2. Newsletter Wald 2021 (01.07.2021)

Editorial von Alfred Kammerhofer

Kammerhofer Alfred

Liebe Leserinnen und Leser

Seit Beginn des Jahres sind die Rohstoffmärkte weltweit äusserst stark in Bewegung – Kunststoffe, Stahl, Halbleiter, Chemieprodukte wie z.B. Leime um nur einige zu nennen. Hauptgründe sind die weltweit stark anziehende Nachfrage, gewisse Pandemieeffekte und Handelskonflikte. Davon ist auch der Holzmarkt stark betroffen. Preissteigerungen und Verlängerungen von Lieferfristen sind bei vielen Holzprodukten (z.B. Leimhölzer, Schnittholz, Verpackungsholz) die Folge. Zögerlich reagieren bisher die Rohholzpreise auf diesen Trend. Beim Holz kann generell festgehalten werden, dass der Trend zu mehr «nachhaltigem Bauen mit Holz» anhält und durch die anhaltenden Klima- und Energiedebatten sogar noch an Bedeutung gewinnen wird.

Mitte Mai hat der Bundesrat die Holzhandelsverordnung (HHV), basierend auf neuen Bestimmungen im Umweltschutzgesetz per 1.1.2022 in Kraft gesetzt. Damit bekommt die Schweiz eine gleichwertige Regulierung des Holzmarktes wie dies bereits für den EU-Binnenmarkt der Fall ist (EUTR). Unternehmen und Betriebe, die erstmalig Holz in Verkehr bringen (Importeure aus der EU und aus Drittstaaten wie auch Waldeigentümer und deren Forstbetriebe im Inland) müssen ab kommenden Jahr dafür Sorge tragen, dass sie nur legal geerntetes und gehandeltes Holz in Verkehr bringen (Sorgfaltspflichtsystem). Händler sind verpflichtet, die Nachverfolgbarkeit sicherzustellen. Anerkannte Inspektionsstellen können Unternehmen und Händlern bei deren Einhaltung der Sorgfaltspflicht unterstützen. Importeure von Holz und Holzprodukten werden durch das BAFU, Holz aus dem Schweizer Wald durch die Kantone kontrolliert. Im Herbst bietet das BAFU Informationsveranstaltungen an, um die betroffenen Unternehmen, Betriebe und Akteure über deren neue Pflichten zu informieren. Weiterhin gültig bleibt die Deklarationspflicht für Holz und Holzprodukte im bisherigen Umfang.

Das BAFU wurde am 24.6. von der Wald- und Holzwirtschaft ausführlich zum Lage auf den Holzmärkten informiert. Zudem sind zahlreiche Vorstösse zur angespannten Lage auf dem Schweizer Holzmarkt eingereicht worden.

Alfred W. Kammerhofer
Sektionschef Holzwirtschaft und Waldwirtschaft, Bundesamt für Umwelt BAFU



Update zur Waldpolitik

Am 26. Mai 2021 hat Bundesrätin Sommaruga den aktualisierten Massnahmenplan für die Weiterführung der Waldpolitik nach 2020 (offizieller Titel: «Waldpolitik. Aktualisierter Massnahmenplan 2021-2024») genehmigt. Der Massnahmenplan wird nun übersetzt und für die Veröffentlichung vorbereitet.

Der Massnahmenplan für den Zeitraum 2021-2024 wurde in Abstimmung mit den Kantonen und den Waldeigentümern/-innen, sowie den Vertretern/-innen der Wald- und Holzwirtschaft und weiteren Akteuren erarbeitet. Innerhalb der Bundesverwaltung wurde das Dokument zweimal konsultiert: Die erste Konsultation mit den am meisten betroffenen Ämtern während der Definition der Massnahmen und die Zweite auf allgemeiner Ebene Bundesverwaltung zum Entwurf des konsolidierten Dokuments.

Mit dem Zeitraum 2021-2024 wurde bewusst eine kürzere Laufzeit als ursprünglich vorgesehen gewählt. Dieser Zeithorizont erlaubt es, die sich rasch ändernden Umweltbedingungen für den Wald sowie die Schutz- und Nutzinteressen zeitnaher mit passenden strategischen Ausrichtungen berücksichtigen zu können. Dies in Abstimmung mit aktuell wichtigen politischen Geschäften wie der Umsetzung der Motion Fässler 20.3745 „Sicherstellung der nachhaltigen Pflege und Nutzung des Waldes“ oder der Erarbeitung einer „Gesamtstrategie zur Anpassung des Waldes an den Klimawandel“ in Umsetzung der Motion 19.4177 Engler bzw. Hêche und des Postulats 20.3750 Vara.

Wir danken allen, die an diesem wichtigen Projekt mitgewirkt haben. Weitere Informationen zur aktualisierten Waldpolitik folgen, sobald die neue Publikation veröffentlicht wird.


Holzhandelsverordnung: Neue Pflichten für Erstinverkehrbringer

Holzhandelsregulierung

Der Bundesrat hat das revidierte Umweltschutzgesetz zum Verbot des Handels von illegal geschlagenem Holz und den daraus gefertigten Produkten auf den 1. Januar 2022 in Kraft gesetzt. Kern der Verordnung ist eine neue Sorgfaltspflicht für jene, die Holz und Holzerzeugnisse in der Schweiz erstmals in Verkehr bringen.

Waldeigentümerinnen und - eigentümer, die Holz im Schweizer Wald ernten, sind dieser Regelung ebenfalls unterstellt. Sie können davon ausgehen, dass die waldgesetzliche Nutzungsbewilligung der Kantone und allenfalls weitere bewilligte Dokumente zur Nutzung (z.B. Betriebsplan) die nötigen Informationen beinhalten. Sie sind entsprechend angehalten, diese Nachweise der «legalen Ernte» aufzubewahren. Risikobewertung und Risikominderung sind in der Regel mit den oben erwähnten Nachweisen erfüllt.

