Vom Schein und Sein

Editorial von Franziska Schwarz, Vizedirektorin BAFU

Schwarz Franziska, Vizedirektorin BAFU
Schwarz Franziska, Vizedirektorin BAFU

Sattgrüne Wiesen, weidende Kühe, golden schimmernde Weizenfelder, gut unterhaltene Ställe hinter stattlichen Bauernhäusern im Blumenschmuck: Beim Spaziergang oder vom Zug aus erkennen nicht nur Touristinnen und Touristen, sondern auch wir, die wir hier wohnen, wie schön die Schweiz vielerorts ist. Zu verdanken ist das zu einem wesentlichen Teil den Bauernfamilien. Und weil die Werbung dieses schöne Bild bis in unsere Wohnzimmer trägt, fällt es uns schwer, auch die kritischen Aspekte der Landwirtschaft zu sehen. Das vorliegende Dossier versucht beides: innovative Ansätze zu würdigen, ohne die Folgen der hochintensiven Landwirtschaft zu unterschlagen.

Tatsächlich hält die Schweizer Landwirtschaft das BAFU auf Trab. Kaum ein einzelner anderer Sektor nutzt und beeinflusst so grossflächig natürliche Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft, Artenvielfalt, Klima und Landschaften - und zwar nicht nur hierzulande, sondern weltweit. Dabei werden auch Prozesse angestossen, die unseren Sinnen und unserem Bewusstsein entgehen. Wir sehen nicht die dicke Ammoniakglocke, die Wälder und Biotope überdüngt, die Belastungen durch Pflanzenschutzmittel und Gülle, die das Leben in den Gewässern und auf dem Land schädigen, den Funktionsverlust der Böden, die sich unter der Last schwerer Maschinen verdichten.

Den wichtigsten Beitrag zur Ernährungssicherheit leistet die hiesige Landwirtschaft, wenn sie die natürlichen Ressourcen nicht schädigt. Leider ist das heute noch längst nicht durchgehend der Fall. Der Bundesrat hat den Handlungsbedarf erkannt und mit der Agrarpolitik 2014-2017 die in den 1990er-Jahren begonnene Agrarreform weiter verstärkt. Diese strebt eine nachhaltige Landwirtschaft an, welche die Tragfähigkeit der Ökosysteme respektiert.

Das Dossier fasst verschiedene heisse Kartoffeln an und beleuchtet die vielfältige Thematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Fachleute stecken den historischen, ökonomischen und ökologischen Rahmen ab und erläutern, was Schweizer Nutztiere sinnvollerweise fressen und produzieren -und was nicht. Wir beschreiben Umwelteffekte der intensiven Produktion, genauso wie innovative Landwirtinnen und Landwirte, die sich mit Engagement auf die laufend ändernden Rahmenbedingungen einlassen, und die Forschung, welche neue Wege Richtung Entlastung der Umwelt bahnt. Nicht zuletzt werden auch die Grossverteiler ins Bild gerückt, die sowohl die Produktion als auch unsere Nachfrage nach Nahrungsmitteln stark beeinflussen.

Ich wünsche Ihnen eine lohnende Lektüre!

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Letzte Änderung 24.08.2016

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