9. Newsletter, Pilotprogramm Anpassung an den Klimawandel, 14. September 2017

1. Anpassung an den Klimawandel x31: Abschlussveranstaltung des Pilotprogramms am 17. Oktober 2017 in Bern

Mit der öffentlichen Abschlusstagung am 17. Oktober 2017 im Eventforum Bern geht die erste Phase des Pilotprogramms «Anpassung an den Klimawandel» zu Ende. Die Verantwortlichen ziehen Bilanz, berichten über die Erkenntnisse und präsentieren die Schlusspublikation zum Pilotprogramm. Vertreter von Bund, Kantonen, Regionen, Städten und der Wissenschaft diskutieren die nächsten Schritte zur Anpassung an den Klimawandel. Die 31 Pilotprojekte stellen ihre Ergebnisse und Produkte im Rahmen einer Tisch-Messe vor.

An der Tagung gibt es auch erste Informationen zum neuen Projektaufruf, der voraussichtlich Anfang 2018 starten wird.

Anmeldungen für die Abschlussveranstaltung sind noch bis am 22. September 2017 möglich.

Für die Abschlusstagung wird ein Video produziert, das die Ergebnisse des Pilotprogramms kurz zusammenfasst. Der Teaser ist bereits verfügbar.


2. Umgang mit Wasserknappheit im Kanton Thurgau und in der Region Vierwaldstättersee

«Gibt es im Kanton Thurgau auch in 50 Jahren noch genügend Wasser für die Erdbeerenproduktion?», fragt sich Marco Baumann, Projektleiter beim Amt für Umwelt beim Kanton Thurgau. Denn eines steht fest: Bei der landwirtschaftlichen Nutzung, der Bewässerung und der Konzessionierung der Wasserressourcen besteht Anpassungsbedarf. Für Baumann stellt sich im Zusammenhang mit der zunehmenden Wasserknappheit somit die Frage, ob das Wasser für die Produktion von Obst und Gemüse zum Standort geliefert werden soll oder ob die Produktionsstandorte dorthin verlegt werden, wo es ausreichend Wasser hat.

Zur Klärung wurde ein Modell erarbeitet, das den aktuellen und künftigen regionalen Wasserbedarf der verschiedenen Kulturen analysiert. Baumann umschreibt den Nutzen des Projekts folgendermassen: «Wir kennen die sensiblen Gebiete in Bezug auf Wasserbedarf und Wasserdargebot und können mit den Landwirten und mit den Raumplanern die notwendigen Anpassungsstrategien entwickeln und umsetzen.» Beispielsweise sollen Konzessionen nur noch an Bewässerungsorganisationen erteilt werden, die die Wasserverteilung untereinander regeln. Ausserdem sollen effizientere Bewässerungstechnologien und Verteilnetze zum Einsatz kommen. Schliesslich ist zu prüfen, ob in den sensiblen Gebieten trockenheitsresistentere Kulturen angebaut werden können. Das Modell lässt sich mit verhältnismässig geringem Aufwand auf beliebige Regionen im Schweizer Mittelland übertragen.

Das Einzugsgebiet des Vierwaldstättersees gilt als niederschlagsreiche Region. Dennoch stellte sich auch hier die Frage, ob es infolge der abschmelzenden Gletscher und der steigenden Schneefallgrenze zu Wasserknappheitsproblemen kommen kann. Mit ihren unterschiedlichen kantonalen Gesetzes- und Datengrundlagen stellt das gemeinsame Wassermanagement eine grosse Herausforderung dar.

Die im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt entwickelte Methode zur Erstellung von Wasserknappheitshinweiskarten konnte in einem kantonsübergreifenden Einzugsgebiet getestet werden. Es liegen nun detaillierte Analysen der einzelnen Teileinzugsgebiete in Form von zahlreichen Karten vor. Sie zeigen differenziert auf, wo lokal Handlungsbedarf besteht. Um Knappheitssituationen zu vermeiden, empfiehlt das Projekt, die Wasserversorgungen miteinander zu vernetzen und die Grundwasserressourcen zu schützen. Die Mehrheit der beteiligten Akteure beurteilte die Methode als zielführend, da sie die nötige Flexibilität für die Anwendung bei unterschiedlichsten wasserwirtschaftlichen Strukturen aufweist.


