Rohstoffe und nachhaltige Infrastrukturen

Die Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs), die Umsetzung des Übereinkommens von Paris sowie Infrastrukturgrossprojekte erfordern (mineralische) Rohstoffe in grossen Mengen. Allerdings ist der Abbau von Rohstoffen mit erheblichen Umweltauswirkungen verbunden (Biodiversitätsverlust, Rückstände aus dem Bergbau sowie Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung). Die Schweiz engagiert sich auf internationaler Ebene für die Verringerung der Umweltauswirkungen mineralischer Rohstoffe und für die Förderung nachhaltiger Infrastrukturen.

Mineralische Rohstoffe

Auch in den kommenden Jahren wird der Rohstoffsektor mit umweltbezogenen Herausforderungen konfrontiert sein. Mit fast 900 Unternehmen ist der Schweizer Rohstoffsektor für die Wirtschaft unseres Landes von grosser Bedeutung. Gemäss dem Bericht des Bundesrates «Rohstoffsektor: Standortbestimmung und Perspektiven» aus dem Jahr 2018 verfolgt die Schweiz das Ziel, die Umweltauswirkungen des Rohstoffabbaus und -handels zu reduzieren, die Umwelttransparenz zu verbessern und ökologisch verantwortungsvolle Geschäftspraktiken zu fördern. In diesem Rahmen setzt sich die Schweiz für die Stärkung der bestehenden globalen Standards und die Erarbeitung internationaler ökologischer Richtlinien für die Rohstoffbranche ein, insbesondere durch die aktive Beteiligung an den entsprechenden Arbeiten des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE).

Bei der letzten Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA) spielte die Schweiz bei der Annahme der Resolution «Environmental aspects of minerals and metals management» eine wichtige Rolle. Diese Resolution verpflichtet die Mitgliedstaaten und ermutigt Interessengruppen aus dem öffentlichen und dem privaten Sektor dazu, ihre Praktiken und Investitionen im Bergbausektor auf die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung abzustimmen. Die Schweiz unterstützt das UNEP aktiv bei der Umsetzung dieser Resolution.

Sand

Die Gouvernanz der Sandressourcen ist gemäss UNEP eine der grösstenHerausforderungen des 21. Jahrhunderts im Bereich der Nachhaltigkeit. Für den Siedlungsbau und Infrastrukturgrossprojekte werden beträchtliche Mengen an Sand, Kies und Zuschlagstoffen benötigt. Sand wird auch für viele Produkte des täglichen Gebrauchs wie Glas, Haushaltsartikel oder Kosmetika verwendet. So hat sich die weltweite Nachfrage nach Sand in den letzten zwei Jahrzehnten auf 50 Milliarden Tonnen pro Jahr verdreifacht. Damit ist Sand gemessen an der Menge der am meisten abgebaute Feststoff. Dieser Trend dürfte sich weltweit aufgrund der starken Verstädterung und des Bevölkerungswachstums fortsetzen. 

Die Sandgewinnung verursacht unter bestimmten Bedingungen erhebliche Umweltprobleme. In Steinbrüchen kann der Abbau zwar zufriedenstellend gehandhabt werden, aber Sand wird auch häufig in empfindlichen Gebieten wie Stränden, Flüssen oder Meeresböden gefördert. Dort hat der Abbau massive Auswirkungen auf die Ökosysteme, die Biodiversität, die Tierwelt, den Fischbestand und die Wasserqualität, mit lokalen und globalen Folgen. Daher ist es wichtig, den Wissensstand auszubauen, damit die Entscheidungsfindung unterstützt und bewährte Praktiken im Bereich des Sandabbaus und der Sandnutzung gestärkt werden können.  

Rückstände aus dem Bergbau

Beim Bergbau fallen grosse Mengen an gefährlichen und häufig giftigen Abfällen an, die in Rückstandslagern deponiert werden. Sind solche Anlagen schlecht gebaut oder unterhalten, können sie hohe Risiken für die Gesellschaft und die Umwelt bergen. Die Verbesserung der Sicherheit von Anlagen für Bergbauabfälle ist von entscheidender Bedeutung, um technisches Versagen und Unfälle zu verhindern. Vor diesem Hintergrund unterstützt das BAFU im Rahmen des Übereinkommens über die grenzüberschreitenden Auswirkungen von Industrieunfällen verschiedene Projekte zur Stärkung der Umsetzung der Sicherheitsrichtlinien und der guten Praktiken der UNECE für solche Lagereinrichtungen. Ausserdem hat das BAFU zur Ausarbeitung und zur Überwachung der Umsetzung des internationalen Standards für den Umgang mit Bergbaurückständen (Global Industry Standard on Tailings Management) beigetragen, der gemeinsam vom UNEP, dem International Resource Panel (IRP) und dem International Council on Mining and Metals (ICMM) initiiert wurde.

Tiefseebergbau in Gebieten ausserhalb der nationalen Gerichtsbarkeit

Beim Tiefseebergbau – der bislang noch nicht stattfindet – handelt es sich um die Gewinnung von Mineralien (Mangan, Kupfer, Nickel und Kobalt) in Meerestiefen zwischen 200 und 5000 Metern. Die Tiefsee ist das grösste Ökosystem der Erde. Gleichzeitig ist es auch das am wenigsten erforschte: Bisher sind nicht einmal 0,0001 Prozent des Tiefseebodens umfassend beprobt und untersucht worden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind der Ansicht, dass diese Art der Rohstoffgewinnung schwere und irreversible Umweltschäden in den Ozeanen sowie am Meeresleben verursachen und weltweit eine Bedrohung für das Klima
darstellen könnte (Dies umfasst die Zerstörung von Lebensräumen, Biodiversitätsverlust, Trübung, Lärm, Temperaturveränderungen, Metallbelastung etc.). In Gebieten ausserhalb der nationalen Gerichtsbarkeit ist die Internationale Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) für die Verwaltung des Tiefseebergbaus und einen wirksamen Umweltschutz zuständig. Als Vertragsstaat des UNO-Seerechtsübereinkommens (UNCLOS) ist die Schweiz auch Mitglied der ISA.

Nachhaltige Infrastrukturen

Nachhaltige Infrastrukturen sind für die Erreichung der SDGs von entscheidender Bedeutung und haben Einfluss auf praktisch alle 169 Unterziele. Rund 75 Prozent der Infrastrukturen, die bis 2050 benötigt werden, existieren gegenwärtig nicht. Ein Grossteil dieser Infrastrukturen wird in Entwicklungsländern, einkommensschwachen fragilen Volkswirtschaften und aufstrebenden Volkswirtschaften errichtet. Die Art der erforderlichen Infrastruktur, ihr Standort sowie die Art und Weise, wie sie geplant, gebaut und genutzt wird, haben Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft. Infrastrukturen halten in der Regel jahrzehntelang. Daher haben die Entscheidungen, die heute getroffen werden, weitreichende Auswirkungen.

Die Schweiz engagiert sich in diesem Zusammenhang auf multilateraler Ebene für höchste Umweltstandards, insbesondere durch die aktive Teilnahme an den diesbezüglichen Arbeiten des UNEP oder der OECD. Ausserdem hat sie freiwillige Massnahmen im Rahmen der Batumi-Initiative für eine grüne Wirtschaft (BIG-E) angekündigt. Ferner hat sich die Schweiz für die Annahme der Resolution «Sustainable and resilient infrastructure», die von der UNEA verabschiedet wurde, eingesetzt und unterstützt deren Umsetzung.

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Letzte Änderung 27.06.2023

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