7. Newsletter, Pilotprogramm Anpassung an den Klimawandel, 3. März 2017


1. «AquaFutura»: Handlungsempfehlungen für ein regionales Wassermanagement

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© Dieter Müller, Parc Ela

Die inneralpinen Trockentäler Albulatal und Surses sind schon heute im Sommer niederschlagsarm. Als Folge des Klimawandels sind vermehrt Situationen mit zeitlich und lokal begrenzter Wasserknappheit zu erwarten. Im Hinblick darauf wurde unter Federführung des Regionalen Naturparks Parc Ela das Pilotprojekt «AquaFutura» lanciert. Ziel war es, gemeinsam mit den Betroffenen – den Gemeinden, der Region Albula, Akteuren aus Landwirtschaft, Tourismus und Wasserkraftnutzung – sowie den Zuständigen der kantonalen Ämter einen Massnahmenplan für ein regionales Wassermanagement zu erarbeiten. Als Grundlage sollte die Analyse des heutigen und künftigen Wasserdargebots und des Wasserverbrauchs in der Region dienen.

Dieter Müller, Geschäftsleiter des Vereins Parc Ela und Leiter des Projekts, erläutert: «Uns war klar, dass wir auf Datenlücken stossen werden. Wir hatten jedoch gehofft, diese schliessen zu können. Doch weder beim Trinkwasserverbrauch noch bei den Wasserbezügen aus Oberflächengewässern konnten wir detailliert ermitteln, wo wann wie viel Wasser von wem bezogen wird.» Somit fehlten die Grundlagen, um künftige Knappheitssituationen und Nutzungskonflikte konkret abschätzen zu können und darauf aufbauend Vorsorge- und Notfallmassnahmen zu erarbeiten. Müller zieht dennoch eine positive Bilanz: «Wir konnten aufzeigen, wo bei den Verantwortlichen in den Gemeinden und beim Kanton, aber auch bei den Landwirten Wissenslücken bestehen, und wie man ansetzen kann, um diese zu schliessen. In unserem Schlussbericht schlagen wir ein breites Massnahmenbündel vor, insbesondere in den Bereichen Koordination, Planung sowie Aus- und Weiterbildung.»

Als zentrale Massnahme empfiehlt das Projektteam, die für die Gemeindeebene bereits bekannte Generelle Wasserversorgungsplanung (GWP) zu einer «GWP Plus» weiterzuentwickeln. Diese soll das Wasserdargebot und den Wasserbedarf eines ganzen (Teil-) Einzugsgebiets berücksichtigen und neben der Trinkwasserversorgung auch Dargebot und Bezüge in Oberflächengewässern und im Grundwasser einbeziehen. Auf diese Weise könnte eine GWP Plus die Grundlagen für die langfristige Planung, Finanzierung und Sicherung der Wasserversorgung liefern.

Positiv wertet Müller auch, dass «AquaFutura» für das Thema Wasserknappheit sensibilisiert und den Wissens- und Erfahrungsaustausch unter den verschiedenen Wassernutzern und den Verantwortlichen bei den Gemeinden sowie den zuständigen Ämtern beim Kanton gefördert hat. Dazu beigetragen hätten auch die Tagung zum Thema «Wasserversorgungsplanung» im Jahr 2014, die das Management des Parc Ela für Bündner Gemeinden organisierte, und der Bewässerungskurs für Landwirte im Herbst 2015, der in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum durchgeführt wurde. 

Im Bereich der Wissensvermittlung rund um die landwirtschaftliche Bewässerung orten die Projektverantwortlichen denn auch weiteren Handlungsbedarf. Neben praxisnahen Weiterbildungskursen für Landwirte empfehlen sie, das Thema Bewässerung stärker in die Ausbildung der Landwirte und der landwirtschaftlichen Berater einzubeziehen. 


2. Leitfaden und Merkblatt für ein klimaangepasstes Biodiversitätsmanagement

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© Kanton Aargau, Departement Bau, Verkehr und Umwelt, Abteilung Landschaft und Gewässer

Durch den Klimawandel werden sich die Standortbedingungen heutiger Lebensräume im Kanton Aargau verändern und es wird in der Folge auch zu Veränderungen bei den Tier- und Pflanzenarten kommen. Im Rahmen des Pilotprojekts «Anpassung an den Klimawandel im Bereich Biodiversität im Kanton Aargau» hat das Projektteam in drei Fallstudiengebieten untersucht, wie klimasensitive Lebensräume und Arten bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützt werden können. Grundlage dafür bildeten unter anderem Interviews mit lokalen Expertinnen und Experten.