3. Vorbereitung der Futterproduktion auf den Klimawandel

Der Klimawandel und die zunehmenden Trockenperioden werden sich vermehrt negativ auf die Futterressourcen der Milchviehbetriebe auswirken. So verursachte die Dürre im Sommer 2015 auf den Graslandflächen am Waadtländer Jurafuss Ernteeinbussen von 20 bis 40 Prozent. Das Projekt zielte daher darauf ab, die Futterproduktion an das Trockenheitsrisiko anzupassen und die Unabhängigkeit der Betriebe bei der Versorgung mit Futtermitteln zu verbessern.

Eric Mosimann, Projektleiter bei Agroscope, erläutert: «Die erhobenen Daten zum Graswachstum dienten der Validierung eines Modells zur Simulation der Futterproduktion. Dank des Projekts steht den Landwirtschaftsbetrieben zudem ein Futterbilanzrechner zur Verfügung, der die Dynamik innerhalb des Jahres abbilden kann.» Aufgrund der Untersuchung unterschiedlicher Wiesentypen und des Einbezugs von Erkenntnissen aus Forschungsprojekten wird beispielsweise empfohlen, den Zeitpunkt für den Grasschnitt und den Weidegang vorzuverlegen und die Zahl der Tiere zu reduzieren. Dies ermöglicht eine gezieltere Nutzung des Graswachstums im Frühling und eine Versorgung des Viehbestands mit lokalen Futtermitteln. Es ist vorgesehen, die erarbeiteten Hilfsmittel für den breiten Einsatz weiterzuentwickeln und das Simulationsmodell mit meteorologischen Daten zu kombinieren.


4. Nationales Programm zur Überwachung der Asiatischen Tigermücke

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) stammt ursprünglich aus Südostasien und hat sich als Folge des internationalen Handels- und Reiseverkehrs weltweit ausgebreitet. Zudem begünstigt der Klimawandel ihre weitere Verbreitung in der Schweiz. Seit 2003 kommt die Tigermücke im Tessin vor. Die Resultate der systematischen Überwachung entlang der Hauptverkehrsachsen zeigen, dass die Tigermücke und eine weitere invasive Mückenart (Koreanische Stechmücke, Aedes koreicus) in den Jahren 2014 bis 2016 nicht nur im Tessin aufgetreten sind, sondern auch nördlich der Alpen und im deutschsprachigen Mittelland wiederholt eingeschleppt wurden. Bisher konnten sie sich jedoch nördlich der Alpen nicht etablieren. Im Mittelland seit Jahren zunehmend verbreitet ist jedoch die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus).

Gemäss Pie Müller, Projektleiter am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel, wird die Schweiz in Zukunft in erhöhtem Mass vom Problem gebietsfremder invasiver Steckmücken betroffen sein. Deshalb wurde im Rahmen des Pilotprojekts eine Orientierungshilfe für die Koordination der Überwachung und Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke und anderer invasiver gebietsfremder Mücken in der Schweiz erarbeitet. Verknüpft mit der weiterführenden nationalen Überwachung soll dieses Instrument die Zusammenarbeit zwischen Kantonen und Bund weiter stärken.


5. Evaluation Pilotprogramm Anpassung an den Klimawandel

Das Pilotprogramm wurde anfangs 2017 von Interface Politikstudien evaluiert. Die Evaluation kommt zum Ergebnis, dass das Pilotprogramm seine Ziele weitgehend erreicht und einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Anpassungsstrategie des Bundesrates in die Praxis geleistet hat. Es sind jedoch weitere Anstrengungen notwendig, um langfristig die Klimarisiken vor Ort zu verringern und allfällige Chancen zu nutzen. Deshalb wird das Pilotprogramm zur Weiterführung empfohlen.

Für die Folgephase zeigt der Evaluationsbericht Optimierungsmöglichkeiten auf. Dazu zählen beispielsweise eine konzeptionelle Schärfung zugunsten von Projekten, die noch stärker auf Veränderungen im Verhalten der Zielgruppen und dauerhafte Wirkungen ausgerichtet sind, den Einbezug weiterer Bundesämter und einen intensiveren Wissenstransfer.


