Stickstoff belastet die Umwelt

Editorial von Gérard Poffet

Gérard Poffet

Alle Lebewesen benötigen Stickstoff. Das chemische Element N ist ein zentraler Bestandteil von Aminosäuren, den Bausteinen der Proteine. Lange Zeit steuerten natürliche Prozesse die Verfügbarkeit von Stickstoffverbindungen, die von Pflanzen, Tieren und Menschen genutzt werden können. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermochte sich niemand vorzustellen, dass die begehrte Ressource schon bald im Überfluss vorhanden sein und als Schadstoff bezeichnet würde.

Biologisch aktiver Stickstoff entsteht mittlerweile im industriellen Massstab aus Luftstickstoff - entweder unbeabsichtigt bei Verbrennungsprozessen oder beabsichtigt bei der Herstellung von Kunstdünger. Dieser lässt zwar die Kulturpflanzen wachsen und deckt die Nachfrage nach Nahrungsmitteln einer wachsenden Weltbevölkerung; die Verzehnfachung der freigesetzten Menge in den vergangenen 100 Jahren führte aber zu einer massiven Störung des Stickstoffkreislaufs auf lokaler, regionaler und globaler Ebene. Heute gelangt reaktiver Stickstoff in unmässigen Mengen in die Luft, die Böden, die Oberflächengewässer sowie ins Grundwasser und beeinträchtigt die menschliche Gesundheit, das Klima, die Biodiversität, den Wald, die Meere und das Trinkwasser.

Auf der Basis von gesetzlichen Grundlagen haben Bund, Kantone und Gemeinden Massnahmen getroffen, um die negativen Umweltwirkungen in den Griff zu bekommen. Sie gelten insbesondere für den motorisierten Verkehr, die Industrie und für Kläranlagen. Grosser Handlungsbedarf besteht aber nach wie vor in der Landwirtschaft. Die Anwendung der besten verfügbaren Technologien bietet beträchtliche Reduktionspotenziale, ohne dabei die Nahrungsmittelproduktion einzuschränken.

In diesem Magazin beleuchtet das BAFU die komplexe Problematik der Stickstoffverluste sowie die Auswirkungen des Überschusses. Gleichzeitig werden Handlungsmöglichkeiten und Optimierungspotenziale aufge-zeigt. Es gilt, die unverzichtbare Ressource Stickstoff nachhaltig einzusetzen, damit sie ihren Status als Umweltproblem verliert und wieder als das angesehen werden kann, was sie ist: ein Lebenselixier.

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Letzte Änderung 21.05.2014

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