Basierend auf den Erkenntnissen wurden ein Leitfaden und ein Merkblatt erarbeitet, die dabei helfen, den Klimawandel beim Biodiversitätsmanagement verstärkt zu berücksichtigen. Der Leitfaden «Klimawandel-Check» ermöglicht es Fachpersonen auf kantonaler und regionaler Ebene, die Ziele und Massnahmen des Biodiversitätsmanagements für ein bestimmtes Gebiet in vier Schritten zu überprüfen und sofern erforderlich anzupassen. Das Merkblatt «Natur im Siedlungsraum» zeigt Gemeinden zudem Handlungsmöglichkeiten auf, wie dem Klimawandel beim Management von Grün- und Freiräumen im Siedlungsraum begegnet werden kann.

Projektleiter Norbert Kräuchi, Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau, erläutert: «Sowohl der Leitfaden wie auch das Merkblatt sensibilisieren dafür, sich mit den möglichen Auswirkungen des Klimawandels auseinanderzusetzen. Sie eröffnen neue Sichtweisen und tragen dazu bei, vorhandenes Forschungs- und Erfahrungswissen in konkrete Anpassungsstrategien und -massnahmen zu überführen.» Gemäss Kräuchi hat sich im Verlauf des Pilotprojekts auch bestätigt, dass fach- und sektorübergreifendes Denken und Handeln bei der Anpassung an den Klimawandel wichtig ist und die Anpassung an den Klimawandel nicht isoliert betrachtet werden sollte. So sieht das im Leitfaden skizzierte Vorgehen beispielsweise vor, dass neben dem Klimawandel auch weitere relevante Einflussfaktoren wie Nähr- und Schadstoffeinträge oder Nutzungsdruck bei der Überprüfung und Anpassung des Biodiversitätsmanagements berücksichtigt werden.

Um die Handhabbarkeit des Leitfadens und des Merkblatts sicherzustellen, werden diese im Anschluss an das Pilotprojekt in weiteren Gebieten und Gemeinden getestet und bei Bedarf optimiert. Ziel ist es, den Gemeinden und den Verantwortlichen von Schutzgebieten Ende 2017 die definitiven Versionen zur Verfügung zu stellen. Im Weiteren sind Veranstaltungen geplant, bei denen gute Beispiele aus der Anpassungspraxis direkt vor Ort vermittelt werden.


3. «Urban Green & Climate Bern»: den Baumbestand in Städten für den Klimawandel rüsten

Bäume im urbanen Raum erfüllen wichtige Ökosystemleistungen. Sie verbessern das Mikroklima und die Luftqualität, speichern Kohlenstoff oder erhöhen die Infiltration von Oberflächenwasser. Stadtbäume beeinflussen auf diese Weise direkt oder indirekt das Klima einer ganzen Stadt. Streusalz, Bodenversiegelung und weitere urbane Stressfaktoren setzen den städtischen Baumbeständen schon heute zu. Im Zuge des Klimawandels werden die Bäume weiter unter Druck geraten.

Das Pilotprojekt «Urban Green & Climate Bern» untersuchte am Beispiel der Stadt Bern, wie sich die Baumvegetation auf das Stadtklima auswirkt und wie verschiedene Baumarten mit dem Klimawandel zurechtkommen werden. Darauf aufbauend haben die Projektverantwortlichen von der Berner Fachhochschule HAFL Grundlagen und Handlungsempfehlungen für eine angepasste Bewirtschaftung der städtischen Baumbestände entwickelt. Diese richten sich insbesondere an Stadt- und Grünplaner und sind im Schlussbericht und in Form von Faktenblättern aufbereitet worden. Von April bis September 2017 werden die Erkenntnisse auf Stadtrundgängen in Bern einem breiteren Publikum vermittelt.


4. Broschüre für die Anpassungspraxis im Wallis

Wie wirkt sich der Klimawandel im Wallis auf die Wasserwirtschaft und die Gefährdung durch Naturereignisse aus? Zahlreiche Forschungsarbeiten haben sich mit den möglichen Folgen beschäftigt und Handlungs- und Anpassungsmöglichkeiten ermittelt. Das vorhandene Wissen für die Anwendung in der Praxis verfügbar zu machen, war das Ziel eines Pilotprojekts unter Leitung der Dienststelle für Wald und Landschaft des Kantons Wallis.

