Indikator Wasser

Biologischer Zustand der Fliessgewässer

Der Zustand der Fliessgewässer lässt sich nicht nur anhand von klassischen chemisch-physischen Erhebungen bewerten sondern auch anhand von biologischen Untersuchungen. Die Lebensgemeinschaften von Fischen, Wirbellosen, Wasserpflanzen und Kieselalgen geben Auskünfte über den chemischen, morphologischen und hydrologischen Zustand der Gewässer. Der Vorteil dieser Bioindikatoren besteht darin, dass sie die Belastungssituation des Gewässers über eine längere Zeitspanne anzeigen und nicht nur die momentane Situation zum Zeitpunkt der Erhebung.

Bewertung des Zustandes
schlecht schlecht
Bewertung der Entwicklung
nicht bewertbar nicht bewertbar
schlecht Kiesalgen: 0 unbefriedigend Kiesalgen: 0 mässig Kiesalgen: 4.54545454545455 gut Kiesalgen: 37.5 sehr gut Kiesalgen: 57.9545454545455 schlecht Wasserpflanzen*: 21.7391304347826 unbefriedigend Wasserpflanzen*: 0 mässig Wasserpflanzen*: 23.9130434782609 gut Wasserpflanzen*: 41.304347826087 sehr gut Wasserpflanzen*: 13.0434782608696 schlecht Wirbellosen: 0 unbefriedigend Wirbellosen: 2.27272727272727 mässig Wirbellosen: 32.9545454545455 gut Wirbellosen: 56.8181818181818 sehr gut Wirbellosen: 7.95454545454545 schlecht Fische: 0 unbefriedigend Fische: 7.84313725490196 mässig Fische: 60.7843137254902 gut Fische: 29.4117647058824 sehr gut Fische: 1.96078431372549
Anteil an bewerteten NAWA-Messstellen. *Für Wasserpflanzen werden nur 4 Klassen benutzt. Stand 2015.

Daten zur Grafik: Excel
Quelle: BAFU - NAWA
Kommentar

Der Zustand der Schweizer Fliessgewässer ist aus biologischer Sicht unterschiedlich gut. Je nach Bioindikator erreichten von den im Jahr 2015 untersuchten Gewässerabschnitten:

  • 30-90% einen guten oder sehr guten ökologischen Zustand.
  • 10-70% einen mässigen bis schlechten Zustand

Die grosse Bandbreite der Anteile erklärt sich dadurch, dass die untersuchten Organismengruppen jeweils unterschiedlich auf die verschiedenen Arten von Belastungen reagieren.

Der Bioindikator Kieselalgen weist an rund 90% der Messstellen eine gute bis sehr gute Wasserqualität aus. Daraus kann in erster Linie auf die Nährstoffsituation in den Gewässern geschlossen werden. Der Indikator zeigt also, wie sich die Nährstoffbelastung seit den 1980er Jahren der Schweizer Gewässer durch den Bau der Abwasserreinigungsanlagen (ARA) stark verringert hat.

Bei den Bioindikatoren Wirbellosen, Fische und Wasserpflanzen fallen die Bewertungen jedoch weniger positiv aus. Sie zeigen, dass die Lebensraumqualität der Gewässer weiterhin beeinträchtigt ist. Die Belastungen umfassen Defizite in der Gewässermorphologie und der Durchgängigkeit für Fische, mangelnde Geschiebeführung, unzureichende Wasserführung (Restwasser) oder zu starke Abflussschwankungen (Schwall-Sunk) aufgrund von Stauhaltungen und Verbauungen. Hinzu kommen stoffliche Belastungen durch Mikroverunreinigungen sowie ein verändertes Temperaturregime.

Die grössten Defizite gibt es im intensiv genutzten Mittelland, wo die Gewässer strukturell beeinträchtigt sind, die Durchgängigkeit für Fische vielerorts nicht gegeben ist und die stoffliche Belastung am grössten ist. Überdurchschnittlich stehen die kleinen Gewässer unter Druck, vor allem durch die Landwirtschaft.

Da die Fische am umfassendsten die verschiedensten Gewässerbelastungen abbilden, wird der Zustand insgesamt als schlecht bewertet.

Bis heute wurden erst zwei nationale Messkampagnen durchgeführt. Aussagekräftige Zeitreihen werden deshalb erst in Zukunft zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund kann die Entwicklung nicht bewertet werden. Es ist jedoch absehbar, dass sich der biologische Zustand der Fliessgewässer dank verschiedener Massnahmen zu den drei Entwicklungszielen verbessern wird: ausreichender Gewässerraum, ausreichende Wasserführung und ausreichende Wasserqualität. Im revidierten Gewässerschutzgesetz wurden dazu die rechtlichen Grundlagen geschaffen, konkret in den Bereichen Revitalisierung, Sanierung Wasserkraft sowie dem Ausbau der ARAs für die Elimination von Spurenstoffen.

Internationaler Vergleich

Die Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL, Richtlinie 2000/60/EG) stellt eine einheitliche Basis für die Gewässerüberwachung in der EU. Die Mitgliedstaaten beurteilen die verschiedenen Qualitätskomponenten jeweils mit ihren eigenen nationalen Methoden gemäss den Vorgaben von AnhangV der WRRL. Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zwischen den Mitgliedsstaaten zu gewährleisten, sieht die WRRL die Interkalibrierung der nationalen Methoden vor. Die Beurteilung erfolgt gemäss Vorgaben der WRRL in einer fünfstufigen Skala, so dass die Ergebnisse aus Untersuchungen in den Nachbarländern auf der Ebene der abschliessenden Klassierung mit Ergebnissen von Untersuchungen in der Schweiz vergleichbar sind.

Methode

Die Beurteilung der Parameter Wirbellose, Kiesalgen und Fische erfolgt gemäss dem Modul-Stufen-Konzept mittels 5 Qualitätsklassen. Für Wasserpflanzen ist eine schweizweit standardisierte Beurteilungsmethode im Rahmen des Modul-Stufen-Konzepts in Erarbeitung. Zurzeit wird noch eine provisorische Bewertung in vier Klassen gemäss dem Vorgehensvorschlag des Kantons Zürich angewandt.

Die Gesamtanzahl der bewerteten Messstellen unterscheidet sich je nach Modul. Wirbellose: 88, Fische: 52, Kieselalgen: 88 und Wasserpflanzen: 45 Messstellen.

 

 
Zuletzt aktualisiert am: 13.07.2018

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