Neue Kennzeichnung bereit für die Praxis: Einheitliche Markierung schafft Klarheit

23.11.2016 - Auf Anregung der Kantone und von Pro Natura hat das BAFU ein schweizweit einheitliches System erarbeitet, um die Schutzgebiete der ökologischen Infrastruktur zu kennzeichnen. Die in Praxistests erprobte neue Markierung soll die Gebiete zur Erhaltung der Biodiversität besser sichtbar machen und dafür sorgen, dass Besuchende die Verhaltensregeln konsequenter beachten.

Text: Muriel Raemy Lindegger 

Ob Waldreservat, Jagdbanngebiet, Am- phibienlaichgebiet oder Kernzone eines Nationalparks – die Liste der verschiedenen Arten von Schutzgebieten ist ebenso vielfältig wie komplex. Ihre Markierung hat denn auch zunehmend Schwierigkeiten bereitet, weshalb sich eine Überarbeitung des bestehenden Systems aufdrängte. Die bisherigen Tafeln und Piktogramme stammten noch aus den 1980er-Jahren. Damals wurde das Logo mit Eule und Kleeblatt eingeführt. Dieses Symbol erfüllte zwar seine Aufgabe, hat aber in Verbindung mit den seither zusätzlich geschaffenen Logos an Aussagekraft verloren. In den letzten 30 Jahren haben sich zudem auch die Informationsbedürfnisse der Besucherinnen und Besucher verändert. Deshalb forderten die Konferenz der Beauftragten für Natur- und Landschaftsschutz (KBNL) sowie Pro Natura das BAFU dazu auf, gemeinsam mit Vertretern der Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz (JFK) und der Kantonsoberförsterkonferenz (KoK) neue Richtlinien für ein klares und einheitliches Markierungssystem zu erarbeiten. 

Komplexe Herausforderung

«An der Biodiversitätskonferenz im japanischen Nagoya hat sich die Schweiz 2010 dazu verpflichtet, mindestens 17 Prozent ihrer Landfläche zu schützen», erklärt Gilles Rudaz von der BAFU-Abteilung Arten, Ökosysteme, Landschaften (AÖL). «Es geht dabei um die langfristige Erhaltung der biologischen  Vielfalt. Die landesweit einheitlichen Tafeln tragen zu dieser Zielsetzung bei, indem sie Besuchende über diese wertvollen Gebiete und das gewünschte Verhalten aufklären.» Die Markierung stellt eine komplexe Herausforderung dar, denn die Tafeln müssen ein Gebiet nicht nur ausschildern oder seine Grenzen bezeichnen. In erster Linie sollen sie den Leuten bewusst machen, dass sie ein wertvolles Gebiet betreten, in dem bestimmte Regeln gelten. Oft sind für die Besucher auch weitere Informationen wie geografische Karten, historische Angaben oder Hinweise auf lohnende Aussichtspunkte nützlich. Gilles Rudaz sagt dazu: «Es liegt an den Verantwortlichen der Schutzgebiete, je nach Kontext zu entscheiden, ob sie den Schwerpunkt auf Verhaltensregeln – und damit auf Gebietsmarkierungstafeln – legen wollen oder ob sie mit Informationstafeln eher die Bedeutung eines Gebietes betonen möchten.» 

Gestaltung eines neuen Logos

Um die optimale Wirksamkeit des neuen Markierungssystems zu ermitteln, liess das BAFU verschiedene Studien durchführen. Höhepunkt dieser Projektphase war ein Praxistest im Schutzgebiet Kaltbrunner Riet (SG) von April bis Juni 2015. Sämtliche Untersuchungen haben die Akzeptanz des vorgeschlagenen Systems bestätigt und zusätzlich dazu beigetragen, seine Wirksamkeit zu verbessern. Auch ein spezielles Erkennungszeichen hat man kreiert: Das Logo «Schweizer Schutzgebiet» löst das Eule- Kleeblatt-Symbol und die Zeichen für Jagdbanngebiete sowie Wasser- und Zugvogelreservate ab. «Das neue Logo erinnert visuell an das Schweizerkreuz und unterstreicht damit den nationalen Wert der Schutzgebiete», hält Gilles Rudaz fest.   

