3. Newsletter Wald 2020 (29.09.2020)

Editorial von Michael Reinhard

Michael Reinhard

Liebe Leserinnen und Leser

Obwohl dieses Jahr noch nicht vorbei ist steht fest, dass wir wettermässig wieder ein sehr besonderes Jahr erleben – und Corona ist nicht schuld daran. Ein kurzer Abstecher auf die Website von MeteoSchweiz verdeutlicht die Tragweite der Entwicklung. 2019–2020 erlebte die Schweiz den wärmsten Winter seit Messbeginn im Jahr 1864. Laut MeteoSchweiz lag hierzulande die Durchschnittstemperatur von Dezember bis Februar bei 0,7 °C, also beinahe 3 °C über den Normwerten von 1981–2010. Nach dem aussergewöhnlich milden Winter verzeichnete die Schweiz den drittwärmsten Frühling. Viel Sonne bedeutet aber auch unterdurchschnittlich wenig Niederschläge. Der Sommer 2020 gehört mit Temperaturen von fast 1 °C über den Normwerten 1981–2010 und mit starker Hitze zu den wärmsten Sommern seit Messbeginn. Glücklicherweise kam es in der zweiten Augusthälfte zu massiven Regenfällen, sodass die Niederschlagssumme für diesen Monat zum Teil über der Norm lag.

Gemäss einer Studie der amtlichen Wetterdienste der Schweiz, Österreichs und Deutschlands ist seit 1990 eine Verdoppelung der Hitzetage festzustellen. Derselben Studie zufolge sind die Sommer in diesen drei Ländern deutlich wärmer geworden. Laut MeteoSchweiz ist «die Temperatur der extremsten Sommer vor dem Jahr 1990  in den letzten 30 Jahren zum Sommerdurchschnitt geworden. Was früher ein extrem heisser Sommer war, ist heute ein normaler, das heisst ein durchschnittlicher Sommer. Selbst die kühlsten Sommer der letzten 30 Jahre blieben meist deutlich über dem langjährigen Durchschnitt vor 1990.»

Wird das Extreme normal? Als ich Ende der 1990er-Jahre an der Universität studierte, lehrte uns unsere Professorin für Klimatologie, dass die «Extremisierung» der Extreme mit entsprechenden Konsequenzen für die Wälder und deren wichtigsten Funktionen ein Merkmal des Klimawandels sei.
Heute müssen wir neue Lösungen finden und erproben und unsere Waldbewirtschaftung überdenken. Auch dieses Jahr haben mehrere Kantone Bedarf an zusätzlichen Mitteln angemeldet, um diese beispiellose Situation zu bewältigen, nämlich die Kombination der Auswirkungen von mehreren «Trockenjahren» seit 2015 und der kleineren bis mittelschweren Stürme. So gesehen steht die Realität im Wald seit 2015 in deutlichem Kontrast zu bestimmten Ergebnissen des vierten LFI. In diesem besonderen Jahr sind auch wieder umfangreiche Zwangsnutzungen nötig. Doch wohin mit dem trockenen und/oder von Borkenkäfern befallenen Holz, das eine andere Qualität aufweist? Welche Verwertungsmöglichkeiten bieten sich an? Gegenwärtig werden im Rahmen der neuen Ressourcenpolitik Holz, die wir Ihnen Ende Jahr vorstellen werden, verschiedene Optionen ausgelotet. Einige Lösungsansätze könnten darin bestehen, die Wertschöpfungskette zu überdenken und die Entwicklung biobasierter Stoffe stärker voranzutreiben. Wenn wir im aktuellen Kontext der Coronakrise unsere Abhängigkeit von ausländischen Produkten und Rohstoffen, die vielleicht nicht mehr rechtzeitig lieferbar sind, verringern wollen, bieten sich womöglich Chancen für die Ressource Holz und Holzerzeugnisse aus einheimischer Produktion.

Ich wünsche Ihnen anregende Lektüre und einen wunderschönen Herbst. 

