13. INTERPRAEVENT Kongress in Luzern 2016: ein voller Erfolg

Vom 30. Mai bis zum 2. Juni 2016 tagten 550 Naturgefahrenexperten aus Forschung, Praxis und Verwaltung beim 13. internationalen Fachkongress INTERPRAEVENT im KKL Luzern. Die Schweiz als Gastland kann aufgrund ihrer Erfahrungen im Umgang mit Naturgefahren gute Beispiele für den integralen Schutz vor Naturgefahren präsentieren. Zusätzlich verfügt sie über ein in Europa einzigartiges Versicherungsobligatorium, über welches Elementarschäden umfassend gedeckt werden.

Interpraevent 2016 Logo

Die Kongressteilnehmer tauschten sich in Luzern und auf Exkursionen in angrenzenden Regionen zum Stand des Wissens aus und diskutierten interdisziplinäre, bedarfsorientierte Schutzkonzepte. In der Schlussdeklaration waren sich die Vertreter aller INTERPRAEVENT Mitgliedsländer einig, dass der Erfahrungsaustausch auf Expertenebene weiter gepflegt werden soll, damit alle aus seltenen Extremereignissen lernen können. Es herrschte auch Klarheit darüber, dass der Schutz vor Naturgefahren eine Daueraufgabe ist und angesichts des Klimawandels mit häufigeren und heftigeren Niederschlägen immer wichtiger wird.

Ein weiteres zentrales Ergebnis des Kongresses war, dass nach der Erstellung von Gefahrenkarten und der Ausscheidung von Gefahrenzonen alle Akteure und Betroffenen noch mehr in die Planung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen eingebunden werden müssen. Oft werden die Gefahrenzonen von der Bevölkerung erst dann wahrgenommen, wenn einer Widmung eines gefährdeten Grundstücks nicht zugestimmt oder die Baubewilligung in einem gefährdeten Gebiet nicht erteilt werden kann - oder aber dann, wenn sich die ausgeschiedenen Gefahrenzonen beim Eintreten eines Naturereignisses „bewahrheiten".

Ganz nach dem Titel des Kongresses „Leben mit Naturgefahren" müssen alle Betroffenen verstehen, dass es keinen absoluten Schutz vor Naturgefahren geben kann. Auch gängige technische Schutzmassnahmen wie Hochwasserschutzdämme oder Lawinenverbauungen haben ihre Grenzen. Zudem nimmt unsere Siedlungstätigkeit immer mehr Raum in Anspruch. Trotz bester Schutzbauten verbleiben immer Restrisiken, welche von jedem potenziell Betroffenen getragen werden müssen. Jeder Einzelne kann sich durch sein persönliches Verhalten bereits vor dem Eintreten eines Naturereignisses so gut als möglich vorbereiten. Das Bewusstsein der Bevölkerung gilt es umso mehr zu schärfen, als dass wir durch den guten Schutz vor Naturgefahren durch bestehende Schutzbauten selten mit Schäden konfrontiert werden und die Gefahren und Risiken wenig wahrnehmen.

Das internationale Netzwerk von Experten zum Schutz vor Naturgefahren empfiehlt daher, dass:

  • vorhandene Massnahmen zum Schutz vor Naturgefahren optimal gepflegt und instandgehalten werden müssen, um im Fall des Falles zu funktionieren,
  • Naturgefahrenrisiken allen Akteuren und der betroffenen Bevölkerung besser kommuniziert werden,
  • bei vorhandenem Risiko und Restrisiko das eigene Verhalten (Respektieren von Gefahrenzonen und entsprechende Bauweise mit Objektschutzmassnahmen, Notfallvorsorge) angepasst wird und
  • Einsatzkräfte mit Interventionsplänen ausgestattet sein müssen, um bei Bedarf zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort helfen zu können.

Die Internationale Forschungsgesellschaft INTERPRAEVENT wurde 1967 in Kärnten gegründet und hat ihren Sitz in Klagenfurt. Von dort aus werden alle vier Jahre Fachkongresse im Alpenraum und alternierend alle vier Jahre in Asien (Japan und Taiwan) gemeinsam mit den lokalen Partnern organisiert. Die INTERPRAEVENT besteht aus Mitgliedern der Regions-, Landes- und Bundesverwaltung aus allen Alpenanrainerstaaten sowie Norwegen, Japan und Taiwan und ist somit das internationale Netzwerk von Experten zum Schutz vor Naturgefahren.

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Letzte Änderung 25.10.2016

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