Neuer Nationalpark im Locarnese: Planung ist abgeschlossen

15.05.2018 - Der neue Nationalpark im Locarnese (TI) befindet sich in einer wichtigen Phase: Die Bürgerinnen und Bürger der acht Gemeinden des Parks entscheiden am 10. Juni 2018 in einer Volksabstimmung, ob sie den Nationalpark Locarnese gründen wollen. Der Kanton Tessin und das BAFU unterstützen die Aufbauphase und die Gründung des Nationalparks finanziell und beratend.

Parco Locarnese, Onsernonetal
© Renato Bagattini / Schweiz Tourismus

Parco Nazionale del Locarnese

Das Gebiet des Locarnese zeichnet sich durch eine ausgesprochene Vielfalt an Landschaften und Kulturräumen aus. Die Natur wird geprägt von den unterschiedlichsten Klimazonen, welche sich auf kurzer Distanz folgen. Zwischen den Brissago-Inseln, dem tiefsten Punkt des geplanten Nationalparks auf 193 Metern ü.M. bis zum 2864 Meter ü.M. hohen Wandfluhhorn (Pizzo Biela) oberhalb Bosco Gurin liegen nur 35 Kilometer. Eine solch reichhaltige Landschaft und Natur, gepaart mit lebendiger und traditionsreicher Kultur, findet sich in der Schweiz nicht häufig, schon gar nicht auf vergleichsweise kleinem Raum. Deshalb hat das BAFU der Region schon 2011 das Potenzial zur Schaffung eines Nationalparks attestiert, nachdem es das Gesuch des Kantons Tessin um Finanzhilfe für den Nationalpark erhalten hatte.

Nachdem der Kanton und die acht Gemeinden vor kurzem die Charta (Managementplan für zehn Jahre und Parkvertrag zwischen den Gemeinden) des Parks, die Anpassung des Richtplans und den kantonalen Nutzungsplanentwurf für die Kernzone publiziert haben, sind nun alle Voraussetzungen geschaffen, damit die lokale Bevölkerung in Kenntnis aller Fakten über den Nationalpark abstimmen kann.

Parco Locarnese, Bosco Gurin
Das sehenswerte Walserdorf Bosco Gurin ist das höchstgelegene Dorf im Kanton Tessin und Teil des Nationalparkprojekts Locarnese.
© Renato Bagattini / Schweiz Tourismus

Zusammenarbeit mit der Riserva naturale dello Stato della Valle dei Bagni di Craveggia

In der Mitte des geplanten Nationalparks liegt das Onsernone-Tal. Das Tal und das italienische Valle dei Bagni sind seit jeher eng miteinander verbunden. Die einzige Erschliessungsstrasse dieses italienischen Talkessels führt über Schweizer Staatsgebiet durch das Onsernone-Tal. Aus diesem natur- und kulturräumlichen Selbstverständnis heraus entstand bei den italienischen Gemeinden die Idee, auf ihrem Territorium mit der Riserva naturale dello Stato della Valle dei Bagni di Craveggia ebenfalls ein neues Schutzgebiet zu errichten und eine Zusammenarbeit mit dem neuen Nationalpark Locarnese einzugehen.

Das BAFU und das italienische Ministerium für Umwelt und Schutz der Landschaft und des Meeres haben eine Vereinbarung abgeschlossen über die Zusammenarbeit zwischen der Riserva naturale dello Stato und dem Nationalpark Locarnese. Diese Vereinbarung sieht keine zusätzlichen oder neuen Finanzmittel vor: Jeder Staat ist zuständig für die Finanzierung auf seinem eigenen Gebiet. Die Vereinbarung kommt nur zur Anwendung, wenn der Nationalpark Locarnese gegründet wird; also nur, wenn die Volksabstimmung positiv ausfällt und der Nationalpark später das Parklabel erhält.

Die Vereinbarung (PDF, 132 kB, 15.05.2018) (in italienisch)

ParcoLocarnese_D
© BAFU

«Die Region Locarnese hat unbestritten das Potenzial, als Nationalpark der neuen Generation Erfolg zu haben»

Porträt Marc Chardonnens
Marc Chardonnens, Direktor des BAFU

Warum unterstützt das BAFU das Nationalparkprojekt Locarnese seit 2011?

Marc Chardonnens: Dafür gibt es drei Gründe: Erstens ist das Nationalparkprojekt eine Initiative der Gemeinden, der «Patriziati» und der Bevölkerung. Sie sehen darin eine Chance, aufbauend auf ihren Traditionen das natürliche und kulturelle Erbe ihre Region weiter zu entwickeln. Zweitens steht der Kanton Tessin voll und ganz hinter der Gründung und unterstützt die Parkträgerschaft vorbildlich. Drittens hat die Region unbestritten das Potenzial, als Nationalpark der neuen Generation Erfolg zu haben. Solche Voraussetzungen sind in der Schweiz nur ganz wenige vorhanden.

Wie unterstützt das BAFU das Nationalparkprojekt?

Im Rahmen der Programmvereinbarungen Umwelt erhält der Kanton Tessin Finanzhilfen für die Errichtungsphase des Parks. Das BAFU hat über das entsprechende Gesuch 2010 positiv entschieden. Zudem hat das BAFU auf Bitte des Kantons und der Parkträgerschaft die Errichtungsphase beratend begleitet. Das BAFU hat mit dem Kanton Tessin alle relevanten bundesrechtlichen Vorgaben für die Anerkennung und den Betrieb des zukünftigen Nationalparks Locarnese besprochen. Der Kanton hat dann die massgebenden Bestimmungen in den Richtplan, in den kantonalen Nutzungsplan und in die Regelungen für die Kernzone aufgenommen. So haben  BAFU und Kanton sichergestellt, dass  die Anforderungen an den Park in den kantonalen Instrumenten gültig und konform umgesetzt werden. Ebenso hat das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) den kantonalen Richtplan bereits positiv vorgeprüft.

Welches sind die nächsten Schritte?

Damit der Park anerkannt werden kann, sind noch drei positive Entscheide notwendig: Zuerst stimmt die Bevölkerung der acht betroffenen Gemeinden über den Nationalpark ab. Ihre Zustimmung vorausgesetzt, genehmigt der Kanton anschliessend den Richtplan und reicht dem BAFU schliesslich das Gesuch zur Erteilung des Pärkelabels ein. Das BAFU entscheidet über die Erteilung des Pärkelabels an die Trägerschaft und über die Finanzhilfen für den Betrieb an den Kanton.

Intragna_Parco Locarnese
Das Dorf Intragna im Centovalli liegt im Nationalparkprojekt des Locarnese. Es ist unter anderem berühmt für seine Eisenbahnbrücke.
© Renato Bagattini / Schweiz Tourismus

Weiterführende Informationen

Dokumente

Handbuch für die Errichtung und den Betrieb von Pärken von nationaler Bedeutung

Mitteilung des BAFU als Vollzugsbehörde an Gesuchsteller. 2018

Pärke von nationaler Bedeutung: Markenhandbuch – Teil 1 und 2

Mitteilung des BAFU als Vollzugsbehörde an Gesuchsteller. Teil 1: Anleitung zur Kommunikation der Marke. Teil 2: Anleitung zur Verwendung der Marke. 2010

Pärke von nationaler Bedeutung: Produktelabel

Richtlinie zur Verleihung und Verwendung des Produktelabels. Stand: April 2013

Rahmenkonzept Bildung für Pärke und Naturzentren

Grundlagen für Bildungsverantwortliche. 2012

Kontakt
Letzte Änderung 15.05.2018

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