Verdichtet bauen mit Holz

27.08.2013 - Das BAFU verlängert seinen Aktionsplan zur Umsetzung der Ressourcenpolitik Holz um 4 Jahre. Mit diesem Programm will man eine der wichtigsten Ressourcen im Inland stärker nutzen. Mehr Holz lässt sich vor allem im Hochbau einsetzen - insbesondere auch, um bestehende Siedlungen durch Zusatzbauten zu verdichten.

Das 1936 erstellte Wohnhaus in Zürich-Wiedikon (links) musste energetisch saniert und den heutigen Bedürfnissen angepasst werden. Dank dem zu einer Wohnung ausgebauten Estrich resultiert auch hier eine attraktive Lösung hinsichtlich Komfort und Rendite.

Text: Beatrix Mühlethaler

Kulturland ist knapp - damit steigt der Druck, es nicht weiterhin so schnell zu überbauen. Deshalb soll der Bedarf nach zusätzlichem Raum vermehrt durch Verdichten im Innern von Ortschaften gedeckt werden. Doch wie lassen sich Erweiterungen und Aufstockungen so realisieren, dass ein Ort nicht an Qualität verliert, sondern gewinnt? Und wie soll dieser Prozess ablaufen, insbesondere in kleinräumig bebauten Quartieren mit vielen verschiedenen Eigentümern?

Diesen Fragen widmet sich das Forschungsprojekt «Smart Density», dessen Leitung beim Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP) der Hochschule Luzern liegt. Das Projekt wird vom Aktionsplan Holz unterstützt, weil es Gemeinden und Bauwillige dafür sensibilisieren soll, für die Verdichtung bebauter Strukturen Holz zu verwenden. «Es gibt viele objektive und subjektive Gründe, für das Wachstum nach innen Holz zu wählen», sagt Ulrike Sturm, die das Projekt leitet.

Holz ist zum Bauen ideal

  • Folgende Aspekte sprechen bei Aufstockungen und Erweiterungsbauten für die Verwendung von Holz:
  • Holz hat ein geringes Eigengewicht und exzellente statische Eigenschaften.
  • Vorgefertigte Holzelemente erlauben eine rasche Erweiterung.
  • Holz erfüllt vielfältige Gestaltungsanforderungen.
  • Holz lässt sich leicht mit anderen Materialien kombinieren.
  • Holzbauten können veränderten Nutzungsansprüchen angepasst werden.
  • Holzbau ist gut mit energetischen Sanierungen kombinierbar.
  • Holz enthält im Vergleich zu anderen Baumaterialien wenig graue Energie, die zur Bereitstellung und Verarbeitung der Rohstoffe eingesetzt wird.
  • Das natürliche Material geniesst viel Sympathie und erhöht die Akzeptanz von verdichtetem Bauen.

Holz geniesst Sympathie

Im Projekt «Smart Density» begutachtete das Forschungsteam der Hochschule Luzern das Potenzial für eine Verdichtung von Quartieren und Siedlungen im unterschiedlichen Umfeld von Städten, Agglomerationen und stadtnahen Gemeinden. Einerseits analysierten die Fachleute, wie zusätzliches Bauvolumen ortsgerecht integriert werden kann und welche Gebäudetypen daraus resultieren. Anderseits liessen sie durch eine Befragung klären, wie offen die Eigentümer für eine bauliche Entwicklung, entsprechende Investitionen und den Baustoff Holz sind. Dabei erwies sich der Holzbau als breit akzeptiert.

Gleichzeitig sanieren und verdichten

Ein Nachkriegsgebäude. Es wurde komplett renoviert.
Systembauelemente aus Holz werten dieses sanierte Nachkriegsgebäude in der norwegischen Stadt Drammen auf: Das Dachgeschoss wird zum Vollgeschoss (unten), und die beiden Längsseiten werden durch Wintergärten, ein neues Treppenhaus und Laubengänge erweitert
© kämpfen für architektur ag, Zürich

Meist lässt sich eine Verdichtung im bestehenden Siedlungsraum realisieren, wenn Gebäude sanierungsbedürftig sind - etwa durch einen Abriss und Neubau. Gemäss dem Zwischenbericht der Hochschule Luzern kann es im kleinräumigen Umfeld, wo viele Eigentümer involviert sind, oder auch für manche Siedlung wirtschaftlicher und dem Quartier angemessener sein, Gebäude zu erweitern, statt sie zu ersetzen. Holz ist dafür sehr geeignet, weil es sich gut mit der bestehenden Bausubstanz kombinieren lässt. Gerade die zahlreichen Gebäude aus den 1940er- und 1950er-Jahren mit einem - wegen der damals üblichen Bauweise - hohen Sanierungsbedarf können gut mit Holzwerkstoffen umgebaut und erweitert werden. Dies gilt auch für grossvolumige Gebäude, bei denen es möglich ist, die heutigen Standards sowohl bezüglich Energieeffizienz als auch hinsichtlich der Wohnungsgrössen zu erreichen.

