Aus dem Leben einer Tanne

12.12.2019 – Tannenbäume stehen in der Adventszeit wieder besonders im Fokus. Dies ist eine gute Gelegenheit um einmal eine Tanne selber sprechen zu lassen. Diese sprechende Tanne schildert, wie sie die Menschen erlebt, was diese mit ihr machen und welche vielfältigen Funktionen sie als immergrüner Baum auch ausserhalb der Weihnachtszeit erfüllt.  

Wald, Kanton Schwyz
Winterwald im Kanton Schwyz.
© Keystone

«Meine Beziehungen zu den Menschen – diesen seltsamen und umtriebigen Wesen auf zwei Stämmen – sind seit alters eng. Weil ich auch im Winter grün bleibe, halten mich viele von ihnen für ein Sinnbild des ewigen Lebens und der Wiederauferstehung. Sie verwenden meine Zweige für Grabschmuck. Im Wald herrscht vor Weihnachten besonders viel Publikumsverkehr. Die Menschen nehmen mich mit nach Hause und behängen mich jetzt, wenn die Nächte am längsten sind, mit bunten Kugeln und allerlei Zierrat und stecken mir brennende Kerzen an.

Als geschmückter Weihnachtsbaum bringe ich dann die Kinderaugen zum Leuchten. Voraussetzung ist natürlich, dass vorsichtig mit dem Feuer umgegangen wird.

Wenn einheimische Kolleginnen zum Einsatz kommen, hat das schon mal den Vorteil, dass sie keinen langen Transport erdulden mussten und entsprechend nicht ausgetrocknet sind. Jedes Jahr werden in der Schweiz 150'000 Christbäume im Wert von 5 Millionen Franken geerntet! Das ist doch eine stolze Zahl, scheint mir.

Holzhaus in Schneelandschaft in Flims.
© Keystone

Unser Holz wird insbesondere von Zimmerleuten sehr geschätzt. Wir Nadelbäume zeichnen uns nämlich durch relativ weiches, regelmässiges Holz aus, das sich gut bearbeiten lässt. Nicht von ungefähr spricht man bei der Fichte vom «Brotbaum» der Forstwirtschaft. Das jährlich in der Schweiz geerntete Holz stammt denn auch zu zwei Dritteln von Nadel- und zu einem Drittel von Laubbäumen.

Seit Jahrhunderten wissen die Menschen um die Vorzüge von Nadelholz als Baumaterial. Ein Holzhaus im Kanton Schwyz mit Namen «Bethlehem» stammt aus dem Jahr 1287. Gefertigt wurde es übrigens aus sorgfältig ausgesuchtem Fichtenholz. Holzbauten sind auch heute noch beliebt, selbst wenn sie teilweise ganz anders aussehen als früher: Dank modernster Technik können sie geschwungene Formen annehmen, und es werden sogar Hochhäuser mit bis zu zehn Stockwerken errichtet.

Aus Holz stellen die Menschen aber nicht nur Kunstobjekte und Gebäude her, sondern auch praktische Alltagsgegenstände. Zum Beispiel Bleistifte! Indem sie regional typisches Holz wählen – etwa von einer Arve aus Graubünden, von einer Buche aus dem Jura oder einer Kiefer aus den Alpen – verleihen sie ihrem Schreibwerkzeug sogar einen individuellen lokalen Touch.

Auch unser Lebensraum, der Wald, ist für die Schweiz sehr wichtig. Denn er bedeckt rund einen Drittel ihrer Landesfläche. Und er dehnt sich sogar noch aus – jedes Jahr etwa um ein Gebiet von der Grösse des Thunersees. Zurückzuführen ist das nicht zuletzt auf ein strenges Waldgesetz. Es hält fest, dass der Wald in seiner Fläche und räumlichen Verteilung erhalten bleiben soll. 

 

Das ist auch deshalb nötig, weil wir Bäume Siedlungen und Verkehrswege vor Schnee- und Schlammlawinen und vor Steinschlag schützen: Fünfzig Prozent des Waldes nehmen hierzulande eine Schutzfunktion wahr. Das Waldgesetz stellt auch sicher, dass sich der Wald aus eigener Kraft erneuern kann, ohne dass man mit Dünger nachhilft oder Bäume pflanzt. Dies ermöglicht einen Wald, der zahlreichen Tieren und Pflanzen ein wichtiger Lebensraum ist. Überdies besuchen ganz viele Menschen den Wald, um sich zu entspannen. Es kommt sogar vor, dass sie uns dabei umarmen... .»

Gantrisch, Berner Oberland
Naturpark Gantrisch - Berner Oberland.
© Marcus Gyger/Schweiz Tourismus/BAFU

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Letzte Änderung 12.12.2019

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