3. Newsletter Wald 2021 (28.09.2021)

Editorial von Michael Reinhard

Michael Reinhard

Liebe Leserinnen und Leser

Am 2. und 3. September 2021 hatte ich die Gelegenheit, mich mit meinen Amtskolleginnen und -kollegen der deutschsprachigen Länder am «D-A-CH-LI-Süd-LUX»-Treffen in Brixen in Südtirol auszutauschen. An diesen Meetings sind jeweils Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, die Region Südtirol und die Schweiz vertreten. Zwei Tage lang fanden spannende Diskussionen über die Spuren des Sturms Vaia statt, die zeigten, dass unsere Nachbarländer mit ähnlichen Problemen und Herausforderungen konfrontiert sind wie wir. Wie können die Wälder all die wachsenden sozioökonomischen und ökologischen Erwartungen erfüllen, wenn sie zunehmend verschiedenen Belastungen ausgesetzt sind? Es scheint klar, dass nur integral bewirtschaftete Wälder diesen Ansprüchen gerecht werden können – und den heutigen und künftigen Herausforderungen gewachsen sind. Die Schweiz ist hier gut aufgestellt. Dieses Jahr wird das BAFU zusammen mit dem Europäischen Forstinstitut (EFI) das Netzwerk Integrate leiten und zudem im November 2021 in Boudry (NE) die Jahrestagung zur integrierten und integralen Bewirtschaftung organisieren.

Das Thema Wald und Fragen rund um dessen Schutz und Nutzung sind zweifellos wieder in den Vordergrund gerückt. Dies zeigen auch die zahlreichen parlamentarischen Vorstösse der letzten Jahre. Im August 2021 hat der Bundesrat in Erfüllung der Motion von Ständerat Daniel Fässler beschlossen, dem Parlament einen Nachtragskredit von 25 Millionen Franken für das laufende Jahr und weitere 25 Millionen Franken pro Jahr für die nächsten drei Jahre zu beantragen, um die Stabilität der Waldbestände, Sicherheitsholzschläge und die klimaangepasste Waldverjüngung zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang arbeitet das BAFU mit den Kantonen intensiv an einer Umsetzung im Rahmen der Programmvereinbarungen, die noch bis 2024 laufen.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre und einen schönen Herbst.

Michael Reinhard
Abteilungschef Wald, Bundesamt für Umwelt BAFU



Umsetzung der Motion Fässler «Sicherstellung der nachhaltigen Pflege und Nutzung des Waldes»

Nach Annahme der Motion Fässler 20.3745 «Sicherstellung der nachhaltigen Pflege und Nutzung des Waldes» am 01.06.21, sollen die gesprochenen Mittel (total CHF 100 Mio.) rasch verpflichten werden können. So wird in einem ersten Paket der Teil der Motion abgedeckt, der Zusatzgelder für die drei Teilprogramme der Programmvereinbarung Wald vorsieht. Im zweiten Paket werden die drei vom Motionär eingebrachten Massnahmen zur nachhaltigen Pflege des Waldes behandelt.

Die Eingaben der Kantone bezüglich Paket 1 sind beim BAFU eingegangen. Nach entsprechender Anpassung der Vereinbarungen, können die ersten CHF 25 Mio. noch dieses Jahr an die Kantone ausbezahlt werden. Zu Paket 2 laufen die Arbeiten zur Definition der Rahmenbedingungen.


Die Pflichten der neuen Holzhandelsverordnung: Webinare und Video beantworten Fragen

Ab dem 1. Januar 2022 ist es in der Schweiz verboten, illegal geschlagenes Holz und die daraus gefertigten Produkte auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig mit dem revidierten Umweltschutzgesetz (USG) tritt die neue Holzhandelsverordnung (HHV) in Kraft. Sie verlangt von allen Marktakteuren ihre Pflicht zur Sorgfalt einzuhalten und die Risiken für illegales Holz zu minimieren, sowie die Rückverfolgbarkeit sicherzustellen.

Besonders betroffen sind Unternehmen, die Holz und Holzerzeugnisse aus Drittländern und der EU erstmalig in die Schweiz einführen, sogenannte «Erstinverkehrbringer». Sie sind verantwortlich sicherzustellen, dass diese legal geerntet und gehandelt wurden.

Das Wichtigste in zwei Webinars

Als Vorbereitung für die Unternehmen vor der Einführung der Holzhandelsverordnung informiert die zweiteilige Veranstaltung über:

  • die neue Regelung in der Schweiz und ihre Bedeutung
  • die Rolle der Unternehmen für den legalen Holzhandel
  • die Pflicht der Unternehmen zur Sorgfalt und ihre Umsetzung

Die Webinare bieten zudem Raum für Fragen und Antworten aus den Reihen der Unternehmen.


Achim Schafer erklärt in einem Video, was die neue Holzhandelsverordnung für die Marktakteure bedeutet und was sich ändert.


Kommunikation der Resultate WaMos 3 am ITW 2022

Die Bevölkerungsumfrage WaMos (Waldmonitoring soziokulturell) wurde Anfang 2020 bereits zum dritten Mal durchgeführt. Neu wurden auch regionale Fallstudien, eine Analyse in den sozialen Medien, eine Literaturrecherche, und Expertenumfrage «Besuchermonitoring» sowie eine waldpolitische Interpretation realisiert. 10 Kantone haben für sich eine vertiefte Umfrage durchführen lassen.
Am Internationalen Tag des Waldes 2022 (ITW, 21.3.2022) wird das BAFU gemeinsam mit dem Kanton Freiburg die Resultate von WaMos 3 präsentieren. Die Kantone, welche eine vertiefte Umfrage bei der Bevölkerung in ihrem Kanton durchführen liessen, werden ihre Resultate ebenfalls am ITW oder kurz danach vorstellen.

