfältige Möglichkeiten für den Austausch und die Vernetzung. Sie wird vom Bundesamt für Umwelt BAFU in Zusammenarbeit mit ProClim organisiert. Das detaillierte Programm erscheint voraussichtlich im Februar 2016.

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Letzte Änderung 31.01.2016

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