«Smart Density» liefert nicht nur einen Leitfaden für die Entwicklung von Quartieren, sondern bietet auch Umsetzungsmodule für Bauherrschaften, seien dies einzelne Private oder Trägerschaften ganzer Siedlungen. Somit liegen Vorschläge für Gebäudeumbauten mit Holz von kleinen bis zu grossen Gebäudetypen vor.

Holzbau macht Fortschritte

Innovative Holzwerkstoffe und verbesserte Konstruktionstechniken haben der Holzbauweise in den letzten Jahren neue Anwendungsgebiete erschlossen. Sie erleichtern nicht nur Um- und Ausbauten mit Holz sowie die Kombination mit anderen Baumaterialien. Auch grossvolumige Neubauten aus Holz mit bis zu sechs Geschossen lassen sich heute realisieren, weil eine Anpassung der Brandschutznormen erfolgte und der Brand- und Schallschutz zudem entscheidend verbessert werden konnte. Projekte des Aktionsplans Holz oder des Vorgängerprogramms Holz21 leisteten wichtige Beiträge zu dieser Entwicklung. Die beiden Fachbücher Holzbau mehrgeschossig (ISBN: 978-3-905‘711-14-1) und Surélévations en Bois (ISBN: 978-2-88‘074-863-0) sorgen für die erforderliche Breitenwirkung in der Praxis.

Holz in Kaskaden nutzen

Ein weiteres wichtiges Anliegen betrifft das im Baubereich bis anhin kaum verwendete Laubholz, welches immer noch grösstenteils zu Heizzwecken dient. «Holz direkt zu verbrennen, ohne es vorher stofflich zu nutzen, beispielsweise im Bau- oder Möbelbereich, ist volkswirtschaftlich nicht optimal», sagt Werner Riegger, Co-Programmleiter des Aktionsplans. Er spricht damit ein übergeordnetes Ziel an, nämlich eine Nutzung in Kaskaden: Holz sollte wo immer möglich erst nach einem mehrstufigen Lebenszyklus als Bau- und Werkstoff verheizt werden. Dem höherwertigen Einsatz von Laubholz dienen diverse Projekte des Aktionsplans Holz: So werden neue Anwendungen wie zum Beispiel Bauplatten aus Buchenholz entwickelt, Bauwerke aus Laubholz an Messen vorgestellt und die Möglichkeiten für Beschaffung und Absatz analysiert.

Aktionsplan läuft weiter

Mit fast 40 Projekten ist der Baubereich der wichtigste Schwerpunkt des Aktionsplans Holz. In seinem Rahmen sind aber auch breite Datengrundlagen geschaffen worden, man hat die Mobilisierung der Holzreserven thematisiert, und die Nutzung des Waldes wurde der Bevölkerung näher gebracht. Insgesamt umfasste der Aktionsplan 2009 bis 2012 über hundert Projekte verschiedener Träger. Zu den Partnern des BAFU gehörten das Bundesamt für Energie und das Staatssekretariat für Wirtschaft, die Kantone, grosse Verbände der Wald- und Holzwirtschaft sowie Fachstellen und Forschungsinstitute. Das BAFU initiierte und unterstützte Projekte und übernahm die Koordination der Partner.

Die Resultate haben der Branche viele positive Impulse gegeben, wie eine Evaluation der Massnahmen gezeigt hat. Um die bisherigen Arbeiten vertiefen zu können, werden sie mit einem Aktionsplan II für die Jahre 2013 bis 2016 weitergeführt. «Die Stossrichtung hat sich als richtig erwiesen und wird mit einigen Anpassungen beibehalten», sagt die Co-Programmleiterin Ulrike Krafft. «So gilt es, das erarbeitete Wissen verstärkt in die Praxis zu transferieren. Um weitere Veränderungen in Gang zu bringen, soll die Aus- und Weiterbildung einen höheren Stellenwert erhalten.» Auch Kooperationen sollen Verstärkung erfahren, um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft zu fördern. Schliesslich möchte das BAFU die Bereitstellung von Holz weiter thematisieren, denn sie steht am Anfang der Wertschöpfungskette.

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Letzte Änderung 27.08.2013

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