6. Newsletter, Pilotprogramm Anpassung an den Klimawandel, 15. September 2016

1. Abgeschlossen: Pilotprojekt «Lösungsansätze zur Sicherung von Flächen für Hochwasserkorridore»

© Schweizer Luftwaffe

Als Folge des Klimawandels wird eine Zunahme extremer Hochwasserereignisse erwartet. Die Bauten zum Schutz vor Hochwasser sind jedoch nicht auf ausserordentliche Abflussspitzen ausgerichtet. Damit die Wassermassen im Ereignisfall dennoch möglichst kontrolliert und schadarm abfliessen können, sind zusätzliche Flächen notwendig, die als sogenannte Hochwasserkorridore dienen können. Die Nutzung und Bewirtschaftung entsprechender Flächen ist jedoch eingeschränkt. In der Praxis stellt sich deshalb die Frage, wie sich diese Flächen möglichst konfliktfrei und langfristig sichern lassen.

Antworten darauf geben die Ergebnisse des Pilotprojekts «Lösungsansätze zur Sicherung von Flächen für Hochwasserkorridore». Mit Unterstützung und in engem Austausch mit den Kantonen Nidwalden und Thurgau sowie dem Bundesamt für Umwelt BAFU hat das Projektteam bisherige Erfahrungen bei der Umsetzung von Hochwasserkorridoren analysiert und in Form eines Leitfadens aufbereitet. Dieser zeigt auf, welche Instrumente im Bereich Raumplanung und im Bereich Wasserbau auf kantonaler und kommunaler Ebene bei der Flächensicherung von Hochwasserkorridoren eingesetzt werden können und gibt Empfehlungen zum Vorgehen.

Projektleiter Christian Willi von der Ernst Basler und Partner AG betont: «Die konkrete Umsetzung beim Ausscheiden von Hochwasserkorridoren muss situations- und flächenbezogen erfolgen. Der Leitfaden bietet Verantwortlichen und Fachleuten in den Bereichen Raumplanung und Wasserbau jedoch eine Orientierungshilfe, wie sie bei der Flächensicherung vorgehen können.» Für Lösungen, die von den Grundeigentümern und Nutzern akzeptiert und mitgetragen werden, ist es gemäss Willi zentral, die Betroffenen möglichst frühzeitig in den Prozess einzubeziehen. Die untersuchten Praxisbeispiele zeigten zudem, dass es sinnvoll ist, die erforderlichen Flächen bereits im Rahmen der kantonalen und kommunalen Hochwasserschutzplanung auszuscheiden. «Werden Hochwasserkorridore bereits auf übergeordneter Ebene - auf Stufe Richtplan - verankert, erleichtert dies die Umsetzung von konkreten Massnahmen vor Ort.»

2. Abgeschlossen: Pilotprojekt «Klimaadaptionsstrategie Grimselgebiet»

© Oberingenieurkreis I (Tiefbauamt des Kantons Bern)

Auftauender Permafrost und schmelzende Gletscher haben in den vergangenen Jahren in verschiedenen Teilen des Grimselgebiets Naturgefahrenprozesse wie Murgänge und Felsstürze ausgelöst. Vorübergehende Strassensperrungen und die Evakuation von Bewohnerinnen und Bewohnern wurden notwendig. Es ist zu erwarten, dass sich als Folge des Klimawandels die Naturgefahrensituation weiter akzentuiert. Im Rahmen des Projekts «Klimaadaptionsstrategie Grimselgebiet» wurde deshalb analysiert, wie sich die möglichen klimabedingten Veränderungen auf die Gefährdung von Erschliessung, Siedlung und Infrastruktur im Gebiet auswirken könnten. Zusammen mit den Betroffenen in den Gemeinden Guttannen und Innertkirchen wurde eine Anpassungsstrategie entwickelt.

