4. Newsletter Wald 2021 (21.12.2021)

Editorial von Michael Reinhard

Michael Reinhard

Liebe Leserinnen und Leser

Wir alle erleben derzeit ein sehr ereignisreiches Jahresende. Zwischen neuen Gesundheitsmassnahmen und einem neuen Arbeitsumfeld wurde allerdings in diesem Jahr intensiv zusammengearbeitet, sodass zahlreiche Dossiers behandelt und abgeschlossen werden konnten. So konnte die Waldpolitik mit dem dazugehörigen aktualisierten Massnahmenplan kurz vor den Weihnachtsfeiertagen veröffentlicht werden. Der Weg dahin hat mehrere Jahre und zahlreiche amtsinterne Koordinationssitzungen in Anspruch genommen. Dabei wurde auch der Austausch mit unseren externen Partnerinnen und Partnern gepflegt, darunter insbesondere die Kantone, die Dachverbände der Wald- und Holzwirtschaft, Nichtregierungsorganisationen sowie Akteurinnen und Akteure aus der Wissenschaft. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Personen herzlich bedanken, die direkt oder indirekt und mit grossem Engagement an der Erarbeitung dieses Dokuments mitgewirkt haben.

Wir stehen vor einem neuen Jahr. Dem Jahr, in dem die neue Holzhandelsverordnung in Kraft treten wird, mit welcher der illegale Holzeinschlag weltweit bekämpft und so wertvolle Ökosysteme geschützt werden sollen. Es war eine regelrechte Herkulesaufgabe, die die Abteilung Wald da in den letzten drei Jahren bewältigen musste. Denn es ist alles andere als einfach, eine dem EU-Recht gleichwertige Regelung zu definieren, anzupassen und in der Schweiz umzusetzen. Um die betroffenen Marktakteure über die neuen Vorschriften zu informieren, hat das BAFU mehrere Webinare organisiert. Zudem wurde eine Webseite mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zur neuen Verordnung aufgeschaltet.

Während unsere Kolleginnen und Kollegen in der Abteilung Hydrologie angesichts der intensiven Niederschläge in der ersten Jahreshälfte ein sehr turbulentes Jahr verzeichneten, konnten die Wälder dank der Regenfälle etwas aufatmen, auch wenn es in der zweiten Jahreshälfte trockener war. Inzwischen haben Schneeflocken die Schweiz bereits zum ersten Mal bis ins Flachland in eine weisse Decke gehüllt und damit die bevorstehenden Feiertage eingeläutet. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen, liebe Leserinnen und Leser, einen schönen Jahreswechsel und viel Freude und Gesundheit für das neue Jahr.

Michael Reinhard
Abteilungschef Wald, Bundesamt für Umwelt BAFU



Waldpolitik: Ziele und Massnahmen 2021-2024 

Bundesrätin Sommaruga hat den aktualisierten Massnahmenplan für die Weiterführung der Waldpolitik nach 2020 am 26. Mai 2021 genehmigt. Das BAFU hat in der Folge die Publikation «Waldpolitik: Ziele und Massnahmen 2030. Für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Schweizer Waldes» erarbeitet und diese am 20. Dezember 2021 veröffentlicht. Schwerpunkte der Aktualisierung sind die Verarbeitung und Verwendung der Ressource Holz, der Umgang mit dem Klimawandel und die Leistungsfähigkeit der Waldwirtschaft. Der neue Massnahmenplan besteht aus insgesamt 103 Massnahmen mit konkreten Aktivitäten für den Bund, die Kantone und weitere Akteure der Branche Wald und Holz. Der Massnahmenplan baut auf die Erkenntnisse aus der Zwischenevaluation der Waldpolitik 2020, der Anpassung des Waldgesetztes (2017) sowie verschiedene Studien auf und wurde mit einer Konsultation sowie einem Workshop breit abgestützt.