Markierung Schutzgebiet Creux de Terre (VD)
Ende September wurde die neue Markierung im Schutzgebiet Creux de Terre (VD) den Medien präsentiert.
© Jean-Bernard Sieber

umwelt: Als Verantwortlicher für die neue Schutzgebietsmarkierung hatten Sie den Kantonen und beteiligten Partnern einen Vorschlag zu unterbreiten, der den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung trägt. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Gilles Rudaz: Um den Erwartungen gerecht zu werden, haben wir eine Begleitgruppe mit Fachleuten von interkantonalen Konferenzen und der Schutzorganisation Pro Natura gebildet. Die Beteiligten verfügen über ein grosses Expertenwissen und langjährige Erfahrung in diesem Bereich. Zuerst erfolgte eine Bestandsaufnahme mittels einer Umfrage bei den zuständigen kantonalen Ämtern sowie bei Pro Natura. Die Erarbeitung des Markierungssystems war dann Gegenstand zweier Workshops unter Teilnahme aller interessierten Akteure. Dabei stellte das BAFU die bisherige Entwicklung des Projekts vor und klärte die verschiedenen Erwartungen ab. Aufgrund der Rückmeldungen entwickelten wir mehrere Schlüsselelemente der neuen Markierung. Schliesslich verfassten wir ein entsprechendes Handbuch, das die Kantone und betroffene Organisationen zur Konsultation erhielten. Ein permanenter und umfassender Austausch ist in Projekten mit so vielen Partnern sehr wichtig. Während des gesamten Prozesses war die Stimmung immer äusserst offen und konstruktiv.

Die neuen Markierungstafeln sollten möglichst breit verstanden und akzeptiert werden. Wie sind Sie vorgegangen?

Ich habe mit zahlreichen Partnern intensiv über die Inhalte und die Gestaltung der Tafeln diskutiert. Aufgrund der vielfältigen Ansichten drohte das Projekt zu versanden. Deshalb lancierten wir mehrere Studien, um die wirksamen Elemente der Markierung zu identifizieren. Schliesslich stellte das BAFU verschiedene Varianten von Tafeln vor und führte damit in einer Pilotphase Tests durch. Wir nutzten dabei auch Marketingtechniken wie qualitative Befragungen, Wahrnehmungsanalysen und Umfragen. Entscheidende Beurteilungskriterien waren die Wirksamkeit der Aufmerksamkeitslenkung, die Verständlichkeit der einzelnen Elemente sowie deren Akzeptanz sowohl im Einzelnen als auch im Gesamtkontext. Dabei kristallisierte sich ein Konsens hinsichtlich einer Reduktion der Informationen auf das Wesentliche heraus. Deshalb haben wir uns letztlich für eine effiziente Kommunikation mittels Piktogrammen entschieden. Das BAFU hat also alles unternommen, damit das neue Markierungssystem auf der Grundlage von erprobten Elementen umgesetzt wird.

Welche Erwartungen haben die Besucher der Schutzgebiete an die Informationstafeln?

Das neue System ist primär im Hinblick auf die Nutzerinnen und Nutzer konzipiert worden. In einer repräsentativen Umfrage konnten sich 1190 Personen zu den verschiedenen Varianten äussern. Dabei ging es zum Beispiel darum, welche Form die Informationen möglichst klar, passend und vertraut vermittelt. Am interessantesten ist meiner Meinung nach das Ergebnis, wonach 96 Prozent der Befragten auf den Tafeln eine klare Angabe zu den Verhaltensregeln erwarten. Zudem erklärten sie, dass sie dank der getesteten Tafeln über die notwendigen Informationen verfügen.

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Letzte Änderung 08.06.2017

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