Co-Projektleiter Stefan Schweizer, Geschäftsführer der Regionalkonferenz Oberland Ost, betont: «Uns war es wichtig, die Betroffenen von Beginn weg einzubeziehen. Wir haben deshalb eine breit abgestützte Arbeitsgruppe mit Schlüsselakteuren aus den Bereichen Politik, Verkehr, Siedlung, Wasserbau, Naturgefahren, Wirtschaft, Tourismus und Regionalentwicklung gebildet, die den Handlungsbedarf im Gebiet diskutiert und auf dieser Grundlage eine Anpassungsstrategie erarbeitet hat. Durch dieses Vorgehen haben wir die Betroffenen zu Beteiligten gemacht. Damit konnten wir auch erreichen, dass die in der Strategie festgelegten Massnahmen den Bedürfnissen entsprechen und von den Akteuren vor Ort akzeptiert und mitgetragen werden.»

Schweizer erwähnt aber auch, dass dieser Ansatz eine gewisse Offenheit in Bezug auf das Ergebnis erforderte: «Beim Projektstart gingen wir davon aus, dass der Umgang mit Naturgefahren im Zentrum der Anpassungsstrategie stehen würde. Es hat sich aber schnell gezeigt, dass es sinnvoll ist, die Anpassung an den Klimawandel im Gesamtkontext der regionalen Entwicklung zu betrachten und neben den klimabedingten Veränderungen auch weitere Trends und Einflussfaktoren zu berücksichtigen.» Bei der nun vorliegenden Strategie handle es sich deshalb weniger um eine reine Klimaanpassungsstrategie sondern vielmehr um eine nachhaltige Regionalentwicklungsstrategie, die auch Handlungsfelder wie das Regionalmarketing und Massnahmen wie die Umnutzung leerstehender Gebäude zu Wohnzwecken umfasst.

Verschiedene Vorkehrungen sollen sicherstellen, dass die Strategie den Weg in die Umsetzung findet. So haben die beteiligten Entscheidungsträger eine Absichtserklärung unterschrieben, worin sie bestätigen, die im Strategiepapier festgelegten Ziele und Handlungsfelder in ihren Tätigkeiten und Planungen zu berücksichtigen und die formulierten Massnahmen weiterzuverfolgen. Für jede Massnahme wurde zudem festgelegt, welche Institution für die Umsetzung verantwortlich ist. Eine Steuerungsgruppe soll gewährleisten, dass die Umsetzung und Weiterentwicklung der Strategie vorangetrieben wird. Die Geschäftsstelle der Regionalkonferenz Oberland Ost, die im Gebiet unter anderem für die Unterstützung regionaler Entwicklungsprozesse zuständig ist, wird diesen Prozess auch künftig begleiten.

Klimaadaptionsstrategie Grimselgebiet (PDF, 1 MB, 02.02.2016)Schlussbericht Tiefbauamt Kanton Bern / Oberingenieurkreis I und Regionalkonferenz Oberland-Ost

Klimaadaptionsstrategie Grimselgebiet (PDF, 445 kB, 10.02.2016)Methoden- und Erfahrungsbericht Tiefbauamt Kanton Bern / Oberingenieurkreis I und Regionalkonferenz Oberland-Ost

3. Dokumentation zur Tagung «Anpassung an den Klimawandel in der Praxis»

© Sarah Arnold, ProClim

Das Thema interessiert: Rund 200 Personen aus der Schweiz und den Nachbarländern haben vom 7. bis 8. Juni 2016 in Bern an der internationalen Tagung «Anpassung an den Klimawandel in der Praxis» teilgenommen. Während zwei Tagen informierten sich die Teilnehmenden über bestehende Anpassungsstrategien auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene und erhielten Einblick in Methoden, konkrete Projekte und Massnahmen, mit denen die Anpassungsfähigkeit der Regionen, Städte und Gemeinden an die zu erwartenden klimabedingten Veränderungen erhöht werden soll.

Aktiv an der Tagung vertreten waren auch Verantwortliche von 16 Projekten des Pilotprogramms «Anpassung an den Klimawandel». Sie brachten ihre Projekte und Erfahrungen in die verschiedenen Parallelsessions ein, in denen spezifische Bereiche wie «Trockenheit und Wasserressourcenmanagement», aber auch übergeordnete Themen wie «Partizipation und Kooperation» beleuchtet und diskutiert wurden, oder präsentierten diese im Rahmen eines «Marktplatzes». Zum Abschluss bot die Tagung den Teilnehmenden die Gelegenheit, von den Verantwortlichen des Pilotprojekts «Urban Green & Climate Bern» auf einem Stadtspaziergang mehr über die Rolle und Bewirtschaftung von Bäumen in einer klimaangepassten Stadtentwicklung zu erfahren.