6. BAFU-Magazin UMWELT 3/2017: Anpassung an den Klimawandel

Der Fokus der dritten diesjährigen Ausgabe des BAFU-Magazins UMWELT liegt auf der Anpassung an den Klimawandel. Anhand von zahlreichen Pilotprojekten und Fallstudien aus allen Regionen des Landes wird anschaulich aufgezeigt, welche Risiken und Chancen mit dem sich ändernden Klima auf die Schweiz zukommen und wie die Anpassung an die Veränderungen in der Praxis gelingen kann.

Am 28. August 2017 organisierte das BAFU in Bern, Liestal und Genf einen Medienanlass zum Thema Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz. Anhand von vier Projekten aus dem Pilotprogramm wurde der Umgang mit aktuellen und zukünftigen Herausforderungen wie Hitzebelastung in Städten, Wasserknappheit und Kulturpflanzenschädlinge thematisiert.

Magazin «umwelt» 3/2017 – Anpassung an den Klimawandel

Cover umwelt 3/2017

Dossier: Risiken und Chancen im Klima der Zukunft > Hitze in den Städten > Wasserknappheit > Gemeinde Guttannen: Leben mit Naturgefahren


7. KLAR! Klimawandel-Anpassungsmodellregionen in Österreich

Das neue Förderprogramm «KLAR! Klimawandel-Anpassungsmodellregionen», initiiert durch den Klima- und Energiefonds, unterstützt österreichische Regionen bei der Planung und Umsetzung von gezielten Anpassungsmassnahmen. 23 Regionen in ganz Österreich erhalten in der ersten Phase des Programms Fördermittel, um bis Ende 2017 eine Anpassungsstrategie zu entwickeln und das Bewusstsein für die Anpassung an den Klimawandel vor Ort zu stärken. Es wurde eine Serviceplattform eingerichtet, die regionale Klimainformationen bereitstellt und bei der Planung von Anpassungsmassnahmen beratend zur Verfügung steht. Eine Fachjury entscheidet, welche Regionen in der zweiten Phase (2018–2020) Unterstützung bei der Umsetzung der Massnahmen erhalten.


8. Doppelveranstaltung am 5. Dezember 2017 in Bern: NCCS Forum und Symposium Anpassung an den Klimawandel


1. NCCS Forum «NCCS – das Netzwerk für Klimadienstleistungen» (Vormittag)

Ende 2015 hat der Bund das National Centre for Climate Services (NCCS) ins Leben gerufen, das in Form eines Netzwerks agiert. Aufgabe des NCCS ist es, die Erarbeitung und Verbreitung von Klimadienstleistungen zu koordinieren. Informationen über das vergangene, aktuelle und künftige Klima und über die Folgen des Klimawandels ermöglichen es Behörden, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, klimakompatible Entscheidungen zu fällen. Die Koordination erfolgt durch die Bündelung von Aktivitäten des Bundes, die gemeinsame Entwicklung von massgeschneiderten Lösungen und den Dialog zwischen den zahlreichen Akteuren, die Klimadienstleistungen anbieten oder nutzen. Anlässlich des 1. Forums stellt das NCCS seine Funktionen und Tätigkeiten vor. Der Anlass hat zum Ziel, Anbieter und Anwender auf allen Ebenen zu vernetzen sowie Ideen und Bedürfnisse auszutauschen. Zusammen mit dem Symposium am Nachmittag wird die enge Verknüpfung zwischen Klimadienstleistungen und der Anpassung an den Klimawandel aufgezeigt.

9. Symposium «Anpassung an den Klimawandel: Klimabedingte Risiken und Chancen in der Schweiz»   (Nachmittag)

Als Grundlage für die Anpassung an den Klimawandel hat das Bundesamt für Umwelt die klimabedingten Risiken und Chancen schweizweit analysiert. Acht kantonale Fallstudien wurden unter Mitwirkung zahlreicher Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung durchgeführt. Im Synthesebericht wurden die Ergebnisse zusammengetragen und ergänzt sowie die Risiken und Chancen für die Schweiz priorisiert. Die Veröffentlichung des Syntheseberichts und die Präsentation der Resultate am 9. Symposium «Anpassung an den Klimawandel: Klimabedingte Risiken und Chancen in der Schweiz» am 5. Dezember 2017 bilden den Abschluss dieses umfassenden Projekts. An der Veranstaltung werden zudem in drei parallelen Sessions ausgewählte Themen mit Vertretern aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis vertieft.

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Letzte Änderung 13.09.2017

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