Von internationaler Seite wurden für den ITW2022 “Wald und nachhaltige Produktion und Verbrauch“ (“Forests and Sustainable Production and Consumption”) und 2023 «Wald und Gesundheit» als Thema gesetzt. Bei der Kommunikation der Resultate von WaMos 3 wird ein Bezug zum ITW-Thema gemacht.


Haftungsfragen bei Freizeit- und Erholungsaktivitäten im Wald

Faktenblatt Information für Waldeigentümer/-innen und Waldbesuchende 

Die Bevölkerung besucht den Wald vermehrt, um sich darin zu erholen und gesund zu bleiben. Dies ist in der Schweiz dank dem freien Betretungsrecht möglich. Die Freizeit- und Erholungsaktivitäten gehören zu einer nachhaltigen und integralen Nutzung des Waldes. Sie führen jedoch häufig zu Fragen bezüglich Sicherheitspflichten der Waldeigentümerschaft einerseits und zur Eigenverantwortung der Waldbesuchenden andererseits. Im Grundsatz gilt die Eigenverantwortung der Waldbesuchenden. Die Waldeigentümerschaft haftet nicht für Gefahren, die im Wald von Natur aus vorkommen (waldtypische Gefahren). Auch bei Werken im Wald ist die Werkeigentümerhaftung zu beachten.

Das BAFU hat ein Faktenblatt zu den verschiedenen Haftungsfragen im Wald erarbeitet.

Information für Waldeigentümer/-innen und Waldbesuchende (PDF, 3 MB, 28.09.2021)Haftungsfragen bei Freizeit- und Erholungsaktivitäten im Wald | Faktenblatt


Neue Formulare für die Bewilligung der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Wald

Pflanzenschutzmittel dürfen im Wald nur ausnahmsweise verwendet werden, für die Bewilligung ist der Kanton zuständig. Um das Bewilligungsverfahren schweizweit zu vereinheitlichen und zu optimieren, haben BAFU, die KOK- Arbeitsgruppe Waldschutz und der KOK-Ausschuss neue Formulare entwickelt. Diese stehen ab sofort den kantonalen Dienststellen zur Verfügung. Sie dienen der Sensibilisierung der Anwenderinnen und Anwender und tragen u.a. dazu bei, dass weniger belastende Alternativen zum PSM-Einsatz geprüft werden.

Mehr über Alternativen zu Pflanzenschutzmitteln im Wald im Webdossier vom Januar 2021:


Anlässe

Workshop - Integrierte Bewertung von Waldökosystemleistungen, Werte und Trade-Offs

Die ETHZ und die Abteilung Wald des BAFU organisieren am 14. und 15. Dezember 2021 an der ETHZ einen Workshop zum Thema Waldleistungen. Die Veranstaltung richtet sich an Waldfachleute und an alle, die sich mit Waldthemen befassen, sowie an Forschende und Studierende. Ziel des Workshops ist es, den Teilnehmenden (1) ein besseres Verständnis der Waldökosystemleistungen und -werte zu vermitteln, (2) den integrierten Bewertungsrahmen (inkl. der monetären Bewertung) zu erkunden und (3) die Bewertungsinstrumente in acht Fallstudien anzuwenden. Waldleistungen wie Schutz vor Naturgefahren, CO2-Bindung, Trinkwasserfilterung, Erhaltung der biologischen Vielfalt oder Wärmeschutz werden mit der Methode der integrierten Bewertung analysiert. Dieser Workshop wird in Zusammenarbeit mit Experten der Ecosystem Services Partnership (ESP) organisiert.

Weitere Informationen finden Sie auf dieser Internetseite:

ETH Zürich: Workshop on Integrated Assessment of Forest Ecosystem Services, Values and Trade-Offs

Online-Anmeldung

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird bei Bedarf eine Warteliste geführt. Die Frist für die Anmeldung endet am 15. November 2021.


Weitere Informationen

Studie Downscaling CH2018 - Berechnung von Meteo- und Trockenheitsindizes für die Waldforschung

Methoden und Resultate

Im Auftrag des BAFU wurden die CH2018-Klimaszenarien für Wälder der Schweiz berechnet. Die originalen Szenarien RCP2.6, RCP4.5 und RCP8.5 sind nur in grober räumlicher Auflösung verfügbar. Die Klimaparameter wurden nun für ein Raster 250m x 250m berechnet. Damit sind sie geeignet für waldökologische Auswertungen.

Interessenten können die Datensätze bei www.meteotest.ch beziehen.


Personelles

Bernhard Rieder ist nach 43 Jahren im Dienste des BAFU und seiner Vorgängerämter in seinen wohlverdienten Ruhestand gegangen. Er hat bei den Finanzen des Aktionsplan Holz und bei der Wald-und Holzforschungsförderung (WHFF), für das Monitoring Holz und das waldökonomische Monitoring sowie für die Berufsbildung Wald gearbeitet. Wir wünschen ihm und seiner Familie für den neuen Lebensabschnitt alles Gute. Seine Stelle wird auf den 1.12.2021 neu besetzt werden.

Ivo Gasparini hat die Abteilung Wald am 31. Juli 2021 nach einem Jahr als wissenschaftlicher Mitarbeiter und davor einem halben Jahr als Praktikant verlassen. Ivo hat insbesondere an den Themen Waldleistungen, Bildung und Wissenstransfer im Bereich Wald gearbeitet. Er fängt jetzt eine Masterarbeit im Bereich Naturgefahren in Lausanne an. Seine befristete Stelle beim BAFU kann nicht wiederbesetzt werden.

Kontakt
Letzte Änderung 28.09.2021

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