Michael Reinhard
Abteilungschef Wald, Bundesamt für Umwelt BAFU



Forststatistik 2019: Borkenkäfer und Trockenheit hinterlassen tiefe Spuren

Mit 4,6 Millionen Kubikmetern wurden 2019 insgesamt 11% weniger Holz geerntet als im Jahr zuvor. Im Jahr 2018 hatte sich die Holzernte stark erhöht – dies infolge des Borkenkäferbefalls, der Sommertrockenheit und der Winterstürme. Diese Entwicklung ist auch bedingt durch den Rückgang der normal geplanten Holzschläge aufgrund der Schadholznutzung und der weiterhin tiefen Holzpreise. Fünf Kantone liefern die halbe Holzernte der Schweiz. Die 667 Schweizer Forstbetriebe erwirtschafteten eine Unterdeckung von 41 Mio. Franken, 43% der Forstbetriebe konnten eine positive Bilanz ausweisen. Dies geht aus der Forststatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) sowie dem forstwirtschaftlichen Testbetriebsnetz des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) hervor.


Neue Informations-Plattform zum Thema «Freizeit und Erholung im Wald»

Am 28. September wurde die Plattform zum Thema «Freizeit und Erholung im Wald» lanciert.

Die Wissensplattform hat zum Ziel, das Thema möglichst umfassend und aus unterschiedlichen Perspektiven darzustellen und den Austausch zwischen Forschung, Bildung und Praxis zu fördern.

Die Plattform will auch den Austausch mit den Nutzer/innen ermöglichen und pflegen. Behörden, Waldfachleute, Forscher/innen und Fachleute aus dem Bereich Freizeit und Erholung im Wald werden aufgerufen, eigene Themen einzugeben und vorzuschlagen.

Medienmitteilung AfW: Plattform zum Thema «Freizeit und Erholung im Wald» (28.09.2020)

www.freizeit-wald.ch


Kampagne «Wald-Vielfalt» - Unser Wald. Überraschend vielfältig.

Schweizweit sind mittlerweile fast 80 Parcours mit Waldlebewesen aus Holz in Wäldern installiert. Viele Parcours werden rege besucht, das zeigen auch die zahlreichen Teilnahmen am Wettbewerb «Finden Sie die Waldbewohner». In der Fotogalerie finden Sie einige Impressionen der Tafeln im Wald. Wir danken allen Beteiligten, die die Kampagne unterstützen.

Nach den Sommerferien wurden die Grundschulen in der Schweiz über die Kampagne informiert.  Sie wurden eingeladen, einen Parcours in ihrer Region zu besuchen um am Wettbewerb teilzunehmen. Ende August/Anfang September wurde der Kurzfilm der Kampagne auf Passenger TV ausgestrahlt. Mit diesen Massnahmen sollen noch mehr Personen erreicht werden.

Übersichtskarte Parcours und Wettbewerbsteilahme


Revidierte Vollzugshilfe Waldschutz mit Fokus auf Module Rotband- und Braunfleckenkrankheit sowie Kiefernholznematode

Die Vollzugshilfe Waldschutz wurde im 2020 zum ersten Mal revidiert. Neben formellen Anpassungen an das neue Pflanzengesundheitsrecht wurde das Modul zur Bekämpfung der Rotband- und Braunfleckenkrankheiten total revidiert und ein neues Modul zur Bekämpfung des Kiefernholznematoden wurde hinzugefügt. Die Webseiten zu den beiden Modulen wurden entsprechend angepasst. Neu werden im Anhang 3 die Kategorien der besonders gefährlichen Schadorganismen (bgSO) erläutert. Die revidierte Vollzugshilfe trat am 1. September 2020 in Kraft.

