Sam Hess: «Waldbäume helfen heilen»

In seinen Waldseminaren ermöglicht Sam Hess intensive Begegnungen mit dem «Haus der Stille und Geborgenheit».
© Vreny Hess

Sam Hess (63), Förster aus Leidenschaft, liebt den Wald. 43 Jahre lang war der Innerschweizer im Forstdienst tätig. Was ihn von den meisten Kolleginnen und Kollegen unterscheidet: Er vermag unter die Oberfläche der materiell wahrnehmbaren Welt zu schauen. Er kann mit Naturwesen und den ihnen eigenen Heilkräften in Kontakt treten. Seit 10 Jahren bietet der bärtige Hüne auch Waldseminare an, bei denen er seine Erfahrungen, Erkenntnisse sowie das «Sehen» an interessierte Menschen weitergibt. An seinen Tageskursen lässt er sie die verborgene Seite des Waldes kennenlernen und die heilende Kraft der Bäume spüren.

Eine der Übungen ist für die Kursteilnehmenden besonders wirkungsvoll: Jede Person sucht sich einen Waldbaum aus, zu dem sie sich hingezogen fühlt. Sie begrüsst ihn, nimmt seine Gestalt wahr und bittet ihn, mit ihm kommunizieren zu dürfen. Dann bleibt sie aufmerksam vor ihrem Baum stehen, lehnt sich an ihn an oder umarmt den Stamm. Sie konzentriert sich auf das Wesen des Baumes. Dabei blendet sie alle anderen Sinneseindrücke und Gedanken möglichst aus. «Achtsam und offen bleiben für Impulse des Baumes, ohne Erwartungen zu hegen», ist für den erfahrenen Waldmystiker die richtige Haltung. Diese Übung schenkt vielen Teilnehmenden eindrückliche Erfahrungen. Eine Buche etwa teilt mit: «Bei mir bist du geborgen, du darfst bei mir so sein, wie du bist.» Eine Fichte: «Ich liebe die Bewegung, lass deinen Körper in Schwingung kommen, dann schwingen wir gemeinsam.» Eine Eiche: «Verlangsame deinen Schnauf und spüre den Rhythmus meines Atmens. Du kannst ihn übernehmen, so können wir eins werden.»

Eine derart intensive Baumbegegnung allein kann schon heilend wirken. Sie hilft dem modern gestrickten Menschen, sich wieder stärker mit der Natur zu verbinden. «Die Ausstrahlung eines imposanten Baumes kann oft bereits Kraft spenden, wenn man ihn bloss berührt oder sich in seinen Schatten setzt», weiss Sam Hess. «Ich möchte dazu ermutigen, eine Beziehung zu einem Lieblingsbaum aufzubauen.»

Daneben verfügen Waldbäume über heilende Wirkstoffe, genauso wie manche Kräuter. So regen Tannenknospen die Knochenbildung an, während Erlenknospen bei Gedächtnisstörungen helfen. Blütenessenzen der Zitterpappel (Espe) wirken bei Ängsten und solche der Ulme bei Menschen, die sich überfordert fühlen. Voll des Lobes ist Sam Hess für das Holz der Arve: «In einer Zirbelholzstube fühlt man sich besonders wohl, und in einem Arvenbett schläft es sich bestens.»

Georg Ledergerber

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Letzte Änderung 12.02.2014

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