Waldpolitik: Ziele und Massnahmen 2021–2024

Cover Waldpolitik 2021

Für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Schweizer Waldes. 2021


Umsetzung der Motion Fässler «Sicherstellung der nachhaltigen Pflege und Nutzung des Waldes» - aktueller Stand 

Die Umsetzung der Motion Fässler (Mo. 20.3745) ist auf Kurs. Parlament und Bundesrat haben dem Nachtragskredit von 25 Mio. Franken für das Jahr 2021 sowie der Erhöhung des Verpflichtungskredits für die PV Wald 2020-2024 um 100 Mio. Franken zugestimmt, so dass die Finanzierung bereits ab diesem Jahr zugesichert werden kann.

Zusätzliche Mittel für die bestehende Programmvereinbarung Wald
Paket 1: Auf der Grundlage einer Bedarfsumfrage bei den Kantonen konnten nun sämtliche Programmvereinbarungen jener Kantone mit Bedarf angepasst werden. Insgesamt konnten so im Rahmen einer Erhöhung der Programmvereinbarungen bis 2024 bereits 77 Mio. Franken verpflichtet werden.

Drei zusätzliche Massnahmen in der Programmvereinbarung Wald
Paket 2: Die Arbeiten für die Ergänzung des „Handbuch Programmvereinbarungen im Umweltbereich 2020-2024“ werden in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen und im Austausch mit dem Motionär fortgeführt. Der Abschluss dieses zweiten Umsetzungsschrittes ist mit einer erneuten Anpassung der Programmvereinbarungen bis spätestens Mitte 2022 geplant.


Die Pflichten der neuen Holzhandelsverordnung - erklärt in einem Webinar

Ab dem 1. Januar 2022 ist es in der Schweiz verboten, illegal geschlagenes und gehandeltes Holz und die daraus gefertigten Produkte auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig mit dem revidierten Umweltschutzgesetz (USG) tritt die neue Holzhandelsverordnung (HHV) in Kraft. Sie verlangt von allen Marktakteuren ihre Pflicht zur Sorgfalt einzuhalten und die Risiken für illegales Holz auf ein vernachlässigbares Risiko zu minimieren, sowie die Rückverfolgbarkeit sicherzustellen.

Besonders betroffen sind Unternehmen, die Holz und Holzerzeugnisse aus Drittländern und der EU erstmalig in die Schweiz einführen, sogenannte «Erstinverkehrbringer». Sie sind verantwortlich sicherzustellen, dass diese legal geerntet und gehandelt wurden.

Rückblick auf die beiden Webinare

Als Vorbereitung für die Unternehmen vor der Einführung der Holzhandelsverordnung wurde in einer zweiteiligen Veranstaltung über die Bedeutung der neuen Verordnung, über die Rolle der Unternehmen und über die Sorgfaltspflicht informiert. Zudem wurden Fragen aus der Praxis beantwortet.

Die Veranstaltungen wurden aufgezeichnet und können hier nachgeschaut werden.


Aktuelles über den Waldschutz

Waldbrandwarnungen

Angesichts der vermehrten Trockenheits- und Hitzeperioden hat die Bedeutung der Waldbrandgefahrenwarnung stark zugenommen. Mit dem neuen Informationssystem IGNIS entwickelt das BAFU eine schweizweite, umfassende Grundlage für die Waldbrandgefahrenbeurteilung und Warnung.

An der KOK vom 22.10.2021 wurde die gemeinsame Warnvision des Bundes und der Kantone verabschiedet. Zur Umsetzung der Warnvision mit IGNIS setzen Bund und Kantone eine gemeinsame adhoc-Arbeitsgruppe ein, bei der auch die Forschung mitwirkt.

Anpassung der Verordnung des BAFU über phytosanitäre Massnahmen für den Wald (VpM-BAFU) per 1. Januar 2022

Die Verordnung des BAFU über phytosanitäre Massnahmen für den Wald (VpM-BAFU; SR 916.202.2) wird aufgrund neu geltender Bestimmungen in der Europäischen Union per 1. Januar 2022 angepasst. Eine Ausnahmeregelung wird entfernt, welche die Einfuhr von Bonsais aus Südkorea ermöglichte, da die entsprechende Ausnahme in der EU zeitlich begrenzt war und nun nicht mehr in Kraft ist. Weiter wurde ein Verweis auf eine neue Durchführungsverordnung der EU angepasst, welche die Einfuhrbestimmungen für bestimmte Waren mit Holzverpackung aus Drittländern regelt. Diese neue Durchführungsverordnung löst eine alte ab. Entsprechend wurde die Liste für bestimmte Waren mit Holzverpackung angepasst, die der Anmelde- und Kontrollpflicht bei der Einfuhr unterstehen.

