Trockenheit 2018: Was bleibt aus hydrologischer Sicht?

29.05.2019 - Die Trockenheit von Sommer und Herbst 2018 ist vielen noch in Erinnerung mit den Bildern von trockengefallenen Flüssen und Seen. Tiefe Grundwasserstände und lokale Wasserknappheit waren und sind immer noch ein Thema. Sind die Auswirkungen dieser Trockenperiode aus hydrologischem Blickwinkel jetzt noch sichtbar? Und welchen Einfluss hat die kommende Schneeschmelze auf die Wasserstände? Ein kurzer Überblick.

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Sommerliche Temperaturen werden in den kommenden Tagen die Schneeschmelze in Gang setzen und die Bäche in den Bergen anschwellen lassen.

Winterniederschläge beendeten Trockenheit 2018

Im Tessin beendeten im Oktober starke Niederschläge die Niedrigwassersituation 2018. Auf der Alpennordseite dauerte es bis Weihnachten, als Niederschläge die Pegel von Flüssen und Seen deutlich ansteigen liessen. Auch sonst fielen im Winter 2018/2019 immer wieder grössere Schnee- oder Regenmengen. Dennoch stiegen die Grundwasserstände nur vorübergehend an. Gesamthaft reichte dies nicht, um in der ganzen Schweiz die Grundwasservorkommen wieder aufzufüllen. Ab Februar 2019 waren die Niederschlagsmengen dann wieder unterdurchschnittlich. In der Folge waren Grundwasserstände und Quellabflüsse, aber auch die Pegel der Flüsse und Seen landesweit wieder rückläufig.

Schneeschmelze liess im Frühling auf sich warten

Der Frühling 2019 war eher kühl. Die Niederschläge fielen in den höheren Regionen bis in den Mai hinein noch als Schnee. Deshalb baute sich die Schneedecke in den Bergen weiter auf und es lag deutlich mehr Schnee als zu dieser Jahreszeit üblich. Die tiefen Lufttemperaturen führten dazu, dass die Schneeschmelze in den Hochalpen später eingesetzt hat als sonst. Dies hatte zur Folge, dass die Flüsse und Seen für die Jahreszeit verhältnismässig wenig Schmelzwasser führten. Mitte Mai lag zum Beispiel der Pegel des Bodensees 20 cm unter dem für die Saison durchschnittlichen Niveau.

Schneeschmelze und Hochwasser

Ab Mitte Mai gab es wieder mehr Regen. Die Starkniederschläge vom 20./21. Mai liessen die Flüsse und Seen auf der Alpennordseite deutlich ansteigen und führten in der Ostschweiz zu Hochwasser. In hohen Lagen fiel der Niederschlag wiederum als Schnee. Die Schneemengen sind daher nach wie vor überdurchschnittlich für die Jahreszeit. Kann dies nun, da die Tage wärmer werden und sich die Schneeschmelze verstärken wird, in den Gewässern zu Problemen führen?

Der Frühling 2018 hat beispielhaft gezeigt, dass während einer warmen und trockenen Phase auch sehr grosse Schneemengen abschmelzen können, ohne dass es zu Überschwemmungen kommt. Und selbst die Kombination von Schneeschmelze und Niederschlag muss nicht automatisch zu einem Hochwasser, wie etwa im Mai 1999, führen.

Welche Faktoren zusammenkommen müssen, damit ein Hochwasser durch Schneeschmelze entstehen kann, ist in einem Webdossier von Mai 2018 erklärt:

Aktuelle Situation in den Flüssen und Seen sowie allfällige Hochwasserwarnungen:

Nach wie vor normale bis tiefe Grundwasserstände

Als Folge der Niederschläge in der zweiten Maihälfte stiegen auch die Grundwasserstände und Quellabflüsse von oberflächennahen sowie von flussgebundenen Grundwasserleitern kurzzeitig an. In der Regel reagieren Grundwasserstände jedoch verzögert und gedämpft auf Witterungsereignisse, und so waren im Mai für die Jahreszeit nach wie vor normale bis tiefe Grundwasserstände zu verzeichnen.

Generell braucht es wenige Monate mit für die Jahreszeit überdurchschnittlichen bzw. eine grössere Zahl an Monaten mit durchschnittlichen Monatsniederschlagsmengen, um ausgeprägt tiefe Grundwasserstände wieder in einen normalen Bereich steigen zu lassen. Wie regenreich die bevorstehenden Sommermonate sein werden, lässt sich aber nicht vorhersagen.

Die aktuelle Übersicht zu den Grundwasserverhältnissen in der Schweiz:

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Abfluss der Areusequelle bei St-Sulpice der letzten Monate im Vergleich zum Jahr 2018 und dem langjährigen Mittel und Minimum. Der Anstieg im Februar und März ist auf die lokale Schneeschmelze in tieferen Lagen zurückzuführen.

Wann gibt es Probleme mit der Wasserversorgung?

Bei Trinkwasserversorgungen, welche auf kleine lokale Grundwasservorkommen angewiesen sind, können in Trockenperioden Mangelsituationen entstehen. Punktuell traten im Sommer und insbesondere im Herbst 2018 Versorgungsengpässe auf, die zu Aufrufen zum Wassersparen geführt hatten. Im Frühling 2019 gab es erneut Meldungen zu Wasserknappheit. Gerade solche oberflächennahen Grundwasservorkommen reagieren aber auch wieder rasch auf Niederschlagsereignisse wie solche von Ende Mai. Zudem sind Wasserversorgungen im besten Fall vernetzt und stützen sich meist auf verschiedene Standbeine (Quellfassungen, Förderbrunnen – oder auch Seewasser). Insofern ist die Wasserversorgung in der Schweiz gesamthaft gewährleistet.

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Letzte Änderung 10.07.2019

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