Naturgefahren: Planerische Massnahmen

Die Raumplanung regelt die Entwicklung und die Nutzung des Raums. Ausgehend von Gefahrenkarten und Risikoüberlegungen soll die Raumplanung gewährleisten, dass in Gefahrengebieten das Risiko durch neue Bauten und Anlagen nicht zusätzlich erhöht, sondern langfristig vermindert wird. Man spricht in diesem Zusammenhang von risikobasierter Raumplanung.

Die Risiken werden hauptsächlich vom Schadenpotenzial beeinflusst: eine immer intensivere Raumnutzung, beziehungsweise die Ausweitung der Nutzung in Gefahrenräume lässt die Risiken steigen. Die risikobasierte Raumplanung hat zum Ziel, die Risikoentwicklung zu steuern und neue, inakzeptable Risiken zu vermeiden.

Risikobasierte Raumplanung

Synthesebericht zu zwei Testplanungen auf Stufe kommunaler Nutzungsplanung. 2015

Instrumente für eine risikobasierte Raumentwicklung

Der Vollzug einer risikobasierten Raumentwicklung stellt ein Zusammenspiel verschiedener Instrumente dar. In der Richt- und Nutzungsplanung werden Gefahrenkarten umgesetzt. Im Baubewilligungsverfahren werden Bauauflagen festgelegt. Bei der Planung von Objektschutzmassnahmen bieten Gebäudeversicherungen verschiedener Kantone eine Beratung an.

Kantonale Richtplanung

Der kantonale Richtplan ist das zentrale Raumplanungsinstrument der Kantone. Zum Schutz vor Naturgefahren kann der Richtplan Grundsätze zum Umgang mit Naturgefahren festhalten, die Erarbeitung der Gefahren- und Risikogrundlagen koordinieren und zeitlich organisieren. Er kann verbindliche Aufträge zur Umsetzung von Gefahren- und Risikogrundlagen an kantonale Stellen und die Gemeinden erteilen. In der Richtplanung können auch Gebiete ausgeschieden werden, die der Rückhaltung oder Ableitung von Gefahrenprozessen dienen (z.B. Rückhalteräume oder Abflusskorridore).

Nutzungsplanung

In der Nutzungsplanung (Nutzungsplan und Bau- und Zonenreglement) legen die Gemeinden die Inhalte der Gefahrenkarte und deren Konsequenzen für die Grundeigentümer parzellenscharf und verbindlich fest. Dabei gilt insbesondere, dass

  • in der roten Zone (erhebliche Gefährdung) keine Bauten und Anlagen neu erstellt oder erweitert werden dürfen, die dem Aufenthalt von Menschen und Tieren dienen; es dürfen keine neuen Bauzonen ausgeschieden werden und bereits ausgeschiedene, noch unüberbaute Bauzonen sollten wieder rückgezont werden.
  • in der blauen Zone (mittlere Gefährdung) Bauten und Anlagen nur mit bestimmten baulichen Auflagen und Nutzungsbeschränkungen neu erstellt oder erweitert werden dürfen; neue Bauzonen sollten nur äusserst zurückhaltend ausgeschieden werden, wenn eine überwiegende Notwendigkeit besteht und gute Alternativen an anderen Standorten fehlen.
  • in den gelben oder gelbweiss-schraffierten Zonen (geringe Gefährdung/Restgefährdung) die Risiken nicht durch neue Nutzungen oder Intensivierung bestehender Nutzungen weiter zunehmen; je früher entsprechende Risiken erkannt werden, umso besser lassen sie sich vermeiden.

Baubewilligungsverfahren

Im Baubewilligungsverfahren stellen Kanton und Gemeinde sicher, dass ein Baugesuch die Vorschriften der Gemeinde und das übergeordnete Recht einhält. Dazu zählen auch die Bestimmungen über den Schutz vor Naturgefahren. In vielen Fällen entscheidet sich erst im Baubewilligungsverfahren, ob und inwieweit konkrete Massnahmen zum Schutz vor Naturgefahren ergriffen werden müssen.

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Letzte Änderung 06.12.2016

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