1. Newsletter Wald 2021 (06.04.2021)

Editorial von Michael Reinhard

Michael Reinhard

Liebe Leserinnen und Leser

Ähnlich wie die Coronavirus-Varianten Bevölkerung und Regierung aus ihren jeweiligen Komfortzonen drängen, nimmt auch der Druck auf den Schweizer Wald weiter zu. Die Borkenkäferschäden sind auf dem höchsten Stand seit dem Sturm Lothar und die Holzindustrie steht vor wachsenden Herausforderungen mit den Holzmengen und -qualitäten, die in den Sägereien eingeschnitten werden, und den sehr tiefen Preisen. Davon zeugen auch die zahlreichen parlamentarischen Vorstösse, die im Bundeshaus eingereicht und beraten wurden. Während die Strategien für die Anpassung des Waldes an die Klimaerwärmung bei Bund und Kantonen derzeit in Arbeit sind (Mo Hêche und Po Vara), könnten kurzfristig finanzielle Mittel freigegeben werden, um den Auswirkungen der globalen Erwärmung rasch entgegenzutreten (Mo Fässler). Die optimierte Nutzung von Holz und Biomasse als Energieträger bleibt ein aktuelles Thema in der parlamentarischen Debatte. Auch in diesem Bereich ist das BAFU an der Definition konkreter Massnahmen zur Ergänzung fossiler Brennstoffe beteiligt (Mo Von Siebenthal). Weitere Informationen zu den parlamentarischen Vorstössen im Zusammenhang mit Wald und Holz finden Sie nachfolgend – Sie werden feststellen, dass diese Themen in Bern sehr regelmässig diskutiert werden.

Ich wünsche Ihnen in dieser dritten Welle viel Zuversicht und eine gute Gesundheit!

Michael Reinhard
Abteilungschef Wald, Bundesamt für Umwelt BAFU



Portal ­«Resiliente Wälder» ist online

Das BAFU hat für Fachleute, Waldbesitzer*innen, Student*innen und Forschende Informationen rund um die Waldbewirtschaftung im Zusammenhang mit der Anpassung an den Klimawandel auf einer neuen Internet-Portalseite zusammengefasst. Auf dem Portal «resiliente Wälder» sind auch Informationen zu verwandten Themen aufgeführt.
Das Portal soll helfen, vereinfacht Entscheidungen zu treffen, die in Fachgesprächen über den Unterhalt, die Bewirtschaftung oder die Planung getroffen werden. In dem auf einfache Weise auf verschiedene Quellen und Daten über den Wald und seine Entwicklung zugegriffen werden kann, werden Waldakteure noch besser unterstützt um Entscheidungen für die zukünftige Erbringung aller Waldleistungen zu vorzunehmen.


Evaluation des Forstlichen Investitionskredites (IK Forst)

Seit 1994 werden forstliche Investitionskredite für die Finanzierung von Projekten und Anschaffungen gewährt, welche dem Schutz vor Naturereignissen oder der rationellen Pflege und Nutzung des Waldes dienen. Im Herbst 2020 wurde eine Evaluation des Forstlichen Investitionskredites (IK Forst) abgeschlossen, welche das Büro BSS Volkswirtschaftliche Beratung im Auftrag des BAFU durchgeführt hat. Im Lauf der Evaluation wurden bei allen Kantonen wie auch bei den Nutzniessenden des IK Forst (z.B. Waldeigentümer, Forstbetriebe oder Forstunternehmungen) Umfragen durchgeführt. In den Jahren 2000 bis 2018 wurden rund 1'450 Investitionskredite für forstliche Vorhaben gewährt. Die Umfragen haben gezeigt, dass ein wesentlicher Teil dieser Projekte ohne den IK Forst nur in einen kleineren Umfang, oder gar nicht hätten umgesetzt werden können.

Der Evaluationsbericht gibt zudem wertvolle Hinweise über die Wirkungen und die Prozesse des Instrumentes und es werden Empfehlungen formuliert, um diese Elemente zu optimieren. In den nächsten Monaten wird die Umsetzung der Empfehlungen in Zusammenarbeit mit den Kantonen angegangen.


Holzschutz im Wald: Alternativen zu Pflanzenschutzmitteln

07.01.2021 – Ein kleiner Teil der Pflanzenschutzmittel (PSM), die in der Schweiz verkauft werden, kommt vereinzelt im Wald zum Einsatz. Zwar sind PSM im Wald grundsätzlich verboten, es gibt aber Ausnahmen: In erster Linie werden damit gefällte Bäume behandelt, um sie vor Käfern und Pilzen zu schützen. Das sensible Ökosystem Wald soll aber nicht unnötig belastet werden. Das BAFU hat darum bei der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) einen Bericht in Auftrag gegeben, der Alternativen zu Pflanzenschutzmitteln aufzeigt.


Gründung Netzwerk Pflanzengesundheit Schweiz

BLW Netzwerk Pflanzengesundheit

Das Netzwerk Pflanzengesundheit Schweiz hat zum Ziel, die Gesundheit der Kultur- und Waldpflanzen in der Schweiz besser vor der Einschleppung und Verbreitung von neuen Schädlingen und Krankheiten zu schützen. Das Netzwerk wurde am 18. Februar 2021 gegründet. Es ist im «Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit 2020» aus der Zusammenarbeit verschiedenster Organisationen und Institutionen entstanden.


