Die Industriezone von Preonzo wird verlegt

Preonzo: Felssturz
Felssturz Preonzo: Anrissstelle unterhalb der Alpe die Ròscera kurz vor dem Ereignis
© Giorgio Valentini, Kantonsgeologe, Tessin

Text: Hansjakob Baumgartner

Dass das Gelände am Fuss des Valegiòn bei Preonzo (TI) ein unsicherer Ort ist, war schon lange bekannt. Die Felsformationen in diesem Steilhang sind labil. 1702 verschüttete ein Bergsturz das Dorf.

Preonzo wurde danach an anderer Stelle neu aufgebaut. Der Dorfkern ist deshalb nicht mehr gefährdet - wohl aber derjenige Teil der Gemeinde, in dem sich in den 1960er-Jahren Industriebetriebe niederliessen. Heute würden diese nicht mehr bewilligt: Das Areal ist auf der Gefahrenkarte rot markiert.

1990 bildete sich auf der Alpe di Ròscera direkt über dem Valegiòn ein Riss. Seither steht der Hang unter Dauerbeobachtung. Sonden messen die Erdbewegungen und lösen Alarm aus, wenn sich diese beschleunigen. In der Folge wurde die Industriezone wiederholt evakuiert, und es ereigneten sich auch mehrere Bergstürze und Murgänge, die aber keine oder nur geringe Schäden anrichteten.

Im Mai 2012 kam erneut Bewegung in den Valegiòn. Zur besseren Überwachung des Hangs wurde zusätzlich eine Radaranlage installiert, die es erlaubt, Bewegungen aus der Ferne millimetergenau zu beobachten - ohne dass Messgeräte in der Felswand montiert werden mussten, was viel zu gefährlich gewesen wäre. Am 13. Mai wurde die Industriezone geräumt. Zwei Tage später donnerten 300‘000 Kubikmeter Fels zu Tal. Wiederum gab es keine Schäden.

Eine Woche danach nahmen die ansässigen Betriebe die Arbeit wieder auf - diesmal aber nur noch vorübergehend: Im April 2013 bewilligte die Tessiner Kantonsregierung den Plan für einen freiwilligen Umzug in die Industriezonen von Castione und Carasso südlich von Preonzo. Bund und Kanton bezahlen 70 % der auf knapp 13 Mio. CHF veranschlagten Kosten der Verlagerung. Der alte Standort wird ausgezont. «Es handelt sich um die erste Auszonung von Industrieland aufgrund von Naturgefahren», weiss Arthur Sandri, Chef der Sektion Rutschungen, Lawinen und Schutzwald im BAFU.

5 Firmen mit insgesamt 80 Arbeitsplätzen nahmen das Angebot an. 2 Betriebe, die zusammen 23 Personen beschäftigen, wollen vorläufig bleiben. Sie müssen mit Arbeitsunterbrüchen rechnen, wenn die Situation wieder kritisch wird. Grossen Felsstürzen folgt in den Jahren danach meist eine Serie von Murgängen. Arthur Sandri vermutet deshalb, dass auch die beiden letzten Firmen Alternativstandorte prüfen.

Weiterführende Informationen

Kontakt
Letzte Änderung 20.05.2015

Zum Seitenanfang

https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/naturgefahren/dossiers/magazin-umwelt-leben-mit-naturgefahren/die-industriezone-von-preonzo-wird-verlegt.html