Kompetenzaufbau und Beratung: Katalysator für mehr Effizienz

Dank der Beratungsangebote des Netzwerks Ressourceneffizienz «Reffnet» erzielt die Schweizer Wirtschaft Effizienzgewinne von mehreren Mio. CHF und reduziert gleichzeitig ihre Umweltbelastung. Das Angebot wird vom BAFU massgeblich mitfinanziert.

Screenshot Reffnet Ressourcencheck
Reffnet Ressourcencheck
© Reffnet.ch

Text: Oliver Graf

Ökologie lohnt sich. Das ist die Überzeugung von Rainer Züst, Maschineningenieur, Inhaber einer Beratungsfirma und Experte für das Netzwerk Ressourceneffizienz Schweiz, kurz Reffnet. Der Nutzen von mehr Ressourceneffizienz ist ein doppelter: Auf der einen Seite stehen Einsparungen bei den Betriebs- und Materialkosten, auf der anderen Seite die Reduktion der Umweltbelastung.

In den 15 Jahren zwischen 1996 und 2011 ging die Umweltbelastung der Schweizer Unternehmen zurück, und zwar um insgesamt rund ein Drittel. Moderne Rauchgasreinigungssysteme filtern in Kehrichtverbrennungsanlagen, Zementwerken und anderen Grossbetrieben die giftigen Schwermetalle und Dioxine aus den Abgasen. Auch der Schutz der Ozonschicht konnte in dieser Zeitspanne stark verbessert werden, hauptsächlich mit der Einführung von Ersatzprodukten für die heute verbotenen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Die Umweltbelastung durch Unternehmen soll weiter sinken, insbesondere zum Schutz des Klimas. Wirksame und breit akzeptierte Instrumente sind Beratungen und die Förderung von Kompetenzen.

Rainer Züst ist einer von insgesamt 25 Fachpersonen, die Reffnet als Beratende in Unternehmen schickt, die freiwillig ihre Ressourceneffizienz im Materialbereich und nicht nur bei der Energie verbessern möchten. Der Expertenpool von Reffnet wird laufend grösser; er ist offen für alle Beraterinnen und Berater, die eine entsprechende Erfahrung und Ausbildung ausweisen können.

Leise und sparsame Kehrichtwagen

Das Angebot genutzt hat das Abfall- und Reinigungsunternehmen Schwendimann AG mit Sitz im bernischen Münchenbuchsee. Die Firma hat - neben einigen Ersatzfahrzeugen - insgesamt 8 Kehrichtwagen im täglichen Einsatz. Die Fahrzeuge benötigen nicht nur zum Fahren einen Antrieb, sondern auch für das Heben und Umkippen von Sammelcontainern und das Verdichten des eingesammelten Kehrichts. Bei den alten Fahrzeugen war dazu ständig ein lärmiger Dieselmotor in Betrieb, der Abgase in die Atmosphäre blies.

Mithilfe der Reffnet-Beratung hat die Firma nun innerhalb eines Jahres für alle 8 Hauptfahrzeuge eine Alternative entwickelt. Neu sorgt ein Elektroantrieb für das Manövrieren der Container und das Funktionieren der Kehrichtpresse. Der Dieselmotor wird nur noch zum Fahren benötigt und verbrennt so 40 % weniger Treibstoff. Über die ganze, 10-jährige Lebensdauer des Fahrzeugs werden etwa 100 t Kohlendioxid (CO2) eingespart; für das Laden der Akku-Pakete setzt die Schwendimann AG ausschliesslich auf Strom aus erneuerbaren Quellen. Der Betrieb der umgerüsteten Fahrzeuge ist ausserdem deutlich leiser, und die Investitionskosten werden durch die Treibstoffeinsparungen wieder kompensiert - das Projekt ist somit kostenneutral.

Beratung wird immer öfter nachgefragt

Damit ist das Unternehmen schon nahezu eine Ausnahme, denn fast alle Unternehmen sparen dank verbesserter Ressourceneffizienz Geld. Ein Beispiel ist die Druckerei Valmedia AG in Visp (VS). Ein Reffnet-Experte hat deren Materialflüsse, Produktionsprozesse, Raumauslastungen und Transportwege analysiert und Massnahmen vorgeschlagen. Diese reichen von einer besseren, den Ausschuss reduzierenden Qualitätssicherung bis zur gezielten Wärmeregulierung mittels Schleusen. Auf diese Weise vermeidet das Unternehmen in den nächsten 5 Jahren Papierausschuss im Umfang von 42 t und spart 24‘300 Liter Heizöl sowie Kosten von 78‘500 CHF.

