5. Newsletter, Pilotprogramm Anpassung an den Klimawandel, 26. April 2016

1. Abgeschlossen: Pilotprojekt «Indexbasierte Graslandversicherung»

Gemäss Klimaszenarien ist in der Schweiz künftig vermehrt mit Trockenperioden zu rechnen. Damit sich Landwirtschaftsbetriebe gegen trockenheitsbedingte Ertragseinbussen in der Grünlandproduktion zumindest teilweise absichern können, wurde im Rahmen des Pilotprojekts «Indexbasierte Graslandversicherung» mit Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft BLW eine massgeschneiderte Versicherungslösung für den Futterbau entwickelt. Während bei klassischen Versicherungslösungen eine Begehung im Feld über Entschädigungszahlungen entscheidet, kommt bei der neuen Graslandversicherung ein Trockenheitsindex zur Anwendung. Dieser beruht auf räumlich hochaufgelösten Daten zur Bodenverdunstung und zum Niederschlag und ermöglicht es zu beurteilen, in welchen Regionen der Schweiz die Versicherungsnehmer eine Auszahlung beanspruchen können. Auf der Website www.swissagroindex.hagel.ch können sich die Versicherungsnehmer jeweils am Ende einer Pflanzperiode informieren, ob sie für ihre Felder einen Schaden anmelden können. Dort finden alle Interessierten zudem Informationen zum Trockenheitsrisiko in den verschiedenen Regionen der Schweiz, sodass bei Bedarf entsprechende Anpassungsmassnahmen im Grünlandmanagement ergriffen werden können.

Laut Hansueli Lusti von der Schweizerischen Hagel-Versicherungs-Gesellschaft, die als Projektträgerin für die Umsetzung des Pilotprojekts verantwortlich war, stösst die neue Versicherungslösung auf positive Resonanz. «Wir haben die Versicherung eben erst im Rahmen unseres Produkts 'Gras-Pauschal-Versicherung KLIMA' lanciert und können die effektive Nachfrage noch nicht einschätzen. Fest steht, dass Interesse vorhanden ist. Bei der Entwicklung der neuen Versicherung haben wir zudem Abklärungen bei Landwirten gemacht. Diese zeigten, dass die Betroffenen die indexbasierte Berechnung des Schadenanspruchs als geeignet und positiv beurteilen.»

Weitere indexbasierte Versicherungslösungen sind gemäss Lusti denkbar. Für die Entwicklung eines Index für trockenheitsbedingte Ertragseinbussen im Ackerbau würden zurzeit aber beispielsweise noch die benötigten detaillierten Informationen zur Bodenbeschaffenheit in der Schweiz fehlen.

© Schweizer Hagel

2. Abgeschlossen: Pilotprojekt «Optimale Nutzung der Wasserressourcen durch die Landwirtschaft»

Infolge des Klimawandels werden vermehrt Engpässe im Wasserdargebot erwartet. Damit das verfügbare Wasser in landwirtschaftlich geprägten Regionen optimal eingesetzt werden kann, sind vertiefte Kenntnisse über die Wasserreserven und den Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft notwendig. Für die Pilotregion Broye/Seeland wurde nun mit Unterstützung des Bundesamts für Landwirtschaft BLW im Rahmen eines Pilotprojekts ein entsprechendes Simulationsmodell entwickelt. Es ermöglicht tägliche Echtzeit-Analysen und 10-Tages-Prognosen zu den verfügbaren Wasserressourcen und zum Bewässerungsbedarf und zeigt Gebiete mit einem Wasserdefizit auf. Über die Internetplattform isb.swissrivers.ch werden die Informationen publiziert. Mithilfe der dort verfügbaren Daten lässt sich auch der Wasserhaushalt in der Region retrospektiv analysieren und es können Zukunftsszenarien zur Wasserverfügbarkeit entwickelt werden.

Projektleiter Peter Thomet, Präsident von Pro Agricultura Seeland, erklärt: «Das Tool bildet eine wichtige Grundlage für die Planung von Wasserversorgungsinfrastrukturen und für Anpassungen in der Bewirtschaftung im Drei-Seen-Land.» Das Pilotprojekt hat gemäss Thomet auch die Zusammenarbeit der zuständigen Ämter der Kantone Waadt, Bern und Freiburg im Hinblick auf ein regionales Wassermanagement angeregt. «Ohne das Pilotprojekt wäre das Projekt 'Integrales Wassermanagement im Einzugsgebiet Seeland/Broye', das im Rahmen der Modellvorhaben für nachhaltige Raumentwicklung umgesetzt wird, wohl nicht zustande gekommen.» Der Weiterbetrieb der Internetplattform ist dank Finanzierung der drei Kantone gesichert.