Informieren Sie sich und abonnieren Sie den Newsletter «Legaler Holzhandel Schweiz»:
www.bafu.admin.ch/holzhandel

Wir bitten Sie, diese Info auch an Ihre Partner weiterleiten.


Gebietsüberwachung Schadorganismen

Die Abteilung Wald hat im 2020 zusammen mit Waldschutz Schweiz (WSL) und fünf Pilotkantonen (beide Basel, Graubünden, Tessin, Waadt, Zürich) ein dreijähriges Pilotprojekt zur Gebietsüberwachung von besonders gefährlichen Schadorganismen gestartet. Befälle von prioritären Quarantäneorganismen sollen so früh wie möglich entdeckt werden, um die Tilgungschancen zu erhöhen. Mehr Informationen werden in den kommende Monaten auf folgender Website publiziert:


Wald- und Holzsektor im Treibhausgasinventar 2021

Die Schweiz hat sich mit dem Kyoto-Protokoll auf internationaler Ebene verpflichtet, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und veröffentlicht jährlich ihre Zahlen dazu im Schweizer Treibhausgasinventar. Das BAFU hat das Treibhausgasinventar für die Jahre 1990–2019 im April 2021 veröffentlicht. Der Schweizer Treibhausgas-Ausstoss ist in 2019 kaum gesunken (um lediglich 0.3 Mio. Tonnen weniger als 2018).

Auch der Wald- und Holzsektor kann zur Erreichung der Reduktionsziele der Schweiz beitragen. In der Periode 2013-2019 war der Schweizer Wald- und Holzsektor eine jährliche, durchschnittliche Senke von -2.6 Mio. Tonnen CO2. Gemäss den international geltenden Anrechnungsregeln wird die CO2-Bilanz des Wald- und Holzsektors gegenüber einem länderspezifischen Referenzwert. Die Abrechnung erfolgt nach Abschluss der Verpflichtungsperiode 2013-2020 mit dem Treibhausgasinventar 2022, wenn die definitiven Zahlen vorliegen.

Auf Basis der aktuell vorliegenden Zahlen geht das BAFU davon aus, dass diese Wald- und Holzbilanz eine anrechenbare Senke von wenigen Hunderttausend Tonnen CO2 ergibt und somit keinen bedeutenden Beitrag an das Reduktionsziel der Schweiz leisten wird.


Vegetationshöhenmodell und Waldmischungsgrad LFI aktualisiert

Das LFI bietet kontinuierlich nachgeführte Daten zum Vegetationshöhenmodell und zum Waldmischungsgrad. Dies ist dank etablierten Auswertungsprozessen möglich. Das Vegetationshöhenmodell basiert auf Luftbildauswertungen. Updates werden periodisch geliefert, wenn neue Luftaufnahmen im belaubten Zustand ausgewertet sind. Somit erhält jedes Gebiet rund alle 6 Jahre ein Update.

Diese Daten stehen zur Verfügung für die Erstellung von abgeleiteten Produkten wie Bestandeskarten, Betriebsplänen, etc. oder die direkte feldtaugliche Anwendung zu spezifischen Fragestellungen.


Weitere Informationen

Studie: Erkennen der Vitalität von Bäumen anhand von Satellitendaten

Auch in der Waldbewirtschaftung werden zunehmend neue Technologien eingesetzt. Unter den verschiedenen möglichen Anwendungen betrifft eine wichtige Entwicklung Früherkennungssysteme, die in der Lage sind, geschwächte, instabile oder tote Bäume zu erkennen. Die hier vorgestellte Studie zeigt auch, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure einen Mehrwert im Interesse aller schafft.

Wissenstransfer: Erkennen der Vitalität von Bäumen anhand von Satellitendaten (PDF, 33 MB, 17.03.2021)Pilotprojekt durch Innovationsfonds SBB finanziert, mit Unterstützung BAFU und weiterer Projektpartner

Newsletter Aktionsplan Holz

Themen:

  • Ressourcenpolitik Holz 2030 online
  • Aktionsplan Holz 2021-2026 online
  • Aktionsplan Holz 2021-2026 - Gesuche
  • Neue Holzhandelsverordnung ab dem 1.1.2022
  • Daten und Worte

Publikationen

Ressourcenpolitik Holz 2030

Coverr-rph-ui-2103-d

Strategie, Ziele und Aktionsplan Holz 2021–2026

Aktionsplan Holz

Cover Flyer «Aktionsplan Holz»

Flyer. 2021

Forstwirtschaftliches Testbetriebsnetz der Schweiz

Forstwirtschaftliches_Testbetriebsnetz_d

Eine Auswahl der wichtigsten Erkenntnisse zur wirtschaftliche Lage der Schweizer Forstbetriebe. Mit dieser Broschüre wird die Zeitreihe von TBN-Publikationen der Jahre 2008–2010, 2011–2013 und 2014–2016 fortgeführt


Personelles

Wir begrüssen Robert Jenni herzlich. Er wird ab 1. Juli 2021 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Sektion Waldleistungen und Waldpflege die Dossiers naturnaher Waldbau, Anpassung an den Klimawandel und Jungwaldpflege als Nachfolger von Pierre Alfter übernehmen. Robert Jenni ist dipl. Forstingenieur ETH und bringt langjährige waldbauliche Erfahrungen im Forstdienst des Kantons Fribourg und als freischaffender Forstingenieur mit.

Kontakt
Letzte Änderung 01.07.2021

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