Zukunft der Esche

Am 18. November 2021 fand das Symposium «Zukunft der Esche» an der WSL statt. Diese internationale Tagung mit Fachleuten aus Forschung, Praxis und Behörden diente dem Austausch über die Herausforderungen, aber auch die Fortschritte der Forschung in Zusammenhang mit dem Erhalt der Esche. Im Fokus war das Eschentriebsterben, eine Pilzkrankheit welche bereits flächendeckend in der Schweiz und vielen anderen Ländern Mitteleuropas verbreitet ist, aber auch der Eschenprachtkäfer, ein besonders gefährliches Insekt für die Esche, welches momentan nur im Osten von Europa vorkommt.

Wichtigste Erkenntnisse: Fazit WSL Zukunft der Esche


Die Kampagne «Wald-Vielfalt» wurde Ende November beendet

Kampagnenmarke-positiv-DE

Unser Wald – überraschend vielfältig. Diese Kernbotschaft der Kampagne konnten zahlreiche Kinder und Erwachsene in den letzten beiden Jahren in vielen Wäldern in der Schweiz erleben. Viele Personen haben sich auf die Suche nach den zwölf exemplarischen Lebewesen gemacht, am Wettbewerb teilgenommen und so den Wald aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt. Diese Aktion war nur mit der wertvollen Unterstützung von zahlreichen Partnern möglich.

Herzlichen Dank an alle Personen und Institutionen, die sich für die Kampagne «Wald-Vielfalt» engagiert haben.

Die Kampagne wird aktuell noch ausgewertet. Das Zwischenfazit der Evaluation fällt durchaus positiv aus: Viele Waldbesucherinnen und Waldbesucher haben sich spontan auf das Walderlebnis eingelassen und sind so mit dem Thema Waldbiodiversität in Berührung gekommen. Besonders bei Familien kamen die Holzfiguren und der Wettbewerb gut an.

Die Informationen auf der Website werden auch weiterhin verfügbar sein.

www.wald-vielfalt.ch


Internationale Waldpolitik

In der Zeit der Pandemie seit Februar 2020 waren im internationalen Bereich fast keine physischen Treffen mehr möglich. Virtuell haben viele Webinare, vor allem für den Informationsaustausch stattgefunden. Politisch bemerkenswert war die globale Absichtserklärung von 140 Länder an der COP26 in Glasgow, die globale Entwaldung bis 2030 zu stoppen und 18 Milliarden $ dafür einzusetzen. In den letzten Wochen konnten vereinzelt Treffen unter strengen Covid-Massnahmen stattfinden.

European Integrate Network: Tagung des Europäischen Forstinstituts in Neuchâtel, 27.-29. Oktober 2021

Rund um das Thema «How to balance nature conservation and sustainable forest management” haben internationale Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Praxis ihre Überlegungen für einen resilienten Wald 2080 vorgetragen und das wichtige Zusammenwirken von Schutz und Förderung der Biodiversität und des naturnahen Waldbaus betont. Der Forstdienst des Kantons Neuchâtel lud zu einer spannenden Waldexkursion ein. Michael Reinhard, Abteilungschef Wald als auch die Direktorinnen des BAFU (Frau Kathrin Schneeberger) und der WSL (Prof. Beate Jessel) haben in ihren Referaten ihre Unterstützung eines integralen Waldmanagements unterstrichen. Der Chair des Netzwerks, Christoph Dürr BAFU, zog eine positive Bilanz des Anlasses. Programm, Resultate und Präsentationen:
European forests in 2080: visions, challenges and the role of the European Network Integrate – Integrate Network.