Entstanden ist eine Broschüre, die in kompakter Form über die möglichen Auswirkungen des Klimawandels in den Bereichen Wasserbewirtschaftung und Naturgefahren informiert und Empfehlungen für Anpassungsmassnahmen vermittelt. Letztere sind vielfältig: von der risikobasierten Dimensionierung von Gefahrenzonen über gemeindeübergreifende Lösungen bei der Wasserversorgung bis hin zur Förderung von trockenheitsresistenten Baumarten. Die Broschüre, die auch vier konkrete Anpassungsbeispiele aus Walliser Gemeinden und Regionen vorstellt, soll den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft sowie der Bevölkerung als Denkanstoss dienen. Sie wurde an die Walliser Gemeinden und Schulen verschickt und ist zusammen mit einem ausführlichen Synthesepapier auf der Website des Kantons verfügbar.


5. «Klima-Toolbox Surselva»: Werkzeugkoffer zur Anpassung an den Klimawandel

Die «Klima-Toolbox» unterstützt Regionen dabei, gemeinsam mit den regionalen Akteuren und Entscheidungsträgern das «regionale Geschäftsmodell» zu analysieren und Risiken und Chancen des Klimawandels für dieses Geschäftsmodell zu identifizieren. Darauf basierend werden Leitlinien für die künftige Entwicklung sowie konkrete Anpassungsmassnahmen diskutiert und priorisiert. Die Klima-Toolbox, entwickelt unter der Leitung der seecon gmbh, enthält alle notwendigen Informationen und Materialien, um in einem eineinhalbtägigen Workshop regionsspezifische Anpassungsmassnahmen zu entwickeln. Sie wurde in der bündnerischen Surselva bereits erfolgreich eingesetzt und soll nun in anderen Regionen zum Einsatz kommen.


6. Ankündigung: Abschlussveranstaltung Pilotprogramm 17. Oktober 2017, Bern

Pilotprogramm

Was hat das Pilotprogramm Anpassung an den Klimawandel erreicht? Welche Ansätze und Massnahmen können zur Anpassung an den Klimawandel beitragen? An der öffentlichen Abschlussveranstaltung vom 17. Oktober 2017 in Bern ziehen die Zuständigen der beteiligten Bundesämter Bilanz und diskutieren mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kantonen, Regionen und Gemeinden, wie die Anpassung an den Klimawandel gelingen kann. Eine Tischmesse, an der die Verantwortlichen der 31 Pilotprojekte ihre Vorhaben und deren Ergebnisse präsentieren, zeigt vielfältige Strategien und Ansätze auf, wie Klimarisiken vor Ort reduziert und Chancen genutzt werden können.

Detaillierte Informationen zur Veranstaltung werden im Frühsommer 2017 publiziert.


7. Klimawandel in der Schweiz im Überblick

Brennpunkt Klima Schweiz

Der Bericht «Brennpunkt Klima Schweiz. Grundlagen, Folgen und Perspektiven» fasst den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel in der Schweiz zusammen. Er zeigt auf, wie sich der Klimawandel in der Schweiz auswirken wird und welche Herausforderungen und Anpassungsstrategien in verschiedenen Handlungsfeldern bestehen. Zudem stellt er Ansätze zur Minderung der Treibhausgasemissionen vor.

Erarbeitet haben den Bericht über 70 Expertinnen und Experten aus dem Klimabereich unter der Leitung von ProClim, dem Forum für Klima und globale Umweltveränderungen der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz SCNAT. Mit Unterstützung des Beratenden Organs für Fragen der Klimaänderung OcCC und des Bundesamts für Umwelt BAFU haben diese die für die Schweiz relevanten Ergebnisse des fünften IPCC-Sachstandsberichts zusammengetragen und mit Forschungsergebnissen für die Schweiz ergänzt.

Brennpunkt Klima Schweiz

8. Die neue Website des BAFU ist online

Am 24. Januar 2017 ist die neue Website des Bundesamts für Umwelt BAFU online gegangen. Neu sind das Layout mit grösseren Schriften und mehr Bildern sowie das „responsive Design“, das sich den verschiedenen Geräten (Desktop, Tablet, Smartphone) anpasst.

Durch den Neuauftritt haben die Internetadressen der meisten Seiten geändert. Wir bitten Sie deshalb, auf der Website Ihrer Behörde, Ihrer Organisation oder Ihres Unternehmens die Links auf die BAFU-Website anzupassen. Wenn Sie für einzelne Seiten, die Sie häufig brauchen, Favoriten oder Bookmarks gespeichert haben, müssen Sie diese ebenfalls anpassen.

Um eine bestimmte gewünschte Seite zu finden, stehen Ihnen auf der neuen BAFU-Website eine Suche, ein Themenindex und eine Sitemap (Inhaltsverzeichnis) zur Verfügung. 

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Letzte Änderung 21.06.2017

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