Betrachtet man alle Unternehmen, die bis Ende 2015 mit Unterstützung von Reffnet-Experten Massnahmen umgesetzt haben, liegen die Kosteneinsparungen bei durchschnittlich 100‘000 CHF pro Jahr und Betrieb. Gestartet hat Reffnet seine Beratungen Mitte 2014. Bis Ende 2015 wurden 55 sogenannte Potenzialanalysen und 21 Massnahmenpläne erarbeitet und 15 weitere umgesetzt. «Die Nachfrage nach unseren Beratungen steigt kontinuierlich, und wir werden vermutlich noch vor Ende 2016 das Ziel von 130 Potenzialanalysen pro Jahr erreichen», erklärt Simon Zeller, Medienverantwortlicher von Reffnet.

Im richtigen Moment da sein

«Die meisten meiner Beratungen sind aus dem persönlichen Umfeld heraus entstanden», erklärt Rainer Züst, der vor seiner Selbstständigkeit als Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich tätig war und insbesondere aus dieser Zeit ein riesiges Kontaktnetz mitbringt. Die persönliche Beziehung schafft Vertrauen. Dieses ist nötig, weil bei der Entwicklung neuer Produkte oder Fertigungsprozesse oft Firmengeheimnisse auf dem Spiel stehen.

Gerade in dieser Phase habe eine Effizienzberatung aber auch den stärksten Hebel, ist Rainer Züst überzeugt: «Man muss da sein, wenn die Unternehmen schon etwas auf dem Radar haben», erklärt er. Das bestätigt auch Matthias Schwendimann, Chef der gleichnamigen Firma: «Die Berechnungen des Experten haben uns darin bestätigt, die Investition zu wagen.»

Der Verein Reffnet erhält vom BAFU jährlich maximal 1,1 Mio. CHF, wobei er mindestens den gleichen Betrag aus Eigenleistungen oder aus zusätzlichen Quellen beisteuern muss. Der Hauptteil des Geldes fliesst in die Expertenberatung. Unternehmen können Beratungszeit im Umfang von 5 Tagen gratis in Anspruch nehmen, danach ist die Dienstleistung kostenpflichtig.

Risiken und Potenziale abchecken

Auf der Website reffnet.ch können interessierte Firmen auch selbst einen kurzen Online-Check durchführen . Solche gibt es unterdessen bereits für eine ganze Palette von Branchen. Ein Beispiel ist der «Metal Risk Check», der Ende letzten Jahres mit Unterstützung des BAFU und des Branchenverbandes Swissmem von Ernst Basler + Partner und der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA fertig entwickelt wurde. Das Tool erlaubt es zu überprüfen, bei welchen sogenannt seltenen Metallen von Antimon bis Yttrium das Unternehmen ein Versorgungsrisiko hat und wie hoch die mit ihrer Nutzung verbundene Umweltbelastung ist. «Dieses Tool liefert eine wertvolle Hilfestellung für die Risikostrategie der Unternehmen und wäre ohne die Umwelttechnologieförderung des BAFU nicht zustande gekommen», sagt Christine Roth, Ressortleiterin Umwelt bei Swissmem.

Reffnet bietet den Firmen im Anschluss an den Online-Check die Möglichkeit, sich für ein Beratungsgespräch anzumelden. Damit noch mehr Unternehmen von diesem Angebot erfahren, spricht Reffnet die Verantwortlichen auch direkt an. Bei kleinen Unternehmen ist das in der Regel der CEO oder der Produktionsleiter, in grösseren Betrieben gibt es immer häufiger Umweltbeauftragte.

Fördergelder gut angelegt

Reffnet hat nicht nur bei der Anzahl der durchgeführten Beratungen ein Ziel, sondern auch bei der Reduktion der Umweltbelastung. Diese wird in sogenannten Umweltbelastungspunkten (UBP) ausgewiesen, welche in einer einzigen Zahl sämtliche negativen Einflüsse auf die Umwelt ausdrücken (z. B. Klimawandel, Luftverschmutzung, Bodenbelastung). «Wir möchten, dass die Umweltbelastung der Schweizer Unternehmen mit dieser Massnahme um jährlich 74 Mrd. UBP sinkt», erklärt Ursula Frei, die beim BAFU in der Sektion Innovation für Reffnet zuständig ist. Das entspricht der Belastung einer durchschnittlichen Gemeinde mit 3575 Einwohnenden. «Wenn wir den Nutzen für die Unternehmen und den Zuwachs an Umwelt-Know-how mit in die Rechnung einbeziehen, sind die vom BAFU an Reffnet bezahlten 1,1 Mio. CHF sehr gut investiertes Geld», freut sich Ursula Frei über das Projekt, das im Rahmen des 2013 vom Bundesrat beschlossenen Aktionsplans Grüne Wirtschaft realisiert wird.

 

Weiterführende Informationen

Dokument

Diese Ausgabe als Download (PDF, 7 MB, 18.05.2016)02/2016 Innovationen für Mensch und Umwelt

Kontakt
Letzte Änderung 18.05.2016

Zum Seitenanfang

https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/thema-bildung-forschung-innovation/bildung--forschung--innovation--dossiers/magazin--umwelt--2-2016---innovationen-fuer-mensch-und-umwelt/kompetenzaufbau-und-beratung--katalysator-fuer-mehr-effizienz.html