Das Tool, das sich auch für die Wasserressourcenplanung in weiteren Regionen anbietet, liefert vorerst Informationen auf Gemeindeebene. Damit die Landwirte ihre Kulturen gezielt bewässern können, benötigen sie jedoch detailliertere Informationen. Es ist deshalb geplant, das Simulationsmodell im Rahmen eines Folgeprojekts weiter zu verfeinern, sodass schliesslich parzellenscharfe Informationen zur Verfügung stehen. Die Grundlagen dafür sollen unter anderem detaillierte Bodenkartierungen und automatisierte Sondenmessungen im Feld liefern.

© e-dric

3. Bachelorarbeit zu den Wissensbedürfnissen der Pilotprojekte

Im Rahmen einer Bachelorarbeit an der ETH Zürich wurde untersucht, inwiefern das von der Forschung generierte Wissen zum Klimawandel den Bedürfnissen der Praxis entspricht und welche Hindernisse den Wissenstransfer erschweren. Grundlage für die Analyse lieferten Interviews mit zehn Verantwortlichen von Projekten des Pilotprogramms Anpassung an den Klimawandel.

Die Befragung zeigt: Grundsätzlich ist das benötigte Wissen vorhanden. Die Wissensaneignung wird allerdings dadurch erschwert, dass die grosse Fülle an Wissensbeständen auf unterschiedliche Institutionen verteilt ist und dass wissenschaftliche Berichte oft komplex formuliert und nur in Englisch verfügbar sind. Viele Forschungsarbeiten bieten laut den Projektverantwortlichen zudem kaum Hilfestellung für zeitnahe Anpassungsmassnahmen auf lokaler und regionaler Ebene. Gemäss den Autoren könnte der Praxisnutzen der Forschungsarbeiten deshalb erhöht werden, wenn sich diese frühzeitig an den Bedürfnissen und Erwartungen der Praxisakteure orientieren.

4. Pilotprogramm in der Zeitschrift «Montagna»

Das Thema «Anpassung an den Klimawandel» stand im Fokus der März-Ausgabe 2016 von «Montagna», der Zeitschrift der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB). Neben dem Pilotprogramm «Anpassung an den Klimawandel» und verschiedenen Pilotprojekten werden weitere Ansätze und Massnahmen vorgestellt, mit denen die klimabedingten Herausforderungen bewältigt und entstehende Chancen genutzt werden können.

5. Kantonale Fallstudien zu klimabedingten Risiken und Chancen in der Schweiz

Welche Risiken und Chancen ergeben sich als Folge des Klimawandels für verschiedene Regionen der Schweiz? Acht kantonale Fallstudien im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU liefern Antworten dazu. Sie bilden eine wichtige Grundlage, um zielgerichtete und effektive Anpassungsmassnahmen zu formulieren, und liefern dem Bund Anhaltspunkte für die Überprüfung und Weiterentwicklung seiner Anpassungsstrategie. Die bereits abgeschlossenen Fallstudienberichte für die Kantone Aargau, Uri, Genf, Basel-Stadt, Graubünden und Fribourg sind auf der Website des BAFU publiziert, Tessin und Jura werden im Sommer 2016 folgen. Im kommenden Jahr werden die Fallstudien in einer schweizweiten Synthese zusammengeführt.

6. Anpassung im Tourismus: Identifikation von Wissenslücken und Defiziten bei der Wissensdiffusion

Eine im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO durchgeführte Befragung hat erhoben, welches Wissen die Tourismusbranche für die Anpassung an den Klimawandel benötigt, wo Wissenslücken bestehen und wie das Wissen aufbereitet und vermittelt werden sollte. Die Ergebnisse wurden im Bericht «Anpassung an den Klimawandel im Tourismus: Identifikation von Wissenslücken und Defiziten bei der Wissensdiffusion» publiziert.

7. Internationale Tagung «Anpassung an den Klimawandel in der Praxis», 7.-8. Juni 2016

Wie können Anpassungsstrategien an den Klimawandel erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden? Dieser Frage widmet sich die vom Bundesamt für Umwelt BAFU und ProClim veranstaltete Tagung «Anpassung an den Klimawandel in der Praxis» vom 7. und 8. Juni 2016 in Bern. Die Tagung dient insbesondere dem Erfahrungsaustausch zu konkreten Projekten und Massnahmen aus unterschiedlichen Bereichen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Praxisbeispielen aus der Schweiz und den Nachbarländern. Präsentiert und diskutiert werden unter anderem Projekte aus dem Pilotprogramm «Anpassung an den Klimawandel». Angesprochen sind all jene, die sich mit der Anpassung an den Klimawandel auf der Ebene von Kantonen, Gemeinden und Städten beschäftigen oder an den Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Umsetzung tätig sind.

Die Tagung ist bereits ausgebucht. Interessierte könnten sich auf eine Warteliste setzen lassen.

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Letzte Änderung 26.04.2016

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