umwelt unterwegs: Durch wilde Auen und einen exotischen Park

Text: Hansjakob Baumgartner 

Auenlandschaft der Aubonne
© Hansjakob Baumgartner

Nach 20 Gehminuten ab Bahnhof Bière (VD) begegnen wir der Aubonne erstmals. Sie ist ein typischer Forellenbach: kühl, mit einem Bett aus grobem Kies und Geröll, zügig fliessend – und manchmal aufbrausend. Nach heftigen Regenfällen kann sich ihre Wasserführung innert Kürze verzehnfachen. Mit brachialer Gewalt gestaltet sie dann ihr Bett neu und bringt zuweilen auch die Uferhänge ins Rutschen.

Der Uferpfad verläuft durch ein tief eingeschnittenes, mit Laubwald bestocktes Tal. Plötzlich lichtet sich der Wald, allerlei exotisches Gehölz prägt nun das Landschaftsbild. Wir sind im Arboretum angekommen. 3000 Baumarten der nördlichen Hemisphäre gedeihen hier. Besucherinnen und Besucher haben die Wahl zwischen mehreren Rundwegen. Einer entführt sie in japanische Wälder, ein anderer zeigt Dutzende von Föhrenarten, von denen einige 3 Kilogramm schwere Zapfen tragen. Die Aubonne ist hier gestaut. Das Kraftwerk wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, um ein Tram mit Strom zu versorgen, das den Ort Aubonne mit den umliegenden Dörfern verband. Danach säumt ein Fitnessparcours das Ufer. Er endet bei einer Stufe, die mit einer im Zickzack durch den Bach führenden Fischtreppe für Forellen passierbar gemacht wurde. Die Aubonne ist eines der wichtigsten Laichgewässer für die Seeforellen im Genfersee. Dank mehreren Fischtreppen, die in den letzten Jahren gebaut wurden, können die Fische heute wieder bis zum Stausee aufsteigen.

Wir verlassen die Aubonne für einen Abstecher in das gleichnamige Dorf mit Schloss und gediegenen Patrizierhäusern. Es ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) verzeichnet. Die nächste Etappe ist weniger malerisch. Wir queren eine Industriezone mit monströsen Einkaufszentren, eingeklemmt zwischen Bahngleise und Autobahn. Zum Glück ändert sich die Szenerie danach wieder. Das Winzerdorf Allaman ist hübsch, und am Ortsausgang treffen wir wieder auf die Aubonne: Sie geht auf ihrem letzten Abschnitt vor der Mündung in den Genfersee in die Breite und bildet ein national bedeutendes Auenbiotop. Ein lianenreicher Wald mit Schwarzerlen, Silberweiden, Eschen und Ulmen säumt das Gewässer. Zur Brutzeit bildet vielstimmiges Vogelgezwitscher die Geräuschkulisse, auch der Pirol ist dann gelegentlich zu hören.

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Letzte Änderung 29.11.2017

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