Die Tagung hat gezeigt: In der Schweiz und den Nachbarländern werden vielfältige Strategien und konkrete Ansätze zur Anpassung an den Klimawandel erprobt und umgesetzt. Betont wurde dabei die Bedeutung von Zusammenarbeit und Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Praxis, aber auch die wichtige Rolle von Sensibilisierung und frühzeitigem Einbezug der Betroffenen vor Ort als Basis für eine erfolgreiche Umsetzung der Vorhaben.

Das Tagungsdossier mit sämtlichen Präsentationen und den Schlüsselergebnissen der Parallelsessions ist auf der ProClim-Website verfügbar.

4. Koordinationskonferenz «Anpassung an den Klimawandel BAFU - Kantone»

Das CO2-Gesetz beauftragt den Bund, Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu koordinieren und die dafür notwendigen Grundlagen bereitzustellen. Das Bundesamt für Umwelt BAFU nimmt den Koordinationsauftrag mit der jährlich stattfindenden «Koordinationskonferenz Anpassung an den Klimawandel BAFU - Kantone» wahr. Dieses Jahr fand die Konferenz am 28. Juni in Bern statt.

Der Austausch zwischen Bund und Kantonen fokussierte am Vormittag auf die Synthese zur Analyse der klimabedingten Risiken und Chancen in der Schweiz, die Evaluation der Anpassungsstrategie des Bundes, das neu gegründete National Center for Climate Services NCCS und die Hitzesterblichkeit im Sommer 2015. Der Nachmittag war den Aktivitäten in den Kantonen gewidmet. Präsentiert wurden unter anderem die Anpassungsstrategien der Kantone Graubünden und Waadt. Beide haben die Anpassungsstrategie des Bundesrates unter Berücksichtigung der kantonsspezifischen Risiken und Chancen auf die kantonale Ebene heruntergebrochen.

5. Anpassung in der Wasserwirtschaft: neue Praxisgrundlagen

Landnutzungsänderungen, schmelzende Gletscher, die steigende Schneefallgrenze und sommerliche Trockenheit stellen die Schweizer Wasserwirtschaft vor neue Herausforderungen. Wie der Sommer und Herbst 2015 gezeigt haben, können auch hierzulande - im Wasserschloss Europas - lokal Wasserknappheitssituationen auftreten. Während Hitzeperioden kann der Bedarf an Trink- und Brauchwasser und für die Bewässerung in der Landwirtschaft stark ansteigen. Aus ökologischen Gründen müssen während Trockenzeiten jedoch gleichzeitig in vielen Flüssen die Wasserentnahmen eingeschränkt werden.

Neue Praxisgrundlagen zum Wasserressourcenmanagement, die auf der BAFU-Website zur Verfügung stehen, helfen im Umgang mit diesem Spannungsfeld: Zum einen ist dies ein Bericht, der im Sinne eines Werkzeugkastens Unterstützung bei der kurzfristigen Bewältigung von Wasserknappheit bietet. Zum anderen wird eine Methode vorgestellt, die es erlaubt, auf pragmatische Art und Weise Regionen mit Handlungsbedarf bei Trockenheit zu identifizieren. Eine regionale Planung soll in diesen Regionen gewährleisten, dass die Schutz- und Nutzungsbedürfnisse auch langfristig befriedigt werden können.

Die Publikationen richten sich an kantonale Fachstellen, regionale Akteure der Schweizer Wasserwirtschaft, Gemeinden, Wasserversorger sowie Ingenieur- und Fachbüros.

6. Verhaltensempfehlungen für Hitzetage

Hohe Temperaturen können Auswirkungen auf die Gesundheit haben und die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Zur Risikogruppe zählen vor allem ältere und (chronisch) kranke Personen, Kleinkinder und Schwangere. Auch Personen, die während Hitzetagen im Freien arbeiten, sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt BAFU neue Flyer und Plakate mit den wichtigsten Verhaltensempfehlungen und Informationen zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitzewellen publiziert.

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Letzte Änderung 15.09.2016

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