Vollzugshilfe Waldschutz

Cover Vollzugshilfe Waldschutz

Richtlinien zum Umgang mit Schadorganismen des Waldes. 2. aktualisierte Ausgabe 2020


Holzhandelsregulierung: Abschluss der Vernehmlassung                                         

Die Vernehmlassung zur Holzhandelsverordnung HHV (gleichwertige Reglung wie diejenige der EU, EUTR 995/2010) ist am 20.8.2020 zu Ende gegangen. Die Rückmeldungen werden nun ausgewertet und die Verordnung überarbeitet. Der Bundesrat wird im Frühling 2021 die Verordnung verabschieden, das Inkrafttreten ist für 2022 vorgesehen. Mit der EU Kommission klärt die Schweiz technische Fragen.


Weitere Informationen

Tree App

Welche Baumart eignet sich in Zukunft auf einem Waldstandort, wenn sich das Klima verändert? Diese Frage stellen sich viele Forstleute und Waldeigentümer immer wieder, zum Beispiel bei der Jungwaldpflege, bei Durchforstungen in Mischwäldern und bei Pflanzungen. Hier hilft die Tree App. Sie zeigt die passenden Baumarten auf dem Handy an.

Newsletter Aktionsplan Holz vom 24. September 2020

Themen:

  • Holzbaukennzahlen für Investoren
  • KBOB-Empfehlung Nachhaltiges Bauen mit Holz
  • Holzverbindungen als Ausdruck tektonischer Kultur
  • Aktionsplan Holz 2021-2026
  • Daten und Worte
 

Wald-Knigge-Video

Auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft für den Wald haben 20 nationale Organisationen zehn Tipps für einen respektvollen Waldbesuch erarbeitet. Mit einem Augenzwinkern werden die Waldbesuchenden aufgefordert, ein paar einfache Hinweise zu beachten. Jetzt gibt es über diesen Waldknigge auch ein kleines Video. Die Cartoons zeichnete Max Spring.


Publikationen

Vollzugshilfe Waldschutz

Cover Vollzugshilfe Waldschutz

Richtlinien zum Umgang mit Schadorganismen des Waldes. 2. aktualisierte Ausgabe 2020


Personelles

Wir verabschieden:

Ernst Fürst
Nach 34 Jahren im Dienst des BAFU geht Ernst Fürst Ende September in die wohlverdiente Pension. Ernst war all die Jahre zuständig für das forstliche Vermehrungsgut und den forstlichen Pflanzenschutz. Er trat 1986, zur Zeit des Waldsterbens, ins Bundesamt für Forstwesen ein. Insofern schliesst sich mit seinem Austritt ein Kreis: auch heute sorgen wir uns wieder um sterbende Bäume und der Waldschutz geniesst hohe Priorität. Wir verlieren mit ihm viel Vollzugs-Knowhow sowie forstliches Praxiswissen und einen Menschen mit Sinn für Humor. All dies werden wir vermissen. Wir danken Ernst für seinen langjährigen, zuverlässigen Einsatz und wünschen ihm gute Gesundheit und viel Freude im neuen Lebensabschnitt.

Wir begrüssen:

Antonello Speroni (als Nachfolger von Ernst Fürst, ab 1.9.2020)
Am 1. September trat Antonello Speroni die Nachfolge von Ernst Fürst an. Er ist ausgebildeter Gärtnermeister und verstärkt unser Team mit praktischem Baumschulwissen. Er übernimmt Vollzugsaufgaben für das forstliche Vermehrungsgut und die Pflanzengesundheit.

Ivo Gasparini
Seit Anfang August verstärkt Ivo Gasparini den Bereich Bildung in der Abteilung Wald. Ivo Gasparini hat seinen Bachelor in Forstwissenschaften 2020 bei der HAFL abgeschlossen und im Anschluss ein sechsmonatiges Praktikum bei der Abteilung Wald gemacht.

Nina Schneider
Seit Anfang August verstärkt Nina Schneider das Sekretariat der Abteilung Wald. Sie ist gelernte Kauffrau und hat ihre Ausbildung mit Berufsmaturität im BAFU absolviert und im Sommer 2020 erfolgreich abgeschlossen.

Kontakt
Letzte Änderung 29.09.2020

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