Mikroverunreinigungen in den Gewässern: neue Grenzwerte in der Vernehmlassung

Schweizer Bäche, Flüsse und Seen werden durch viele Chemikalien belastet. Um die Belastungen durch verschiedene Pestizide, Human- und Veterinärmedikamente sowie Industriechemikalien besser beurteilen zu können, schlägt das UVEK neue Grenzwerte vor und hat dazu am 22. November 2017 die Vernehmlassung über die Änderung der Gewässerschutzverordnung (GSchV) eröffnet. Mit den neuen Werten können in Zukunft gezielter Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität ergriffen werden. Die Vernehmlassung dauert bis am 13. März 2018.

Glyphosat
© Markus Forte/Ex-press

In der Schweiz kommen grosse Mengen von Chemikalien wie Biozide, Pflanzenschutzmittel (PSM) und Medikamente zum Einsatz. Ein Teil dieser Stoffe gelangt in die Gewässer. Verschiedene Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass solche Stoffe Wasserlebewesen schädigen können. Der Bund ist bestrebt, diese Belastungen massgeblich zu vermindern. So werden ausgewählte Abwasserreinigungsanlagen schrittweise mit speziellen Einrichtungen zur Beseitigung solcher Chemikalien, auch Mikroverunreinigungen genannt, ausgestattet. Mit dem Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (AP PSM) sollen das von PSM ausgehende Risiko halbiert und die Einträge in die Gewässer deutlich verringert werden.

Grund für die Änderung

Bereits heute gelten Grenzwerte für Oberflächengewässer (Bäche, Flüsse und Seen) für ausgewählte Stoffe, insbesondere für Schwermetalle und Pestizide. Während die bestehenden Grenzwerte für Schwermetalle der jeweiligen Giftigkeit für empfindliche Wasserlebewesen entsprechen, besteht für die organischen Pestizide nur ein Einheitswert von 0.1 μg/l für jeden einzelnen Stoff. Dieser pauschale Einheitswert beschreibt die Gefährdung der Gewässer nicht ausreichend, weil er nichts darüber aussagt, ob und ab welcher Konzentration die einzelnen Stoffe für die Wasserlebewesen schädlich sind. Neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass einige Chemikalien bei tieferen, andere bei höheren Konzentrationen als dem heutigen Einheitswert die Gewässerlebewesen schädigen. Dies gilt auch für die organischen Pestizide.

Neue Grenzwerte für 55 Chemikalien, inklusive Glyphosat

Der Verordnungsentwurf schlägt vor diesem Hintergrund neue Grenzwerte für 55 Chemikalien vor. Die neuen Werte wurden nach einem für alle Chemikalien einheitlichen Verfahren vom Oekotoxzentrum Eawag-EPFL erarbeitet. Für die Substanzen mit der höchsten Giftigkeit für Wasserlebewesen sollen konsequenterweise die tiefsten Grenzwerte gelten. Sind diese Grenzwerte in einem Bach oder Fluss nicht überschritten, werden empfindliche Wasserlebewesen von diesen Chemikalien nicht geschädigt.  

Überschreitet jedoch ein Stoff die Grenzwerte, sind Massnahmen notwendig. Aber auch wenn Wasserlebewesen durch eine Mischung verschiedener Stoffe geschädigt werden, ohne dass die Grenzwerte einzelner Stoffe überschritten sind, muss gehandelt werden. Die neuen Werte ermöglichen es nun, Massnahmen gezielt für die für Wasserlebewesen wirklich problematischen Stoffe umzusetzen.

Der Verordnungsentwurf sieht auch einen eigenen Grenzwert für das viel diskutierte Pestizid Glyphosat in Bächen und Flüssen vor. Die ökotoxikologischen Untersuchungen haben gezeigt, dass Glyphosat in den Oberflächengewässern zu denjenigen Pestiziden gehört, welche die Wasserlebewesen erst ab relativ hohen Konzentrationen schädigen. Der Wert, welcher auch kurzzeitig zum Schutz selbst der empfindlichsten Wasserlebewesen nicht überschritten werden darf, liegt bei 360 μg/l (für die Aspekte der gesundheitlichen Auswirkungen und der Zulassung von Glyphosat, siehe Kasten).

Vorschriften über die Verwendung werden nicht geändert

Durch die neuen Grenzwerte in Bächen, Flüssen und Seen ändert sich nichts an den Vorschriften über die Verwendung der verschiedenen Chemikalien. Dies gilt auch für Pestizide und damit für Glyphosat. Alle bestehenden Vorschriften zum Schutz der Gewässer bleiben unverändert gültig, wie zum Beispiel die Anwendungsvorschriften in der Landwirtschaft (Chemikalien-Risikoreduktionsverordnung ChemRRV, Anhang 2.5 sowie produktspezifische Auflagen gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis). Auch das für Gemeinden und Private geltende Verbot, Herbizide – also Mittel zur Beseitigung von unerwünschten Pflanzen – wie Glyphosat auf und entlang von Wegen, Strassen und Plätzen oder auf Dächern und Terrassen anzuwenden (ChemRRV, Anhang 2.5 ), bleibt bestehen. Darüber hinaus ist das Ziel verschiedener Massnahmen im AP PSM, die Einträge von Pestiziden in die Gewässer in Zukunft deutlich zu verringern.

Unveränderter Schutz von Grund- und Trinkwasser

Die GSchV enthält für das Grundwasser, das als Trinkwasser genutzt wird, bereits heute einen Grenzwert von 0.1 μg/l für alle organischen Pestizide. Diese Anforderung wird nicht geändert.

Die Gewässerschutzgesetzgebung verlangt generell, dass die Gewässer nicht mit Stoffen verunreinigt werden, welche die Qualität des Wassers nachteilig verändern. Sie nimmt dabei sowohl die Behörden als auch die Konsumentinnen und Konsumenten und die Anwenderinnen und Anwender in die Pflicht.


Glyphosat: weitere Informationen

Die Änderung der Gewässerschutzverordnung dient dem Schutz der Oberflächengewässer vor Verunreinigung. Informationen zu den gesundheitlichen Auswirkungen und der Zulassung von Glyphosat finden Sie auf der Homepage der folgenden Bundesämter:

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ist im Rahmen der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln die für die Bewertung der gesundheitlichen Risiken von Pflanzenschutzmitteln für die Menschen zuständige Behörde.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) entscheidet, unter Berücksichtigung der Beurteilung des BLV, über die Zulassung eines Pflanzenschutzmittels.


Auskünfte

Sektion Medien , Bundesamt für Umwelt BAFU, Tel. 058 462 90 00


Vernehmlassungsunterlagen

Weiterführende Informationen

Kontakt
Letzte Änderung 14.12.2017

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