Foresta2021: Jahreskonferenz des UNECE Committee on Forests and the Forest Industry (COFFI) and the FAO European Forestry Commission, in Rom 22.-26. November 2021 (hybride Veranstaltung)

Das Hauptthema war die Bewilligung des Arbeitsprogramms für die nächsten 2 Jahre. Weiter wurden die Teams of Specialists (Fachgruppen) wieder neu festgelegt. Das BAFU engagiert sich vor allem zu den Themen Forest Monitoring, Forest Produkts, Forest Communication, Forest Outlook studies 2040. Ein immer wichtigeres Thema wird «urban forestry». Das BAFU unterstützt dabei das UNECE-Projekt Städtische Waldwirtschaft / Initiative «Trees in Cities in Europe» und hat mit einem Statement (Switzerland: country market statement 2021 | UNECE) zum gegenwärtigen Holzmarkt beigetragen. Keith Anderson, BAFU wurde als Vice-Chair der European Forestry Commission für die nächsten zwei Jahre als Vertreter der Schweiz gewählt.

IDANE Wald: Jahressitzung des Interdepartementalen Ausschuss für Nachhaltige Entwicklung, Untergruppe Wald, in Zollikofen, 2. Dezember 2021 (hybride Veranstaltung)

Die diesjährige, ganztägige Sitzung der IDANE Wald wurde auf Einladung von Prof. Jürgen Blaser am HAFL in Zollikofen zum Thema Wald International durchgeführt. Michael Reinhard betonte das Ziel, den Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis zu stärken, vor allem zum globalen Thema waldrelevante «Transfomative Changes». Dafür konnten neben Vertreterinnen und Vertreter der Bundesämter DEZA, SECO, BLV und den bisherigen Verbänden und NGOs, auch neu Personen aus allen wichtigen Universitäten in der Schweiz für die Teilnahme gewonnen werden. 


Weitere Informationen

Aktionsplan Holz

Wegen sehr hoher Nachfrage und ausgeschöpften Finanzmitteln ist der nächste Eingabetermin beim Aktionsplan der 30. Juni 2023. Dies für einen Projektstart ab dem 1.1.2024.

Newsletter - 17. Dezember 2021

Themen:

  • Aktionsplan Holz 2021-2026
  • Leuchtturmprojekte aus der Phase 2017-2020
  • Stadt aus Holz
  • Rencontres Romandes du Bois
  • Webplattform für Schweizer Holz
  • Daten und Worte

Newsletter - 26. Oktober 2021

Themen:

  • Projekte Aktionsplan Holz
  • Extraktion von Inhaltstoffen
  • MeinWald – MaForêt
  • Holzbautabellen
  • Daten und Worte

Publikationen

Waldpolitik: Ziele und Massnahmen 2021–2024

Cover Waldpolitik 2021

Für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Schweizer Waldes. 2021


In eigener Sache   

Das neue Jahr beginnt für unsere Abteilung mit einem einschneidenden Wechsel. Wir ziehen vorübergehend um in die Stadt Bern. Bis die Renovationsarbeiten im UVEK-Gebäude an der Mühlestrasse in Ittigen 2025 abgeschlossen sind, ist die Abteilung Wald in den ehemaligen Räumlichkeiten der Eidg. Zolldirektion im Monbijou einquartiert.


Personelles

Die Stelle von Bernhard Rieder wird auf zwei Personen aufgeteilt.

Seit dem 1. Dezember 2021 arbeitet Frau Sonja Luginbühl in der Sektion Holz- und Waldwirtschaft und übernimmt damit 50% der Stelle von Bernhard Rieder. Sie wird in den Dossier Monitoring Holz und Waldökonomie statistische Grundlagen aufarbeiten, im Bereich Arbeitssicherheit Waldarbeit und Berufsbildung unterstützen und bei der Administration des forstlichen Investitionskredits mithelfen.

Seit dem 1. Dezember 2021 verstärkt Frau Carla Ciaranfi den Stab der Abteilung Wald und übernimmt damit 50% der Stelle von Bernhard Rieder. Frau Ciaranfi ist dreisprachig (i/f/d) und wird neben allgemeinen Sekretariatsarbeiten schwerpunktmässig die Projektleitungen des Aktionsplan Holz und der Wald- und Holzforschungsförderung Schweiz administrativ unterstützen.

Kontakt
Letzte Änderung 21.12.2021

Zum Seitenanfang

https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/wald/newsletter/4-newsletter-wald-21-12-2021.html