Kampagne «Wald-Vielfalt»

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Ende April startet die Kampagne «Wald-Vielfalt» in die zweite Saison. Neu finden die Waldbesuchenden in fast 100 Wäldern der Schweiz einen Parcours. Dieser besteht aus einer Begrüssungstafel und 12 Holzfiguren, die auf die Biodiversität im Wald aufmerksam machen. Wer alle Lebewesen findet und deren Namen richtig zuordnet, kann auch dieses Jahr wieder am Wettbewerb teilnehmen.
Neue Parcours gibt‘s in den Kantonen Wallis und Zürich und in den Kantonen Graubünden und Waadt werden zusätzliche Standorte angeboten.

Ein Besuch im Wald lohnt sich!


Weitere Informationen

How to balance forestry and biodiversity conservation. A view across Europe

In der neuen Publikation der WSL «How to balance forestry and biodiversity conservation – A view across Europe” stellen 113 Autoren aus 19 europäischen Ländern 32 Beispiele aus der Praxis vor, die erfolgreich naturschutzfördernde Massnahmen in die Waldbewirtschaftung integrieren. Das wissenschaftliche Grundwissen wird von 44 Autoren aufgearbeitet und mithilfe einer eigens entwickelten Toolbox auf die Fallbeispiele angewendet.

Die Publikation ist bei der WSL sowohl online und auf Papier erhältlich (How to balance forestry and biodiversity conservation. A view across Europe - Publikationen - WSL).

Das INTEGRATE Network des EFI schlägt daraus 9 wichtige Empfehlungen für die Umsetzung und als Input für die neue Waldstrategie der EU vor: Integrate_Policy_ChairsSummary_for_10.11.2020.pdf (wsl.ch).

Befall durch den Buchdrucker weiterhin hoch

Auch im Jahr 2020 mussten über eine Million Kubikmeter Fichtenholz zwangsgenutzt werden, weil es vom Buchdrucker (Ips typographus) befallen war. Zwar sank die Zahl der gemeldeten Sommerzwangsnutzungen im Vergleich zum Vorjahr um 15% auf ca. 795 000 m3. Allerdings schätzt die WSL, dass im Winter 2020/2021 die Käferholzmenge auf über 1.5 Millionen m3 ansteigen könnte – dem zweithöchsten Wert seit dem Rekordjahr 2003.

Waldschutz Aktuell 1/2021
Publikation WSL: Befall durch den Buchdrucker weiterhin hoch

 

Zwei ausgezeichnete Studien zum Wasserhaushalt von Buchen und Fichten

Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Walddauerbeobachtungsprogramm und der ETH: Wissenschafter*Innen der ETH analysierten die langjährigen Daten aus dem WDB und publizierten die Ergebnisse in namhaften wissenschaftlichen Fach-Zeitschriften für. Zwei dieser Artikel wurden nun ausgezeichnet.
In beiden Studien wurde die Wasseraufnahme von Buchen und Fichten auf Flächen der Interkantonalen Walddauerbeobachtung mittels Isotopenanalysen in Baum- und Bodenwasser untersucht. Dies erlaubt Aussagen über die Verwendung verschiedener Wasserherkünfte. Die erste Studie befasst sich mit räumlichen Heterogenitäten in einem Waldbestand, die zweite vergleicht Buchen, Fichten und Eichen aus 182 verschiedenen Walddauerbeobachtungsflächen an einem Zeitpunkt im Juli 2015. Aufgrund der Zusammensetzung der Sauerstoffisotopen kann die jahreszeitliche Herkunft des Wassers (Sommer- oder Winterwasser) bestimmt werden. Erstere wurde aus den oberen, letztere aus tieferen Bodenschichten aufgenommen. Bei den Fichten überwog die Aufnahme aus den oberen Bodenschichten (=Sommerwasser), die Buchen und Eichen nahmen das Wasser aus tieferen Bodenschichten auf. Dies hat Auswirkungen auf die Resistenz gegenüber Trockenheit. 

  • Goldsmith G., Allen S., Braun S., Engbersen N., González‐Quijano C., Kirchner J., Siegwolf R. 2018. Spatial variation in throughfall, soil, and plant water isotopes in a temperate forest. Ecohydrology 2019;12:e2059. https://doi.org/10.1002/eco.2059
    Die Studie bekam den «Ignacio Rodriguez-Iturbe Award» der Zeitschrift Ecohydrology für das Jahr 2019. Ecohydrology (wiley.com)

Publikationen

Jahrbuch Wald und Holz 2020

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Waldressourcen, Holznutzung, Leistungen und Produkte des Waldes. 2020


Personelles

Wir verabschieden: 

Pierre Alfter, wissenschaftlicher Mitarbeiter für naturnahen Waldbau, wurde als Kantonsforstingenieur im Kanton Neuenburg gewählt und wird das BAFU auf 31.3.2021 verlassen. Wir werden Pierre als ausserordentlich engagierten und motivierten Mitarbeiter vermissen, sowohl seine grosse Fachkompetenz als auch seine angenehme Art der Zusammenarbeit und seine innovativen Vorschläge zur Förderung von naturnahem Waldbau. Wir bedanken uns bei ihm für seine hervorragende Arbeit beim BAFU. Wir wünschen Pierre alles Gute für seine neue Aufgabe und hoffen, dass wir in der einen oder anderen künftigen Aufgabe von seiner fachlichen Kompetenz profitieren können. Zur Zeit finden die Vorstellungsgespräche für seine Nachfolge statt.

Kontakt
Letzte Änderung 06.04.2021

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