Fragen und Antworten: Entstehen heute die Altlasten von morgen?

Christiane Wermeille, Sektionschefin Altlasten beim BAFU, gibt Antworten auf Fragen rund um die Bearbeitung und Sanierung von Altlasten.

Christiane Wermeille
Christiane Wermeille, BAFU

Ist es wirklich nötig, dass die Schweiz 5 Mrd. CHF für die Aufarbeitung ihres Altlastenproblems ausgibt?

Der grosse wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegsjahre ist nicht spurlos an der Umwelt vorbeigegangen. Als Begleiterscheinung sind in der Schweiz 38‘000 belastete Standorte entstanden, 40 % von ihnen müssen untersucht und rund 4000 saniert werden. Zum Teil sind diese Arbeiten bereits abgeschlossen. Allein die Sanierung der Sondermülldeponien in Kölliken (AG), Bonfol (JU) und Monthey (VS) kosten 1,5 Mrd. CHF. Das ist zwar viel, aber gut investiertes Geld. Zum einen wäre es schlicht unethisch, künftige Generationen mit dieser Altlastenhypothek zu belasten. Zum anderen schützen die Sanierungen unser Grundwasser, einen Rohstoff, der künftig immer wichtiger und wertvoller wird.

Warum werden nicht alle Altlasten «totalsaniert»?

Alle Altlasten auszubaggern, wäre weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll, denn das ausgehobene Material muss nach einer Behandlung wieder deponiert werden. Dies verursacht gewaltige Transporte und bedingt neuen Deponieraum. Altlasten aus Prinzip vollständig zu sanieren, wäre völlig unverhältnismässig. Es muss lediglich so viel belastetes Material entfernt werden, dass der Standort keine Gefahr mehr für Mensch und Umwelt darstellt.

Wie funktioniert die Kontrolle? Hat der Bund Gewähr, dass die Sanierungen korrekt durchgeführt werden?

Die ganz grossen Sanierungen werden vom BAFU begleitet. Zudem hat der Bund 2013 für die von Grossprojekten betroffenen kantonalen Vollzugsbehörden eine Plattform ins Leben gerufen, auf der sie ihre Erfahrungen austauschen können. Bei allen Sanierungen, die Gelder gemäss Verordnung über die Abgabe zur Sanierung von Altlasten (VASA) beanspruchen , ist der Bund direkt involviert und kann so Einfluss auf die Projekte nehmen.

Weshalb sind auch unbedenkliche Standorte, die weder überwacht noch saniert werden müssen, im Kataster der belasteten Standorte eingetragen?

Es ist wichtig, dass auch diese Standorte im Kataster aufgenommen werden. Einerseits, damit das Wissen über die festgestellten Belastungen nicht verloren geht, wenn Grundstücke die Hand wechs eln. Andererseits, damit bei Bauvorhaben belastetes Aushubmaterial umweltkonform entsorgt werden kann.

Was ist mit den heutigen Deponien? Entstehen daraus die Altlasten von morgen?

Seit 1990 die Technische Verordnung über Abfälle (TVA) in Kraft getreten ist, gelten für Deponien strenge Anforderungen. Sie betreffen sowohl die Deponiestandorte wie die technischen Sicherheitsmassnahmen, die Überwachung und insbesondere die Eigenschaften der zu deponierenden Abfälle. Es dürfte deshalb nicht mehr zu den Problemen kommen, welche die Schweiz heute mit viel Aufwand bearbeitet. Vielmehr ist es sogar möglich, dass heutige Deponien künftig als Quellen von Sekundärrohstoffen genutzt werden. Dieses sogenannte «Landfill Mining» hängt ganz von der Nachfrage nach Rohstoffen und von deren Preisen ab. So sind in den letzten Jahren bereits ältere abgelagerte Schlacken aus der Kehrichtverbrennung zwecks Rückgewinnung von Metallen aufbereitet und wieder deponiert worden. Es ist durchaus denkbar, dass eine Rückgewinnung von weiteren Stoffen aus den Abfällen in Zukunft technisch machbar und ökonomisch sinnvoll sein wird.

Was geschieht, wenn heute neue belastete Standorte gefunden werden?

Die Erhebungen für den Kataster der belasteten Standorte wurden von den Kantonen mithilfe der Gemeinden und einigen Bundesämtern sehr detailliert und sorgfältig durchgeführt. Trotzdem ist es nicht auszuschliessen, dass auch künftig noch Standorte neu in den Kataster aufgenommen werden müssen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass es dabei grosse Überraschungen gibt. Möglich ist dies am ehesten im Bereich der diffusen Belastungen .

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Letzte Änderung 25.11.2015

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