Indikator Wirtschaft und Konsum

Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen

Der Indikator zeigt die Anteile der grössten Unternehmen mit Geschäftssitz in der Schweiz, welche über die Nachhaltigkeit ihrer Geschäftstätigkeit systematisch Bericht erstatten. Nachhaltigkeitsberichterstattung ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich Firmen mit ihren Umweltauswirkungen auseinandersetzen. Die Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) sind der wichtigste internationale Standard. Eine Nachhaltigkeitsberichterstattung ist allerdings auch bei Einhaltung der GRI-Vorgaben noch kein Garant für die Qualität des Umweltmanagements oder die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens.

Bewertung des Zustandes
mittelmässig mittelmässig
Bewertung der Entwicklung
positiv positiv
Keine Nachhaltigkeitsberichterstattung 2016: 37 Andere Nachhaltigkeitsberichterstattung 2016: 26 GRI 2016: 47 Keine Nachhaltigkeitsberichterstattung 2015: 38 Andere Nachhaltigkeitsberichterstattung 2015: 16 GRI 2015: 56 Keine Nachhaltigkeitsberichterstattung 2014: 42 Andere Nachhaltigkeitsberichterstattung 2014: 16 GRI 2014: 52 Keine Nachhaltigkeitsberichterstattung 2013: 50 Andere Nachhaltigkeitsberichterstattung 2013: 14 GRI 2013: 46 Keine Nachhaltigkeitsberichterstattung 2012: 52 Andere Nachhaltigkeitsberichterstattung 2012: 15 GRI 2012: 43 Keine Nachhaltigkeitsberichterstattung 2011: 54 Andere Nachhaltigkeitsberichterstattung 2011: 17 GRI 2011: 39 Keine Nachhaltigkeitsberichterstattung 2010: 61 Andere Nachhaltigkeitsberichterstattung 2010: 16 GRI 2010: 33

Daten zur Grafik: Excel
Quelle: EY: Transparenz im Visier (2017)
Kommentar

Im Jahr 2016 berichteten 73 der 110 grössten Schweizer Unternehmen (66%) über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen, davon 47 gemäss den Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI). 2010 waren es erst 49 respektive 33.

Folglich berichten zwei Drittel der grössten Schweizer Firmen über ihre Nachhaltigkeit, wobei 32% der Berichte extern geprüft werden. 44% der berichtenden Unternehmen haben ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung umfassend in den Geschäftsbericht integriert.

Betrachtet man nicht nur die grössten Unternehmen, sondern alle Firmen mit mindestens 250 Mitarbeitenden, so zeigt sich, dass hier der Anteil der Berichterstattung nach GRI deutlich tiefer liegt, nämlich bei 5,4% im Jahr (vgl. GRI 2019 «report list» und BFS 2018 «Marktwirtschaftliche Unternehmen nach Wirtschaftsabteilungen und Grössenklasse»).

Der Zustand des Indikators wird hier mittelmässig bewertet. Wird die formale Qualität der Nachhaltigkeitsberichte nach den drei Kriterien Vollständigkeit, Glaubwürdigkeit und Relevanz bewertet, so zeigt sich nämlich, dass die meisten Firmen mit ihrer Berichterstattung durchschnittliche Noten erzielen (öbu & engageability 2017). Grosse Unternehmen schneiden tendenziell besser ab als KMUs, und während Dienstleistungsanbieter gute Resultate erzielen, sind Immobilienfirmen eher weniger weit. Drei von 101 in einer Studie untersuchten Schweizer Firmen verfügen über eine formal vorbildliche Nachhaltigkeitsberichterstattung (ebd.). Verbesserungspotenziale für Schweizer Unternehmen bestehen unter anderem bei der externen Verifizierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung und der Transparenz im Lieferkettenmanagement.

Die Entwicklung wird insgesamt positiv bewertet. Von 2010 bis 2016 nahm die Nachhaltigkeitsberichterstattung unter den grössten Schweizer Firmen um rund 49% und die Berichterstattung gemäss GRI-Standard um ca. 42% zu. Der Anteil der berichtenden Firmen, welche die Berichterstattungsrichtlinien von GRI anwenden, hat jedoch von 2015 auf 2016 abgenommen (von 78% auf 64%). Eine Fortsetzung dieser Entwicklung würde bei der zukünftigen Bewertung einbezogen.

Internationaler Vergleich

Direkt vergleichbare Zahlen sind derzeit nicht verfügbar (für einen internationalen Vergleich zum Stand der nichtfinanziellen Offenlegungen von Schweizer Unternehmen siehe EY 2017: Transparenz im Visier). Die EU und verschiedene europäische Länder kennen gesetzliche Vorschriften zur Umweltberichterstattung von Unternehmen (Directive 2014/95 /EU), welche Angaben, die sich mindestens auf Umwelt-, Sozial-, und Arbeitnehmerbelange sowie auf die Achtung der Menschenrechte und auf die Bekämpfung von Korruption und Bestechung beziehen enthält. Des Weiteren wird von Unternehmen eine Beschreibung der Konzepte in Bezug auf diese Belange, einschließlich der angewandten Due-Diligence-Prozesse, verlangt.

Weltweit besteht ein Trend zur Offenlegung nichtfinanzieller Informationen. Zwischen 2000 und 2015 nahm die Anzahl der Nachhaltigkeitsberichte nach GRI konstant zu. Für das Berichtsjahr 2016 war dies zum ersten Mal nicht mehr der Fall. 2015 wurden 4'237 GRI-Berichte veröffentlicht, 2016 waren es 4'198. Andere Formen der Berichterstattung orientieren sich unter anderem an «UN Global Compact» (UNGC), dem «Eco-Management and Audit Scheme» (EMAS), «Social Accountability» (SA) 8000, ISO 26000, den OECD-Leitsätzen (vgl. UN Global Compact 2016) oder der Gemeinwohl-Ökonomie.

Methode

Unter den bestehenden Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung ist der Leitfaden der Global Reporting Initiative am weitesten verbreitet. Die Firma Ernst & Young misst jährlich den Anteil der 110 grössten Firmen mit Geschäftssitz in der Schweiz, die über ihre Nachhaltigkeitssituation berichten. Dabei werden die Firmen, welche den GRI-Standard befolgen, separat ausgewiesen.

 
Zuletzt aktualisiert am: 18.04.2019

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