Grüne Wirtschaft: Abfälle und Rohstoffe

Viele Stoffkreisläufe in der Schweizer Abfallwirtschaft sind heute schon geschlossen. Trotzdem besteht in einigen Bereichen noch Verbesserungsbedarf. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaft soll künftig sichergestellt werden, dass durch gezieltes Recycling möglichst viele wichtige Sekundärrohstoffe aus Abfällen gewonnen und in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden können.

Als Staat mit beschränkten Rohstoffvorkommen ist für die Schweizer Wirtschaft ein sicherer Zugang zu Rohstoffen zentral. Abfälle spielen dabei eine wichtige Rolle, sind darin doch viele Rohstoffe enthalten. Durch Recycling können daraus wertvolle Sekundärrohstoffe gewonnen werden. Das entlastet die Umwelt gleich doppelt: Zum einen verringern sich die Abfallmengen, die verbrannt oder deponiert werden müssen, zum anderen werden die Ressourcen in den Rohstoff-Abbaugebieten geschont und damit auch die beim Abbau dieser Rohstoffe entstehenden Abfälle vermieden. Die Abfall- und Rohstoffpolitik soll so ausgebaut werden, dass die noch offenen Kreisläufe geschlossen und der Einsatz von Sekundärrohstoffen gefördert werden.

Bisherige Meilensteine

Folgende wichtige Meilensteine wurden schon erreicht:

  • Zur Schliessung von Stoffkreisläufen konnten unter anderem die Arbeiten zur Entwicklung und Umsetzung optimaler Nutzungs- und Verwertungswege von Verbrennungsrückständen aus KVA vorangetrieben werden. Konkret konnten Verbesserungen in der Rückgewinnung von Wertstoffen (insbesondere Metallen) erreicht werden.
  • Verschiedene Projekte in dem Bereich Rückgewinnung von seltenen technischen Metallen (STM) aus Elektronikschrott (E-Schrott) untersuchen das Potential einer effektiven Rückgewinnung in Zukunft.
  • Der Detailhandel hat sich vermehrt auf freiwilliger Basis im Verpackungsbereich engagiert. So haben Migros und Coop bis Ende 2015 ein flächendeckendes Sammelsystem für die Verwertung bestimmter Kunststoffhohlkörper-Verpackungen aufgebaut.
  • Der Bundesrat hat mit der Inkraftsetzung der Abfallverordnung (VVEA) das Recycling von Phosphor aus Klärschlamm vorgeschrieben - die Umsetzung muss innerhalb von 10 Jahren erfolgen.
  • In der Schweiz werden rund 54% aller Siedlungsabfälle rezykliert. Damit gehört die Schweiz zu den Spitzenreitern in Europa.

Weiterentwicklung 2016-2019 

Abfallvermeidung
Die Schweiz liegt mit jährlich über 700 kg pro Kopf 200 kg über dem OECD-Durchschnitt. Der Bund ist bestrebt, dass das Abfallvolumen mit Vermeidungsmassnahmen bei der Produktion, dem Transport, der Verteilung und dem Konsum reduziert wird. Im Vordergrund stehen nebst dem Food Waste unter anderem die Verpackungsmaterialien, welche rund ein Drittel der Siedlungsabfälle ausmachen.

Stoffkreisläufe schliessen
Die Grundlagen werden dahingehend verbessert, dass vermehrt eine gesamtheitliche Lebenswegbetrachtung der Materialien und Produkte zugrunde gelegt werden kann. So können Unternehmen im eigenen Interesse heute noch offene oder ungenügend genutzte Stoffkreisläufe schliessen, vermehrt Sekundärrohstoffe einsetzen sowie den Rohstoffbedarf und das Abfallaufkommen senken.

  • Versorgung mit nicht-energetischen mineralischen Rohstoffen: Kies, Sand, Kalk, Ton, Salz, Metalle oder Gips sind wichtige mineralische Rohstoffe. Um ihre Verfügbarkeit zu sichern, sollen einerseits detaillierte Rohstoffsicherungsberichte erstellt werden. Der Bund leistet damit einen Beitrag zur Sicherung der langfristigen Versorgung der Schweiz mit wichtigen nicht nachwachsenden Rohstoffen. Andererseits soll der Einsatz von Sekundärrohstoffen bzw. die Substitution der primären Rohstoffe durch Recyclingprodukte gefördert werden, da sie einen zentralen Aspekt hinsichtlich der Schliessung noch offener Stoffkreisläufe und der nachhaltigen Nutzung von Primärressourcen bilden. 
  • Anforderungen an neue Baumaterialien und Bauweisen: Beim Rückbau von Gebäuden fallen grosse Mengen an nicht verwertbarem Mischabbruch an (u.a. Gemisch aus Backsteinen, Styrobeton, Holz-Zementmischungen). Um zukünftig die Verwertung von Bauabfällen zu verbessern und die Verwendung von Recyclingmaterialien zu fördern, wird die Zusammenarbeit mit der Bauwirtschaft weitergeführt, um eine gesicherte Datengrundlage zu erhalten und danach einen Massnahmenplan zur Reduktion der Bauabfälle zu erstellen.
  • Optimierung des Recyclings seltener technischer Metalle: Für die Herstellung elektronischer Bauteile braucht es sogenannte seltene technische Metalle (STM). Ihr Bedarf hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Um die Abhängigkeit von Importen der STM und die durch deren Abbau verursachte Umweltbelastung zu senken, sollen die technische und finanzielle Machbarkeit der Rückgewinnung von STM, die Steigerung der ökologischen Wirkungseffizienz von Metallrecyclingsystemen sowie Betrachtungen zu allfällige Zertifizierung von Metallen aus ressourcenschonender Gewinnung untersucht werden.

Weiterführende Informationen

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Letzte Änderung 20.04.2016

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